Vegane Hunde Ernährung

Zwischen Tierschutz, Gesundheit und Verantwortung: Können Hunde bedarfsdeckend vegan ernährt werden – und worauf kommt es bei der Auswahl eines geeigneten Futters an?

Zwischen Tierschutz, Gesundheit und Verantwortung

Hunde benötigen keine bestimmten Lebensmittel und auch nicht zwingend Fleisch. Entgegen der Fehlannahme, Hunde seien Carnivoren, also Fleischfresser, sind Hunde nämlich Omnivoren: ALLESFRESSER. Aber auch das ist nicht ganz richtig. Dazu erkläre ich weiter unten mehr.

Sie benötigen ausreichend Energie und eine bedarfsgerechte Versorgung mit essenziellen Aminosäuren, Fettsäuren, Vitaminen und Mineralstoffen. Eine vegane Ernährung kann diese Voraussetzungen genauso erfüllen, wie eine fleischhaltige Ernährung. Jedenfalls, wenn sie fachgerecht formuliert, als Alleinfuttermittel geeignet und auf den individuellen Hund abgestimmt ist.

Warum sollten wir über vegane Hundeernährung sprechen?

Für einen Tierschutzhund übernehmen wir Verantwortung, weil sein Leben und sein Wohlergehen für uns zählen. Daraus ergibt sich zwangsläufig eine unbequeme Frage: Warum sollte dieses Mitgefühl an der Grenze zwischen Hund und sogenanntem Nutztier enden? Ist es nicht irgendwie sehr doppelmoralig, das eine Tier „zu retten“ und dafür tausende andere Tiere an eben dieses zu verfüttern?

Natürlich darf eine ethische Entscheidung nicht auf Kosten des Hundes getroffen werden, für dessen Versorgung wir unmittelbar verantwortlich sind. Das eine Tierwohl gegen das andere Tierwohl auszuspielen kann niemals richtig sein.

Nähern wir uns doch mal diesen unbequemen Thema..

„Tierschutz“ meint alle Tiere, oder?

Hunde, Schweine, Rinder, Hühner und andere Tiere sind ebenso empfindungsfähig wie unsere Hunde. Teilweise sind ihre sozialen Fähigkeiten ausgeprägter als die unseres Lieblingshaustieres. Wusstest du, dass Rinder nicht nur in sozialen Gruppen leben, sondern auch beste Freundinnen haben? Oder dass Hühner extrem viel Spaß an Clickertraining haben?
Die moralische Sonderstellung des Hundes lässt sich biologisch nicht allein mit seiner Leidensfähigkeit begründen. Denn alle Tiere sind leidensfähig.
Wer einen Hund aus Leid rettet, muss sich deshalb fragen, inwieweit seine Fütterung vermeidbares Leid anderer Tiere verursacht.

Die Verwertung tierischer Nebenprodukte ist zwar anders zu bewerten als die Verwendung von Filetfleisch, verhindert aber nicht automatisch, dass Heimtierfutter Teil der wirtschaftlichen Wertschöpfung tierischer Produktion ist. Im Gegenteil: Der Hundefuttermarkt ist ein gigantischer Markt und in Zeiten, in denen es unseren geliebten Haustieren an nichts fehlen soll, basiert die top Ernährung unserer Hunde leider oftmals auf extremen Tierleid.


Besonders der Trend zu sehr fleischreichen, rohen oder für Menschen geeigneten Zutaten erhöht die Nachfrage nach tierischen Rohstoffen.


Eine verantwortungsvolle Tierschutzposition darf und muss also auch Konsumentscheidungen rund um den geretteten Hund hinterfragen.
Vegan zu füttern ist sicher keine Voraussetzung für eine gute Adoption. Aber eine legitime und prüfenswerte Möglichkeit, Tierleid zu reduzieren und auch die eigenen Werte auf Glaubwürdigkeit zu überprüfen.

Während ich das Schreibe denke ich auch an die „Grillfeste“ in diversen Tierheimen. Da steht dann der Grill mit Rindswürstchen neben einem Infostand zur artgerechten Haltung von Kaninchen. WTF. Und gleichzeitig muss ich mich selbst fragen: Seinem Hund Pferdefleisch zu füttern, während ich Petitionen gegen Pferdequälerei auf dem Fleischmarkt unterzeichne ist schon auch ganz schön crazy. Ich finanziere, was ich eigentlich verabscheue. Geht das nicht besser?

Umwelt- und Ressourcenschutz als Teil des Tierschutzes

Schauen wir uns mal die ökologischen Kosten der Fleischproduktion an:

  • Tierische Futterbestandteile benötigen im Durchschnitt mehr Fläche und verursachen mehr Treibhausgasemissionen als pflanzliche Ausgangsstoffe.
  • Rind und Lamm schneiden besonders belastend ab.
  • Neben Treibhausgasen sind Landnutzung, Wasserverbrauch, Versauerung und Nährstoffeinträge zu berücksichtigen.
  • Umweltzerstörung betrifft wiederum auch Wildtiere und ihre Lebensräume.
  • Auch Überfütterung und die Verwendung hochwertiger menschlich essbarer Fleischstücke erhöhen den ökologischen Fußabdruck.

Jedes tierische Produkt, das verfüttert wird (das gilt natürlich auch für unseren Konsum), ist eine mehr oder weniger große Umweltsauerei. Eine vermeidbare?

Aber Hunde brauchen doch Fleisch?!

Sind Hunde auf Fleisch angewiesen? Ein kleiner Rutsch durch die kulinarische Vergangenheit unserer Hunde:

Hunde gehören zoologisch zu den Carnivoren (Fleischfresser), sind ernährungsphysiologisch aber viel flexibler als obligate Fleischfresser wie Katzen. Anders ausgedrückt: Hunde sind „fakultative Carnivoren“: auf tierische Nahrung ausgelegt, aber mit der erworbenen Fähigkeit, auch pflanzliche Bestandteile zu nutzen.

Die Zugehörigkeit zu einer zoologischen Ordnung legt aber natürlich nicht automatisch fest, welche Zutaten ein bedarfsdeckendes Alleinfuttermittel enthalten muss. Das halten wir bei uns Menschen ja schließlich auch nicht so.

Im Verlauf der Domestikatioin haben sich Hunde an die Ernährung in menschlicher Umgebung angepasst. Dazu gehören genetische Veränderungen in der Stärkeverdauung und im Fettstoffwechsel. Denn: Hunde wurden in den europäischen Breitengraden seltenst mit diesen Massen an wertvollem Fleisch versorgt, wie wir es heute tun. Hunde können gekochte und technisch aufgeschlossene Stärke grundsätzlich gut verwerten, denn:

Vor der industriellen Futtermittelherstellung wurden Hunde überwiegend mit dem gefüttert, was in der jeweiligen menschlichen Umgebung verfügbar, übrig oder für Menschen weniger wertvoll war. Dazu gehörten:

  • Essensreste und Küchenabfälle
  • Brot, Getreidebrei, Kleie und andere Getreideprodukte
  • Kartoffeln und Gemüse
  • Milch, Molke oder andere Milchreste
  • Knochen, Innereien, Schlachtabfälle und Fleischreste
  • bei Küstenbewohnern Fisch und Fischabfälle
  • selbst erbeutete Kleintiere, Aas und Abfälle

Der Fleischanteil hing stark von Region, Wohlstand und Aufgabe des Hundes ab. Jagd-, Wach- oder Kriegshunde wohlhabender Menschen erhielten teilweise mehr tierische Bestandteile.

Dorf-, Hof- und Straßenhunde lebten dagegen häufig von stärkereichen menschlichen Resten und dem, was sie selbst fanden.

Bei Hunden aus dem bronze- und eisenzeitlichen Spanien bestand die menschlich bereitgestellte Ernährung überwiegend aus glutenhaltigem Getreide und Hülsenfrüchten.

Bei Hunden aus Litauen vom 12. bis 18. Jahrhundert waren Getreideprodukte (auch bei Hunden gesellschaftlicher Eliten) ein wichtiger Nahrungsbestandteil. Städtische Hunde fraßen anders und insgesamt etwas mehr tierische Nahrung als beispielsweise die ebenfalls domestizierten Hausschweine, aber keineswegs ausschließlich Fleisch.

Römische Hunde nördlich der Alpen zeigten eine omnivore Ernährung mit deutlichem tierischem Proteinanteil. Untersuchungen zeigten jedoch auch, dass einzelne Hunde besonders wenig tierisches Protein aufgenommen hatten.

In Sibirien folgte die Ernährung von Hunden häufig derjenigen der örtlichen Menschen: je nach Region und Zeit bestanden deutliche Unterschiede zwischen Fisch, Fleisch und pflanzlicher Nahrung. 

Du siehst also, wie wenig anspruchsvoll Hunde bezüglich ihrer Ernährung waren. Historisch charakteristisch ist daher die große Anpassungsfähigkeit des Hundes an die jeweils verfügbaren menschlichen Nahrungsressourcen.

Eine von „Nature“ aufgegebene Studie von 2013 identifizierte Veränderungen in Genregionen, die Hunde eindeutig von Wölfen unterschieden. Diese veränderten Genregionen sind an Stärkeverdauung und Fettstoffwechsel beteiligt und genau hier liegt die Fähigkeit von Hunden begründet, stärkereiche, menschliche Nahrung zu nutzen. Dies ist (unter anderem) ein sehr wichtiger und markanter Teil der Domestikation (Haustierwerdung) von Hunden.

Was ein Hund wirklich benötigt

Ich verzichte hier auf einen deep-dive in Details der essenziellen und nicht essenziellen Nährstoffe für Hunde. Falls du veganer HUndeernährung bislang kritisch gegenüber standest, hast du dich sicher bereits mit dem Nährstoffbedarf von Hunden befasst. Deshalb hier eine grobe Übersicht:

Hunde brauchen Proteine. Proteine bestehen aus Aminosäuren. Entscheidend sind Menge, die Aminosäurezusammensetzung und Verdaulichkeit. Woher Proteine kommen, ist zweitrangig, insofern sie die obigen Anforderungen erfüllen. Pflanzliche Proteine können kombiniert und auch gezielt ergänzt werden.

Kritische Nährstoffe, wie Methionin, Cystein, Lysin, Tryptophan, Vitamin B12, Vitamin D, Jod, Zink und bestimmte Fettsäuren müssen bei veganem Futter besonders sorgfältig berücksichtigt werden.

Taurin und L-Carnitin sind für gesunde Hunde nicht in jeder Situation formal essenziell, werden bei pflanzlichen Rezepturen aber sinnvollerweise häufig ergänzt.

EPA und DHA können aus Mikroalgen statt aus Fischöl stammen. Das berühmt berüchtigte Lachsöl ist also wirklich schon lange nicht mehr nötig.

Hunde aus Osteuropa, Spanien oder Portugal: Was wissen wir wirklich über ihre ernährungsphysiologische Herkunft?

Viele der Tierschutzhunde aus dem Auslandstierschutz stammen aus diesen Regionen.
Eine 2025 veröffentlichte Untersuchung an 85 Hunden aus acht Balkanrassen lieferte spannende Ergebnisse:
Die untersuchten Hunde (darunter Bosnischer Rauhaariger Laufhund, Posavatz-Laufhund, Istrianer Kurzhaar- und Rauhaar-Laufhund, Šarplaninac, Serbischer Laufhund, Tornjak, Serbischer Dreifarbiger Laufhund) wiesen durchschnittlich etwa 12,4 Kopien des für die Pankreasamylase relevanten AMY2B-Gens auf.

Das spricht, ähnlich wie bei anderen europäischen Hunden, für eine lange Anpassung an stärkereiche Nahrung in einer historisch landwirtschaftlich geprägten Region. 83 von 85 untersuchten Hunden hatten mehr als acht Genkopien.

Als „ursprünglich“ wahrgenommene Balkanrassen wird oft ein hoher Bedarf an Fleisch unterstellt. Ich vermute, dass das unsere seltsame Vorstellung von „archaisch“ repäsentiert: „Früher war viel Fleisch…“ Besonders diese Hunde sind jedoch nicht auf eine besonders fleischreiche, wolfsähnliche Ernährung angewiesen. Ihre genetische Ausstattung weist sogar ganz im Gegenteil auf eine historische Anpassung an stärkereiche menschliche Nahrung hin.

Für Straßen- und Dorfhunde ist außerdem plausibel und vielfach beschrieben, dass sie über lange Zeit vor allem als Kommensalen (Tischgenosse/Mitesser) und Aas-/Abfallverwerter lebten und sich meist von

  • menschlichen Essensresten,
  • Getreidebrei und Brot,
  • gekochter Stärke,
  • pflanzlichen Abfällen,
  • Knochen, Innereien und Fleischresten und
  • lokal verfügbaren Abfällen ernährten.

Das spricht für Ernährungsflexibilität, nicht für eine rein pflanzliche oder rein fleischliche „natürliche“ Ernährung.

Historisch landwirtschaftlich geprägte europäische Hundepopulationen gehören jedoch überwiegend nicht zu den Populationen mit besonders niedrigen AMY2B-Kopienzahlen. Niedrige Werte wurden vor allem bei manchen arktischen Hunden und Dingos gefunden, deren historische Nahrung stärker aus Fleisch oder Fisch bestand.

Gesundheitliches Pro & Contra für vegane Hundeernährung

Ausschluss tierischer Futterallergene

Zu den häufiger berichteten Auslösern kutaner (die Hautoberfläche betreffende) Futtermittelreaktionen gehören:

  • Rind,
  • Milchprodukte,
  • Huhn,
  • Lamm,
  • Ei

Ein veganes Futter schließt diese Proteinquellen logischerweise mit einem Schlag gemeinsam aus. Das kann bei Hunden mit entsprechenden Unverträglichkeiten oder Allergien praktisch hilfreich sein.

Aber: Hunde können auch auf Soja, Weizen, Mais, Erbsen oder andere Pflanzenproteine reagieren und vegan bedeutet nicht automatisch hypoallergen. Frei verkäufliches Hundefutter kann generell immer Kreuzkontaminationen enthalten. Bei echten Allergien (nicht zu verwechseln mit Unverträglichkeiten) ist es also fast unmöglich 100% sicher eine Ausschlussdiät durchzuführen.
Für eine diagnostisch saubere Eliminationsdiät (Ausschlussdiät) ist häufig ein veterinärmedizinisches hydrolysiertes Diätfutter zuverlässiger.

Purinarme Fütterung

Einige pflanzliche Rezepturen sind purinarm und können deshalb bei bestimmten Hunden interessant sein, etwa:

  • Dalmatiner mit Störungen des Harnsäurestoffwechsels,
  • Hunden mit Uratsteinen,
  • Hunden unter Allopurinolbehandlung, beispielsweise bei Leishmaniose.

Aber auch hier ist vegan nicht automatisch purinarm. Hülsenfrüchte und Hefen können relevante Purinmengen enthalten. Ausschlaggebend ist der analysierte Puringehalt des konkreten Futters. Es führt also kein Weg dran vorbei, sich „das was hinten drauf steht“ genauer anzuschauen. Besonders, wenn du dich aus gesundheitlichen Gründen mit der Ernährung deines Hundes beschäftigen musst.

Kontrollierbare Zusammensetzung

Ein fachgerecht formuliertes veganes Alleinfuttermittel kann den gezielten Ausschluss zahlreicher tierischer Proteinquellen ermöglichen. Das ist ein ganz klarer Vorteil. Als Alleinfuttermittel bietet es (entgegen Barf) zusätzlich

  • reproduzierbare Nährstoffmengen,
  • eine gut kalkulierbare Energiezufuhr,
  • eine definierte Fett- und Proteinmenge,
  • die Ergänzung von B12, Vitamin D, Taurin, L-Carnitin und Algenfettsäuren.

Was die Gesundheitsforschung bislang zeigt

Eine einjährige prospektive Studie fand bei Hunden unter einem kommerziellen pflanzlichen Alleinfutter keine klinisch relevanten Nachteile bei Gesundheits-, Blut- und Ernährungsparametern. Das bedeutet: Du bringst deinen Hund mit veganer Ernährung nicht automatisch an den Rand der Lebensgefahr. Es ist weder fahrlässig, noch suboptimal oder Tierquälerei und nicht artgerecht, wie ja auch gerne von ganz besonders uninformierten Populisten behauptet wird. Studienbeweis? Bittesehr https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0298942 und https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0328506. Die Laborstudie von 2025 fand pflanzliche und fleischbasierte Trockenfutter in ihrer Nährstoffzusammensetzung insgesamt ähnlich. Einzelne Abweichungen von Referenzwerten kamen in sämtlichen Futtergruppen vor. Bei pflanzlichen Produkten waren insbesondere Jod und B‑Vitamine zu beachten.

Pflanzliche und fleischbasierte Trockenfutter waren hinsichtlich Protein und essenzieller Aminosäuren weitgehend vergleichbar. Die pflanzlichen Produkte enthielten jedoch durchschnittlich weniger Jod sowie weniger Vitamin B3, B9 und B12. Fünf von sechs untersuchten pflanzlichen Futtern unterschritten den herangezogenen Jodrichtwert. Die Abweichungen waren allerdings kein ausschließlich veganes Problem: Auch zahlreiche fleischhaltige Produkte erfüllten nicht alle untersuchten FEDIAF-Empfehlungen. Die Ergebnisse sprechen deshalb nicht grundsätzlich gegen vegane Hundeernährung, wohl aber für sorgfältig supplementierte Rezepturen und regelmäßige Analysen des fertigen Alleinfuttermittels.

Beim Hundefutterkauf achte ich auf Folgendes:

  • Ist Jod als Zusatzstoff quantitativ angegeben?
  • Ist Vitamin B12 ausdrücklich enthalten?
  • Werden B1, B2, B3, B5, B6, B9 und Biotin ergänzt?
  • Beziehen sich die Angaben nur auf die berechnete Rezeptur oder auf Laboranalysen des fertigen Futters?
  • Kontrolliert der Hersteller regelmäßig einzelne Produktionschargen?
  • Werden hitzebedingte Verluste bei der Extrusion eingerechnet?

Nur „enthält Algen“ reicht bei Jod nicht aus. Der Jodgehalt von Algen kann stark schwanken und eine unkontrollierte zusätzliche Algengabe kann sowohl zu wenig als auch zu viel Jod liefern. Deshalb würde ich auch nicht vorsorglich eigenständig Jod oder B‑Vitamine zufüttern, wenn das verwendete Alleinfutter bereits supplementiert ist.

Wann ist (vegane) Hundeernährung anspruchsvoll?

Folgend findest du eine Liste von Fällen, in denen eine vegane Hundeernährung anspruchsvoll ist. Jedoch nicht, weil vegane Hundeernährung irgendwie doch kritisch ist, sondern weil in den folgenden Fällen jede Art der Ernährung besonders Anforderungen unterliegt. Es bedeutet also vor allem: Wenn eine der folgenden Punkte auf deinen Hund zutrifft, solltest du dir besonders viel Mühe mit der Ernährung deines Hundes geben, dich informieren und nicht auf bloßes Marketing aka „Wölfe würden dieses Futter kaufen“ vertrauen.

  • Welpen, Wachstum, Trächtigkeit und Laktation (Säugende Hündinnen) erfordern speziell geeignete Rezepturen.
  • Bei chronischen Erkrankungen muss die Ration zur Erkrankung passen, nicht nur zum ethischen Wunsch.
  • Bei mäkeligen, untergewichtigen oder muskelarmen Senioren kann eine geringe Energiedichte problematisch sein und die Wahl sollte dann auf höhere Energiedichte fallen. Aber bitte nicht pauschal! Übergewichtige Hundesenioren haben es besonders schwer. Die nicht auch noch fett füttern.
  • Bei bestimmten Magen-Darm-Erkrankungen werden große Mengen fermentierbarer Hülsenfrüchte schlecht vertragen.
  • Eine vegane Standardrezeptur ist keine Nieren-, Leber-, Pankreas- oder Harnsteindiät. Hier musst du verstehen, was der Sinn einer jeweiligen Diät oder Spezialfutter ist und welches vegane Futter dementsprechend geeignet ist!
  • Bei familiärer oder rassebedingter DCM (Herzmuskelerkrankung)-Disposition sind stark erbsen-, linsen- und kartoffeldominierte getreidefreie Rezepturen kritisch zu prüfen.

Wie füttere ich meinen eigenen Hunden?

Bewusst gekauftes Futter kaufe ich nach Möglichkeit immer vegan. Als ich begonnen habe, meine Hunde vegan zu füttern, gab es nur wenige Anbieter und viele Futtersorten enthielten viel Mais. Das ist mittlerweile anders und ich entdecke immer wieder neue Anbieter mit immer ausgereifteren Rezepturen und abwechslungsreichem Geschmack.

Da ich jedes Futter ausprobiere, bevor ich es empfehle, füttere ich meine Hunde etwas unkonventioneller „querbeet“ und mit häufigen Futterwechseln. Bislang habe ich damit jedoch gute Erfahrungen gemacht und bislang bei allen Hunden, die länger bei mir gelebt haben festgestellt, dass sie flexibler und robuster bezüglich der Verträglichkeit von unterschiedlichen Futtersorten wurden und sich früher oder später alle zu enthusiastischen Essern entwickelten.

Bezüglich der Auswahl meiner Leckerlies für das gemeinsame Training nutze ich je nach Kontext jedoch auch nach wie vor Belohnungen tierischen Ursprungs. Das hängt jedoch stark von Kontext, dem jeweiligen Hund und Trainingsstand ab.

Für mich ist das aktuell ein gangbarer Kompromiss, den ich einigermaßen mit meinen Werten vereinbaren kann. Ich achte dennoch darauf, dass tierische Produkte möglichst „Abfallprodukte“ sind und kaufe viel Ohren, Klauen, Lunge etc.

Außerdem versuche ich, die gekauften Produkte so effizient wie möglich zu nutzen. Hühnerherzen koche ich beispielsweise in Wasser, bevor ich sie in Mini-Stückchen schneide. In dem Wasser koche ich dann Nudeln oder etwas Anderes, was ich dann ebenfalls als Leckerli verwende. Das übrige Wasser nach dem Abgießen kann man ebenfalls nutzen: Für erste Fährten, als Motivation zum „aus der Flasche trinken lernen“ oder einfach zum Aufpeppen von den ersten veganen Trockenfutterrationen.

Das schmeckt denen doch nicht genauso gut wie Fleisch, oder?

Auch diesem Thema möchte ich mich ehrlich widmen. Denn der Geschmacksfaktor spielt für viele Hundehaltende eine Rolle, die ersten Versuche mit veganem Hundefutter schnell wieder einzustellen.

Meiner Erfahrung mit vielen von mir gefütterten Hunden als auch Kundinnenhunden ist, dass es sich mehr um eine Umgewöhnung handelt, als eine Aversion. Die meisten Hunden fressen veganes Trockenfutter nach kurzer Zeit ähnlich gerne wie ein vergleichbares fleischhaltiges. Manche bevorzugen es sogar.

Und wie bei jeder Futterwahl gilt: Die Sorte eines Herstellers kann geschmacklich, geruchlich und bezüglich der Pelletform vollkommen anders sein, als die gleiche Sorte einer anderen Firma. Es lohnt sich, ein paar Sorten auszuprobieren.

Wer seinen Hund bis vor kurzem mit fleischhaltigem Dosenfutter versorgt hat, was geruchlich „eine Perversion“ ist und haptisch perfekt zum Schlingen, wird sicher nicht auf Begeisterung stoßen, wenn jetzt ein nach Blumen duftendes, veganes Trockenfutter vorgesetzt wird. Hier empfehle ich ebenfalls erstmal ein veganes Dosenfutter und dann, falls gewünscht, der Wechsel zum Trockenfutter. Ob Nassfutter oder Trockenfutter, hängt von verschiedenen Kriterien ab, die hier den Rahmen sprengen würden.

Dennoch sehe ich im Training Grenzen, Jedenfalls wenn es um den Einsatz von extrem leckeren, wie ich sage „perverslichen“ Belohnungen geht. Das ist sicher nicht immer notwendig und bei manchen Hunden sogar kontraproduktiv. In einigen wenigen Fällen habe ich jedoch die Erfahrung gemacht, dass ein kurzfristiger Wechsel zu veganer Ernährung dann spätestens im Bereich der Leckerlibelohnungen mit fleischhaltigen Leckerlies an seine Grenzen stoßen kann. Konkret: Geschmacklich ist ein zwei Tage altes Stück schnittfeste Hundewurst oft reizvoller, als ein Stück Karotte. Besonders, wenn die Karotte die Belohnung für etwas für den Hund wirklich Herausforderndes sein soll.

Auch hier hat sich der Markt -gehen wir mal nur von gekauften Leckerlies aus- massiv verändert und die Auswahl an veganen Belohnungen für Hunde ist mittlerweile sehr groß. Es lohnt sich wirklich, viel auszuprobieren. Insbesondere, weil wir damit den ökologischen Fußabdruck, den unser Hund und wir hinterlassen so stark positiv beeinflussen lässt, wie sonst mit kaum einer anderen Maßnahme.

Um zur Ausgangsfrage zurückzukehren: Es kann sein, dass eine vegane Ernährung Hunden nicht genauso gut schmeckt, wie eine fleischhaltige. Es kann aber auch sein, dass Hunden das Laufen an der Leine nicht genauso viel Spaß macht, wie dauerhafter Freilauf. Es kann sein, dass es Hunden nicht so gut gefällt, dass sie nur dann auf’s Klo gehen können, wenn wir netterweise mit ihnen raus gehen. Es kann sein, dass Hunde ganz viele Dinge nicht so gut finden und wir dennoch so entscheiden?

Fressen Straßenhunden nicht eh dankbar Alles?

Das dachte ich lange und bin davon ausgegangen, dass die Pflegehunde, die mein Futterangebot nicht sonderlich zu schätzen wussten, eben Ausnahmen waren. Bis ich mir auf meinen Reisen angeschaut habe, was die Hunde dort auf den Straßen, auf Müllkippen und in Sheltern essen und auch wie.

Mit diesem Thema beschäftigen wir uns aber beim nächsten Mal.