Vrana ist läufig. Ein guter Anlass für mich, mir nochmal in Erinnerung zu rufen, wie das nochmal war, mit „der Hitze“, wie man das auch nennt.
Da ich schon immer Tierschutzhunde hatte, kamen viele meiner Hunde bereits kastriert zu mir. Das ist also für uns Alle ein besonderes Ereignis!
Ein paar Hardfacts über die Läufigkeit
Die erste Läufigkeit ist irgendwann zwischen dem 6. und 24. Lebensmonat. Ich habe jedoch auch schon Hündinnen kennengelernt, die erst später sichtbar läufig wurden.
Vrana ist gerade mal höchstens 8 Monate, also noch recht jung. Kleine Hündinnen werden meist etwas früher geschlechtsreif, als große Hündinnen. Vrana wiegt ungefähr 15 kg.
Viele Hündinnen werden zweimal jährlich läufig und der Abstand zwischen den Läufigkeiten kann variieren: manche werden alle 5 Monate läufig, andere Hündinnen alle 11 Monate. Ursprüngliche Rassen werden häufig nur einmal jährlich läufig.
Woran merkt man, dass eine Hündin läufig wird?
Bei Vrana ist mir besonders aufgefallen, dass sie unkonzentriert erschien und scheinbar nur noch kurz Interesse an kleinen Übungen hatte. Noch vor 3 Wochen war sie freudiger dabei.
Mir ist auch aufgefallen, dass sie tagsüber recht genügsam schläft. Beides habe ich erstmal auf die Pubertät geschoben, dass sie in kurzer Zeit viel Neues gelernt hat und sich einfach ein wenig einlebt und ausruht.
Doch dann fand ich, dass ihre Vulva irgendwie geschwollen aussieht und war mir dann sicher: It’s coming.
Verhaltensänderungen
Generell kann man bei vielen Hündinnen folgende Verhaltensänderungen beobachten:
- häufiges Urinieren und Markieren. Manche Hündinnen beginnen in dieser Zeit sogar, das Bein zu heben, um ihre Duftmarke an besondesr markanten Stellen zu hinterlassen.
- stärkeres Schnüffeln und Interesse an Hundegerüchen als sonst.
- Unruhe, Anhänglichkeit oder Rückzugsverhalten oder starkes Kuschel- und Nähebedürfnis.
- geringere Konzentrationsfähigkeit
- auch erhöhte Reizbarkeit oder Unsicherheit können auftreten
- verändertes Verhalten gegenüber Hündinnen und Rüden
Das kann von Hündin zu Hündin unterschiedlich sein und ist natürlich keine Checkliste.
Läufigkeit
Die eigentliche Läufigkeit dauert ungefähr 18 Tage und meist entwickelt sich bei Hündinnen mit der Zeit ein individuelles, typisches Muster.
Die fruchtbaren Tage
Diese Phase wird häufig auch als „Standhitze“ bezeichnet. Wichtig: Die fruchtbare Phase lässt sich nicht zuverlässig nach Kalendertagen, Blutungsstärke oder Farbe des Ausflusses bestimmen.
- Der Eisprung findet statt. Die Eizellen müssen nach dem Eisprung noch ungefähr zwei Tage reifen,
- Spermien können im weiblichen Genitaltrakt mehrere Tage überleben,
- deshalb kann eine Hündin auch durch eine Paarung vor der eigentlichen Standhitze trächtig werden,
- manche Hündinnen bluten während der fruchtbaren Tage weiter und
- nicht jede Hündin zeigt eine eindeutige Standhitze.

Der gesamte Zyklus einer Hündin erstreckt sich über mehrere Monate und teilt sich in mehrere Phasen auf. Während des Anöstrus, der Ruhephase, passiert quasi nix.
Der Proöstrus, eigentlich die erste Phase des Zyklus, die sogenannte „Vorbrunst“ dauert ungefähr 9 Tage. Hier kann man oft das Anschwellen der Vulva beobachten und viele HundehalterInnen bemerken, dass ihre Hündin plötzlich sehr beliebt bei intakten Rüden hat. Die Hündin ist in dieser Phase aber oft eher ablehnend gegenüber den Flirtversuchen.
Spätestens hier kann es Sinn ergeben, Fremdhundebegegnungen eher auszuweichen und in dieser Phase sammeln besonders junge Hündinnen nicht selten auch erste wirklich blöde Erfahrungen. Niemand findet es toll an der Leine von fremden Rüden bedrängt zu werden.
Daran schließt sich die Standhitze an, der Östrus. Diese Phase kann um die 9 Tage dauern auch, wenn die eigentliche Phase, in der die Hündin sich regelrecht anbietet oft auch nur 1-3 Tage dauert. Der Östrus kann auch länger dauern. Die einzelnen Zyklusphasen sind bei Hündinnen ebenso individuell wie bei uns Menschen.
Manche Hündinnen entwickeln sich in dieser Phase ebenfalls zu absoluten Meisterinnen der Flirterei und du hast die einmalige Gelegenheit die sogenannten Sexöhrchen zu beobachten. Dabei ziehen Hunde ihre Ohren ganz weit nach oben so, dass sich die Ohrenspitzen über dem Kopf fast berühren und dadurch ihre Augen zu wunderschönen mandelförmigen Schlitzen geformt sind. Viele stolzieren mit aufgerichteter Rute und geschwollener Brust wie kleine Araber umeinander herum, hopsen zackig oder werfen den Kopf.
Aber vorsicht: So schön das anzusehen ist. In dieser Zeit bieten sich Hündinnen bereitwillig an und einige hauen auch richtig ab, um auf Rüdenfang zu gehen. Haben sie einen feinen Herr ihrer Wahl auserkoren, klappen sie in dieser Phase bereitwillig die Rute zur Seite. Du solltest Hundekontakte also bewusst auswählen, auf Treffen mit intakten Rüden eher verzichten, dich aber auch nicht auf ständiger Flucht vor Rüden befinden.
Liebeskummer und Selbstbeherrschung
Leben intakte Rüden in eurem Umfeld kann es durchaus sein, dass sie unter Liebeskummer leiden. Es gibt Menschen, die vertreten die Haltung, dass intakte Rüden das grundsätzlich aushalten können müssen, wenn sich eine läufige Hündin ihrer Nähe befindet. Ich finde das so nicht ganz fair und würde das jeweils individuell beurteilen. Sicher gibt es Rüden, denen das zuzumuten ist und auch Hündinnen, die mit den Daueravancen (auch aus der Ferne) gut umgehen können. Da ich voraussetze, dass eine Trächtigkeit um jeden Preis verhindert werden soll, sehe ich auch keinen Grund, diesbezüglich irgendein Risiko einzugehen.
Die dritte Phase, der Diöstrus, dauert ca. 2-3 Monate. Hier bemerken einige Hundehaltende Symptome der Scheinträchtigkeit, wie beispielsweise eine geschwollene Gesäugeleiste aber auch Verhaltensänderungen. Würden wir das nicht verhindern, wäre die Hündin jetzt möglicherweise trächtig.
An den Diöstrus schließt sich dann wieder die mehrmonatige Ruhephase an, der Anöstrus.
Aber wie kann es sein, dass Hündinnen teilweise 3 Wochen bluten? Ist das wie bei uns, dass sich da Gebärmutterschleimhaut ablöst und sich mehr oder weniger schmerzhaft ihren Weg nach draußen bahnt? Wie kann sie dann genau während der Blutung trächtig werden?
Schauen wir uns mal an, was im Körper der Hündin während der einzelnen Phasen passiert:

Zyklus Hündin vs. Zyklus Mensch
Wir bluten zwar auch, aber die Blutungen entstehen aus unterschiedlichen biologischen Gründen und treten an entgegengesetzten Stellen des Zyklus auf.
Warum blutet die Hündin?
Die Hündin blutet im Proöstrus, also vor dem Eisprung. Unter dem Einfluss von Östrogen
- reifen Follikel in den Eierstöcken,
- wird die Gebärmutterschleimhaut stärker durchblutet und
- kleine Blutgefäße werden durchlässiger und
- somit treten rote Blutkörperchen aus den Gefäßen in die Gebärmutter und anschließend nach außen.
Die Schleimhaut wird dabei nicht wie bei einer Menstruation abgestoßen. Die Blutung zeigt also den beginn der Vorbereitung auf den eigentlichen Eisprung an.
Warum blutet der Mensch?
Die Menstruation, also unsere Blutung, erfolgt nach dem Eisprung, wenn keine Schwangerschaft eingetreten ist.
Nach dem Eisprung bildet der Gelbkörper Progesteron. Dieses Hormon erhält die zuvor aufgebaute Gebärmutterschleimhaut. Kommt es jedoch nicht zu einer Schwangerschaft:
- bildet sich der Gelbkörper zurück,
- Progesteron und Östrogen fallen deutlich ab (Oh oh 🫤 )
- die oberen Schichten der Gebärmutterschleimhaut zerfallen (Aua)
- Schleimhautgewebe und Blut werden als Menstruation ausgeschieden.
Die menschliche Blutung ist also eine Abbruch- und Erneuerungsblutung am Ende eines erfolglosen Zyklus. So kann man es auch nennen…
Merke:
Hündin: Blutung vor dem Eisprung – Schleimhaut wird nicht abgestoßen.
Mensch: Blutung nach dem vorausgegangenen Eisprung – Schleimhaut wird abgestoßen.
Beim Menschen:
Ohne Schwangerschaft bildet sich der Gelbkörper nach ungefähr 14 Tagen zurück. Progesteron fällt ab, die Schleimhaut wird teilweise abgestoßen und mit der Menstruation beginnt unmittelbar der nächste Zyklus. Ein durchschnittlicher Gesamtzyklus dauert ungefähr 28 Tage.
Bei der Hündin
Der Gelbkörper bleibt auch ohne Trächtigkeit lange aktiv. Der Körper durchläuft deshalb hormonell zunächst einen schwangerschaftsähnlichen Zustand. Progesteron sinkt erst allmählich; anschließend folgt eine längere Ruhe- und Regenerationsphase. Der gesamte Zyklus dauert daher häufig ungefähr sechs bis sieben Monate.

Scheinträchtigkeit
Bei einer Hündin, die sich nicht gepaart hat und die nicht tragend ist, erläuft die Gelbkörperphase hormonell zunächst ähnlich wie bei einer tragenden Hündin:
- Progesteron bleibt über Wochen erhöht und sinkt erst anschließend,
- gleichzeitig kann Prolaktin steigen und
- Gesäugeentwicklung, Milchbildung, Nestbau oder das Bemuttern von Gegenständen können auftreten.
Eine hormonelle Scheinträchtigkeitsphase gehört daher grundsätzlich zur normalen Fortpflanzungsphysiologie der Hündin. Wie deutlich die Symptome sichtbar werden, ist individuell verschieden.
Scheinträchtigkeit ist keine Krankheit, sondern ein natürlicher Teil der Fortpflanzungsphysiologie der Hündin
Ich berate dich gerne, wie du deine Hündin durch Läufigkeit und etwaige Scheinträchtigkeit begleiten kannst. Dazu gehört eine angepasste Belastung ohne unnötiges Schonen und vor allem das angemessene Verhindern von Verhaltensänderungen, die zu Stress, Ressourcenverteidigung oder Fixierungen führen können. Die Milchbildung sollte nämlich trotz der Natürlichkeit der Scheinträchtigkeit nicht unnötig stimuliert und gefördert werden.
Für viele traditionelle Empfehlungen, wie etwa Spielzeug grundsätzlich wegzunehmen, weniger zu füttern oder besonders viel Bewegung zu verordnen fehlen allerdings kontrollierte Wirksamkeitsstudien. Die veterinärmedizinische Literatur weist ausdrücklich darauf hin, dass standardisierte, evidenzbasierte Behandlungsprotokolle für das Verhaltensmanagement bislang fehlen. Diese Tipps sind also jeweils erfahrungs- und meinungsbasiert.
In einem weiteren Artikel zum Thema Scheinträchtigkeit gehe ich auf die einzelnen Aspekte genauer ein.
Muss eine läufige Hündin geschont werden?
Nein, du darfst deine Hündin grundsätzliche ganz normal bewegen. Entscheidend bei der individuellen Beurteilung ist auch nicht die Blutung sondern eher der individuelle Zustand deiner Hündin. Suche dir in dieser Phase sowohl medizinische als verhaltenstherapeutische Unterstützung, wenn deine Hündin stark verändertes Verhalten zeigt.
Wann sollte die Belastung angepasst werden?
Wenn deine Hündin
- deutlich müder oder weniger motiviert ist,
- empfindlich auf Berührungen reagiert,
- ungewöhnlich unruhig oder schlecht konzentrierbar ist,
- Schmerzen zeigt (Tierklinik)
- auffällig stark blutet (Tierklinik),
- Fieber oder Krankheitszeichen entwickelt (Tierklinik),
- die Aktivität selbst abbricht oder verweigert (Tierklinik).
Eine Anpassung bedeutet nicht zwingend vollständige Ruhe. Häufig sind kürzere Einheiten, mehr Schnüffeln, weniger Leistungsanforderung und größere Abstände zu anderen Hunden absolut ausreichend.
Sicherung, Training und Sozialkontakte
Eine Läufigkeit ist kein Grund, Lernen und Training vollständig einzustellen. Es kann aber sein, dass Gerüche, hormonelle Veränderungen und Reaktionen anderer Hunde die Konzentration deiner Hündin beeinflussen.
- Passe die Anforderungen an die aktuelle Konzentrationsfähigkeit an,
- halte größere Distanz zu Artgenossen,
- vermeiden erzwungene Kontakte,
- keine Korrektur hormonell beeinflusster Unruhe,
- aufdringliche Rüden konsequent fernhalten,
- vertraute Routinen können helfen.
Ich würde auch auf solche Dinge wie eine unbeaufsichtigte Gartennutzung verzichten und mich von Hundeparks, Hundewiesen und beliebten Gassigebieten eher fernhalten. Meist ist das einfach nur unnötig stressig für alle Beteiligten und vor allem für deine Hündin.
Ich würde mich außerdem nicht auf eine deutliche Standhitze oder Ausflussfarbe verlassen, nach dem Motto „Ich glaub wir sind safe“ und lieber ein paar Tage länger vorsichtig sein.
Läufigkeitshöschen
Läufigkeitshöschen sind keine medizinische Notwendigkeit. Ganz im Gegenteil. Sie dienen ausschließlich dem Schutz unseres Mobiliars.
Empfehlungen, wie oft diese gewechselt werden sollen, zu Tragedauer und Material beruhen überwiegend auf dermatologischen Grundprinzipien und klinischer Erfahrung. Aber nicht auf Studien, in denen Hündinnen mit und ohne Höschen verglichen wurden.
Diese Höschen bilden einen relativ geschlossenen Bereich um Vulva, Leisten und häufig auch mehr oder weniger After. Hygienisch ist das eher eine Sauerei und es behindert zusätzlich das Putzverhalten der Hündin, was tendenziell eher zusätzlich stressend wirkt.
Die meisten dieser Höschen sitzen ohnehin oft schlecht, schneiden ein und scheuern. Das feuchte Milieu, die Wärme und Reibung, die entsteht ist die ideale Voraussetzung für Infektionen oder/und eine Dermatitis. Wenn es nicht unbedingt notwendig ist, würde ich sie immer weglassen.
So wahnsinnig viel bluten die meisten Hündinnen auch nicht und vielleicht wäre das jetzt der ideale Zeitpunkt für ein kleines Deckentraining.
Moderates Lecken der Genitalregion gehört zum normalen Putzverhalten des Hundes. Während der Läufigkeit lecken viele Hündinnen etwas häufiger an sich rum, weil sie Blut und Sekret entfernen. Hast du den Eindruck, dass sich deine Hündin kaum vom Belecken abbringen lässt und dabei langanhaltend oder grobwirkt und erscheint es hektisch oder zwanghaft, kann das auf eine Entzündung hindeuten: Ab zur tierärztlichen Praxis.
Wann musst du in eine tierärztliche Praxis?
- bei eitrigem oder übelriechendem Ausfluss,
- Fieber, deutlicher Apathie oder Schmerzen,
- Erbrechen oder ausgeprägtem Durst,
- sehr starker oder ungewöhnlich lang anhaltender Blutung,
- heißem, rotem, hartem oder schmerzhaftem Gesäuge,
- verfärbter oder auffälliger Milch,
- ausgeprägter Aggression oder erheblicher Unruhe,
- Symptomen einer Scheinträchtigkeit über viele Wochen,
- nach möglichem Kontakt zu einem Rüden und unklarer Abgrenzung zwischen Trächtigkeit und Scheinträchtigkeit
Gerade einige Wochen nach der Läufigkeit müssen Schlappheit, vermehrter Durst, Erbrechen, Bauchvergrößerung oder Ausfluss wegen einer möglichen Gebärmuttervereiterung sofort untersucht werden.
Beschäftigung kann die Fixierung auf Nest oder Gegenstände praktisch unterbrechen und generell kann Bewegung, besonders nach der Läufigkeit und während einer milden Scheinträchtigkeit eben auch Struktur, Wohlbefinden und Verhaltensflexibilität unterstützen und somit ein allzu starkes Reinsteigern verhindern.
Für Maßnahmen wie besondere Diäten gibt es keinerlei Evidenz.
Als Tendenz könnte ein Fazit zum Umgang so aussehen
Das ist jedoch keine klare und allgemeingültige Empfehlung und jede maßnahme sollte individuell beurteilt und angepasst werden.
- Mildes Bemuttern: muss nicht automatisch unterbunden werden; nicht gezielt fördern oder bestrafen.
- Fixiertes Bemuttern und Bewachen: ruhig managen und Welpen-Ersatzobjekte konfliktarm entfernen (Tauschen und dann außer jeder Sicht- und Reichweite wegräumen).
- Gesäugelecken oder Selbstsäugen: möglichst verhindern.
- Gesäuge ausdrücken: Auf gar keinen Fall!!!
- Bewegung bei Scheinträchtigkeit: normal und freiwillig;
- Bewegung während der Läufigkeit: bei gesunder Hündin einfach ganz normal euer Leben leben und die Belastung individuell anpassen.
- Generelle Schonung: Es gibt keine wissenschaftliche Grundlage dafür.
- Wasser- oder drastischer Futterentzug: Wird immer noch manchmal empfohlen, aber auch hierfür gibt es keinerlei wissenschaftlichen Beleg. Es wird deinem Hund im zweifel also eher schaden. wasser muss immer zugänglich sein!
- Starke Symptome: tierärztliche Abklärung;
Alles in Allem ist die Läufigkeit eine ganz natürliche Angelegenheit, die von uns normalerweise nicht in irgendeiner Form proaktiv beeinflusst, umgelenkt oder verhindert werden muss. Das betrifft bis zu einem gewissen Maße auch die Scheinträchtigkeit.
Besonderheit der ersten Läufigkeit
Mit der ersten Läufigkeit ist eine Hündin zwar fortpflanzungsfähig, aber noch lange nicht erwachsen.
Der erste Zyklus kann manchmal ein bisschen unauffällig oder uneindeutig verlaufen und wird manchmal fast gänzlich übersehen. Das ist an sich nicht schlimm, aber aus Tierschutzgründen solltest du dich dennoch unbedingt damit befassen, damit es nicht doch zu einer ungewollten und schlimmstenfalls unbemerkten Trächtigkeit kommt.
Die sagenumwobene „weiße“ Läufigkeit
Manchmal auch stille Läufigkeit genannt, ist äußerlich oftmals sehr unauffällig. Manchmal ist die Vulva kaum geschwollen, die Hündin blutet so gut wie garnicht und putzt sich dazu noch sehr ordentlich. Besonders bei jungen Hündinnen ist ein vorübergehendes Interesse an Rüden besonders für Laien leicht mit einfach süßem Sozialverhalten oder einer besonders ausgeprägten Spielphase zu verwechseln.
Aber: Eine äußerlich unauffällige erste Läufigkeit schließt einen Eisprung und damit eine mögliche Trächtigkeit nicht aus.
Geteilte Läufigkeit „Split Heat“
Vor allem bei jungen Hündinnen kann ein sogenannter geteilter Östrus auftreten:
- Die Hündin zeigt zunächst Vulvaschwellung, Blutung oder Interesse an und von Rüden,
- diese Anzeichen verschwinden dann aber wieder, ohne dass ein vollständiger ovulatorischer Zyklus erfolgt um dann
- nach einigen Wochen erneut Läufigkeitszeichen zu zeigen.
- Der zweite Abschnitt kann dann in einen vollständigen Zyklus mit Eisprung übergehen.
In der Regel normalisiert sich das in den folgenden Zyklen. Falls nicht, solltest du das unbedingt abklären lassen.
Generell können die Abstände zwischen den ersten Läufigkeiten schwanken, sollten sich dann aber auf einen individuellen Rhythmus einspielen. Sehr lange Blutungen, Läufigkeitszeichen über mehrere Wochen, starke Krankheitszeichen oder wiederholt extrem kurze Abstände gehören aber auf jeden Fall immer medizinisch abgeklärt.
Auswirkungen auf das Verhalten und das Erwachsenwerden
Die erste Läufigkeit als solches hat keine direkten Auswirkungen auf den Charakter deines Hundes. Die frühere Behauptung, dass eine Hündin damit erwachsen sei, ist falsch.
Aber natürlich beeinflussen Hormone das Verhalten maßgeblich und dieses kann sich während der Läufigkeit und im folgenden Diöstrus vorübergehend verändern. Aufgrunddessen wird deine Hündin auch anders mit ihrer Umwelt umgehen und dementsprechend auch andere, neue Lernerfahrungen machen. Über Eck hat die erste Läufigkeit also doch Einfluss auf das Verhalten deiner Hündin.
Die gute Nachricht: Durch einen nachsichtigen, informierten Umgang und Management und vor allem verlässliche, Führung und Schutz kannst du aktiv positiv Einfluss darauf nehmen. Deine Hündin ist während der ersten Läufigkeit noch in der Pubertät und die Reaktion auf dich und deine Signale kann nach wie vor zeitweise besser oder schlechter sein.
Eine soziale Reife wird unabhängig von der ersten Läufigkeit erst zwischen 12 und 36 Monaten erreicht. In Ausnahmefällen sogar noch später (Herdenschutzhunde reifen beispielsweise sehr langsam und werden spät sozial erwachsen).
Aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich sagen, dass ich bei einigen Hündinnen während bzw. vor der ersten Läufigkeit insgesamt ein differenziertes Verhalten gegenüber Artgenossen beobachtet habe. Wurde einige Wochen zuvor noch recht ähnlich auf Artgenossen, insbesondere fremde Hunde, reagiert, erschien mir die Reaktion der Hündinnen dann später durchaus abgestufter. Oftmals kann man in dieser Zeit erstes Abwehrverhalten (aber eben auch oft das erste mal in Bedrängnis geraten) beobachten.
Auch Vrana hat in den letzten Tagen einige Male recht tief und ernsthaft und erwachsen geknurrt, wie ich es zuvor von ihr noch nicht gehört hatte. Möglicherweise prägt sich das Gefühl für Individualdistanz und körperliche Grenzen in dieser Zeit durchaus verstärkt aus und wird auch gefordert.
Mir ist im Zusammenleben meiner Hunde auch aufgefallen, dass Olli, obwohl er bereits vor vielen Jahren in Bosnien kastriert wurde, sexuelles Interesse an Vrana gezeigt hat, wenn auch recht höflich und jeweils nur kurz. Vrana reagierte auf Olli’s verändertes Verhalten und seine kurzen Flirt-Anfälle deutlich irritiert und verunsichert: Sie zeigte ihm gegenüber neben der ohnehin vorhandenen Demut noch stärker aktives Demutsverhalten und versuchte gleichzeitig ihr Hinterteil zu bedecken, indem sie sich setzte und an mich presste. Es war deutlich zu erkennen, dass sie irgendwo zwischen freudiger Überraschung über Olli’s plötzlichem starken Interesse an ihr (sie mag ihn sehr gerne, aber er ignoriert ihre aufdringlichen Spielaufforderungen normalerweise völlig) und eigener Bedrängnis überfordert war.
Solche Situationen in Hundegruppen sollten unbedingt beobachtet und gegebenenfalls moderiert werden. Besonders wenn mehrere Hunde zusammenleben, auch wenn diese bis auf die läufige Hündin kastriert sind, kann sich die soziale Stimmung verändern und sowohl Rüden als auch Hündinnen miteinander in Konkurrenz treten oder durch verändertes Verhalten irritiert sein.
Falls du Fragen zum Umgang mit der Läufigkeit deiner Hündin oder Verhaltensweisen während der Scheinträchtigkeit hast, ist meine Onlineberatung vielleicht etwas für dich.