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Suchtverhalten beim Hund

Sucht nach "Spiel"

Es gibt stoffliche Abhängigkeiten, wie beispielsweise die von Kokain oder anderen berauschenden Substanzen.

Und es gibt stoffungebundene Süchte, wobei der Begriff „Abhängigkeit“ der treffendere ist. Ich verwende den Begriff hier etwas unwissenschaftlich, da er sich im alltäglichen Sprachgebrauch etabliert hat und jeder weiß, was gemeint ist.

Stoffungebundene Sucht

Hierbei handelt es sich um zwanghaft ausgeführte Verhaltensweisen. Der berühmte „Balljunkie“ gehört in diese Kategorie.

Im Grunde wirken jedoch alle Wurf- und Spielobjekte ähnlich: Von der Reizangel, über die Frisbee bis hin zum Lieblingsquitschie.

Auch andere „Spiele“, wie Wasserfangen, Schneebälle fangen oder auch in Luftdruckgebläse beißen haben ähnliche Effekte.

Jagdverhalten vs. Objektspiel

Beim Objektspiel beschäftigt sich der Hund zum reinen Selbstzweck mit dem Objekt, wie einem Spielzeug. Es handelt sich dabei also um ein „unbelebtes“ Objekt, das bewegt, beknabbert oder auch zerstört wird.

Das Jagen umfasst einen biologisch sinnvollen und perfekt aufeinander abgestimmten Ablauf, welcher dem Nahrungserwerb dient. Mit dem erfolgreichen Packen, Töten und Fressen der Beute ist die Jagd beendet.

Nicht alle Hunde haben ein Interesse an dem Spiel mit unbelebten Objekten. Dabei spielen sowohl individuelle Vorlieben als auch die Rasse des Hundes eine Rolle. 


Grundsätzlich könnte man sagen: Ist es leicht, das Interesse des Hundes am Objektspiel zu wecken, sollte man auch immer das Potenzial zum Suchtverhalten im Auge behalten. 

Gute Beschäftigung?

Das wiederholte Werfen eines Objektes führt zu einer extrem einseitigen Konzentration des Hundes auf eine stereotype Handlung. Im Grunde trainiert der Mensch hier seinem Hund zwanghaftes Verhalten regelrecht an. Manchmal auch sich selbst: Kaum hat der Hund das Spielzeug gebracht, fliegt es erneut. Wird nicht schnell genug geworfen und die Erwartungshaltung des Hundes (Los, gib mir den nächsten Kick) nicht bedient, steigern sich viele Hunde in stereotypes Wiederaufnehmen, vor den Menschen Legen und Belauern oder aber in massives Bellen bis hin zum Schreien. 

Das Ergebnis ist ein hochgeputschter, vollkommen überreizter Hund, der sich nur noch auf das Spielzeug konzentriert. Dabei reicht meist schon das Wissen darum, dass das Spielzeug vor dem Spaziergang eingesteckt wurde.

Ein deutliches Symptom für suchtartiges Verhalten ist eine andauernd hohe Erwartungshaltung und Verhaltensabläufe in einer ewigen Schleife: Ball werfen, Ball hetzen, packen, bringen und wieder von vorne.

Wie oft ist zu viel?

Je nach Veranlagung des Hundes, reichen bereits ein oder zwei Wiederholungen, um den Anstoß zur Sucht zu geben. Anderen Hunden kann man Spielzeuge häufiger werfen und man bemerkt das zwanghafte Verhalten erst spät, da es sich schleichend aufgebaut hat.

Es gibt hier kein angemessenes Maß oder eine Faustregel. Man kann aber sicher sagen: Je toller der Hund das Hetzen von Spielzeugen findet, umso höher meist auch die Tendenz zur „Ballsucht“.

Was geschieht im Gehirn?

Das körpereigene Belohnungs- und Erwartungssystem wird auf Hochtouren gehalten: Im Gehirn wird Dopamin ausgeschüttet.

Dopamin ist maßgeblich an der Antriebssteigerung und Motivation beteiligt und hat vor allem die wichtige Aufgabe der störungsfreien Übertragung von Informationen. In der Medizin wird es beispielsweise zur Behandlung von Herz-Kreislauf-Schocks eingesetzt.

Bei ADHS wird ein Dopaminmangel vermutet. Typische ADHS-Medikamente bewirken einen Anstieg des Dopaminspiegels im synaptischen Spalt. Also dort, wo Signale übertragen werden. Ziel ist dabei eine „störungsfreie Signalübertragung“ zu erreichen. Eine Überdosierung, also ein zu hoher Dopaminspiegel, macht fast die identischen Symptome wie ein zu wenig an Dopamin. 

Dopamin ist also wichtig, aber eben nur in einem ausgewogenen Maß.

Der „Dopaminrausch, welcher entsteht, wenn das Belohnungszentrum dauerhaft auf Hochtouren läuft, hat eigentlich eine sinnvolle Funktion: Beim Jagen werden so die Erfolgschancen erhöht. Nach Beendigung der Jagd, welche mit Risiken und möglicherweise auch Kämpfen verbunden ist, flacht dieser wieder ab und ist in einen sinnvollen Funktionskreis eingebettet.

 

Bei Wurfspielen gibt es kein wirkliches Ende. Es ist also eine Jagd ohne Ende bei Unerreichbarkeit des Ziels. Denn der Ball kann nicht erlegt und gefressen werden. Er führt nicht in eine geordnete Beendigung der Jagd. Das ständige Entziehen führt zu noch mehr Fixierung, denn der Hund erreicht mit seinem Verhalten nichts. Der Ball fliegt immer wieder weg und der Hund reagiert jedes Mal erneut auf den Stimulus „fliegendes Objekt“. Das zwanghafte Hinterherhetzen selbst, wird zur Belohnung und der Hund versucht dieses Hochgefühl immer wieder zu erreichen, indem er den Ball bringt.

Das hilflose Zerstören von Objekten -meist kann man dabei das sogenannte „Lolli-Gesicht“ beobachten- wirkt meist wie ein hilfloser Versuch das unbelebte Objekt irgendwie zu kontrollieren, zu besitzen. Meist tun dies Hunde, wenn die Dopaminspeicher geleert sind und der Stresspegel des Hundes so hoch ist, dass Regeneration kaum noch möglich ist.

Der Rausch ersetzt jede soziale Kommunikation und Interaktion, weshalb es Balljunkies meist vollkommen wurscht ist, wer den Ball wirft. Im weiteren Verlauf ersetzt das Ballhetzen sogar gänzlich soziale Beziehungen und Kontaktaufnahme zu Artgenossen oder Menschen. 

Bei jungen Hunden führt dieser massive Eingriff in die Chemie des Gehirns teilweise zu Entwicklungsstörungen im sozialen Bereich, aber vor allem auch hinsichtlich der Entwicklung einer adäquaten Fähigkeit zur Selbstbeherrschung.

Alternativen und echtes Spiel

Anstatt ungünstige Veranlagungen zu fördern, solltest du im Blick behalten, wie dein Hund beispielsweise auf Bewegungsreize reagiert oder wie er generell mit Aktivitäten umgeht, welche mit dem körpereigenen Belohnungssystem zusammenhängen.

Das bedeutet nicht, dass jedes Ballspiel sofort Ausdruck einer Sucht ist.

Sinnvoller wäre es jedoch, gemeinsame Aktivitäten anzubieten, bei welchen du als Sozialpartner wirklich mit einbezogen wirst und den Schwerpunkt auf Beschäftigungsmöglichkeiten zu legen, bei denen dein Hund Nachdenken muss und auch Ruhe und Konzentration gefördert werden.

Körpernahes Spiel, Kuscheln, Nasenarbeit, Suchspiele und das gemeinsame Erkunden der Umwelt stellen tolle und universell einsetzbare Beschäftigungsmöglichkeiten dar. Sowohl für deinen Hund, als auch für dich.

Auch Erziehung ist Beschäftigung und kann selbst bei vermeintlich langweiligen Spaziergängen zu wohldosierter Auslastung beitragen.

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