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Angst vor'm Tierarzt?

Ich darf mit Rosi fast Alles machen. Mal mit mehr und mal mit weniger Begeisterung lässt sie sich bürsten, duschen, Krallen schneiden, Zähne anschauen und kleinere Verletzungen verarzten.

Mit fremden Personen sieht das schon gaaaaaanz anders aus. Sie hält brav still. Aber sobald es ans Blutabnehmen geht, wird gezittert, gezittert, gezittert. Klar, es ist schnell erledigt und muss in unserem Fall "nur" ein- bis zweimal im Jahr sein.

Schön ist es aber trotzdem nicht. Warum also nicht das Nützliche mit dem Lustigen verbinden und die Tierarztsituation zu einer lustigen Trainingseinheit umbauen?

Mit meiner Tierärztin habe ich das Glück, dass sie mit viel Engagement und Ruhe auf den jeweiligen Hund eingeht und zu uns nach Hause kommt. Damit entfällt das Wartezimmer und der Zeitdruck, der sonst in Tierarztpraxen häufig herrscht.

Oft habe ich schon erlebt, dass Tierärzte eher genervt die Nase rümpfen, wenn Frauchen zu viel "Gewese" um ihren Hund macht, statt den renitenten Köterich mal eben auf den Tisch zu stellen und gefälligst FESTZUHALTEN! Und wenn das nicht funktioniert: Maulkorb drauf, fertig.

Aus Sicht des Tierarztes habe ich dafür in Maßen Verständnis. Aus Sicht des Hundes, der dadurch garantiert nicht kooperativer wird, aber auch.

Besonders Hunde, die anfangs vielleicht einfach nur ein bisschen mehr Eingewöhnung, Übung und Sicherheit gebraucht hätten, werden dann schnell mal die nervigen Patienten, mit denen selbst in die Ohren schauen zum Eiertanz wird. Das ist schade und führt langfristig nicht selten dazu, dass auch die Hundehalter selbst Schwierigkeiten in ähnlichen Situationen bekommen und Probleme haben, ihren Hund Augentropfen zu verabreichen, Ohren zu reinigen oder Krallen zu schneiden.

Ohne den Teufel an die Wand malen zu wollen: Was macht man denn dann, wenn der Hund mal was langwieriges hat? In dem Fall hat das in der Tierarztpraxis erlernte Meide- oder sogar Abwehrverhalten große Auswirkungen auf den Alltag und die Hund-Mensch-Beziehung. 

Medical Training bedeutet, dass man den Hund auf kooperatives verhalten bei Pflegemaßnahmen und tierärztlichen Untersuchungen trainiert.

Dabei setzt man -je nachdem wie tief das Kind schon in den Brunnen gefallen ist- Desensibilisierungsübungen als auch einfaches Trick-Training ein.

Ziel ist, dass dein Hund

  • den Untersuchungsablauf kennt,
  • den Untersuchungsablauf auch mit einer fremden Person ok oder sogar angenehm findet.
  • sich überall anfassen lässt,
  • auch längere Zeit still halten kann,
  • durch das medical training so viele positive Gefühle zu vergleichbaren Situationen erlebt hat, dass er mit der Untersuchung beim Tierarzt gelassener umgeht.
  • über das positive Training, an sich eher unangenehmer Situationen und Maßnahmen, insgesamt gelassener, geduldiger und sicherer wird.

Sinnvolle elemente beim Medical Training

Zeigen Hunde sich in der Tierarztpraxis unkooperativ und zeigen aufgrund der Ausweglosigkeit ihrer Situation auch noch die Zähne, wird nicht selten schnell ein Maulkorb eingesetzt. Eine sinnvolle Maßnahme, die sich aber häufig vermeiden lässt oder zumindest so gestaltet werden kann, dass nicht schon alleine das Tragen des Maulkorbes für deinen Hund zum Auslöser für Stress wird.

Deshalb kann auch Maulkorbgewöhnung schon einen großen positiven Effekt haben.

Daneben sind vor allem folgende Übungen sinnvoll:

  • Ablegen des Kinns in deine Hand.
  • Stillhalten und entspannt festhalten lassen.
  • Auf einem Tisch stehen, sitzen und liegen können.
  • Alle 4 Pfoten geben und festhalten lassen.
  • Überall anfassen lassen.
  • Gesicht, Augen und Ohren anschauen lassen.

Außerdem kann es Sinn machen, deinen Hund mit folgenden Maßnahmen und Objekten vertraut zu machen:

  • Einmalhandschuhe, Spritzen, Fläschen, Stauschlauch, Verbandsmaterial, Stethoskop und andere Objekte, bei denen dein Hund flüchtet oder Unsicherheit zeigt,
  • sich auf die Seite legen,
  • Maul öffnen,
  • Tablette essen. 
  • Generell das Berührenlassen durch fremde Personen.

wie übt man das?

Viele Maßnahmen kann man toll mit einem Markerwort oder dem Clicker aufbauen. Dieses Vorgehen ist übrigens in Zoos mittlerweile Standard und viele Zootiere benehmen sich beim Tierarzt besser, als so mancher Sofawolf. 

Indem du bestimmte Abläufe in kleine Teilschritte gliederst und gezielt übst, lernst du nicht nur deinen Hund besser kennen, sondern beginnst bereits jetzt schon mit dem Training.

Durch das positive medical training findet beim Hund eine Neubewertung der bisher überwiegend als unangenehm wahrgenommenen Situation statt.

Im nächsten Schritt kannst du gezielt erwünschte Verhaltensweisen formen. Konkret könnte das beispielsweise bedeuten:

  1. Ausgangssituation: Dein Hund mag Berührungen und Festhalten der Pfoten überhaupt nicht. Erst recht nicht, wenn er währenddessen auch noch auf einem Tisch stehen muss. (Das müssen die Hunde bei meiner Tierärztin übrigens nicht, was ich sehr zu schätzen zu weiß).
  2. Dein Hund akzeptiert Berührungen der Pfoten und hüpft freiwillig auf den Tisch bzw. lässt sich gerne von dir raufheben.
  3. Dein Hund fühlt sich auf verschiedenen Tischen wohl und bietet dir seine Pfoten regelrecht an. Du kannst sie jetzt sogar schon sanft halten.
  4. Dein Hund kennt das Signal für "auf den Tisch" und mag diese Übung. Er bietet dir nacheinander alle Pfoten an und lässt sie sich auch bei sanften Druck noch entspannt festhalten.
  5. Nun kannst du die Pfoten deines Hundes sogar mit verschiedenen Objekten berühren.
  6. Du hast Ankündigungsworte oder Signale etabliert. So weiß dein Hund, was als nächstes passiert (Tisch, linke Hand, rechter Fuß, usw.
  7. Dein Hund ist in der Lage diese Übung auch mit einer fremden Person durchzuführen, solange du einzelnen Schritte anleitest bzw. ankündigst.
  8. Dein Hund kennt mittlerweile so viele Varianten dieser "Auf den Tisch-Pfotenkontrolle-Übung", dass er sie nicht nur gelassen hinnimmt, sondern sogar Spaß daran hat. Auch im Alltag ist dir eine Veränderung aufgefallen.

Sicher wird es immer Situationen geben, die einfach unangenehm sind und die man auch nicht wirklich trainieren kann. Wenn dein Hund jedoch zu den eher unsicheren Exemplaren gehört, wenn es um Nähe zu femden Menschen, Berührungen oder unbekannte Situationen geht, solltest du dich unbedingt mit dem medical training beschäftigen. 

Denn gerade diese Hunde sollten so wenig wie möglich negative Erfahrungen mit den oben geschilderten Situationen machen. Letztendlich dient das medical training also nicht nur dem entspannteren Tierarztbesuch, zu dem natürlich auch der/die Tierärzt*in selbst beitragen kann, sondern auch der Selbstsicherheit deines Hundes.

Da ich selbst einen Hund habe, der fremde Menschen richtig doof findet und sich erst recht nicht gerne berühren lässt, habe ich mich nach jeder solcher Situationen schlecht gefühlt. Zum Einen, weil ich unglaublich angespannt war, dass Rosi hoffentlich "brav" ist. Zum Anderen aber auch deshalb, weil ich Rosi im Grunde vollkommen unvorbereitet in eine total überfordernde Situation gebracht, ja, sie sogar gezwungen habe und ich es ihr nicht verdenken konnte, wenn dieses Erlebnis definitiv auf der Negativliste zum Thema "Erfahrungen mit Menschen" gelandet ist.

Ich hatte aber auch nicht den Mumm, meinen damaligen Tierarzt um ein wenig Geduld zu bitten, oder gar die Möglichkeit ab und zu mal zum Üben kommen zu dürfen. Es war bei allem Engagement spürbar, dass es wie in fast jeder Tierarztpraxis, auch um Zeit und einen möglichst zügigen und reibungslosen Ablauf geht.

Umso mehr freue ich mich, dass ich mittlerweile eine Tierärztin gefunden habe, die ganz entspannt zu uns nach Hause kommt, wo der Hund nicht auf einem rutschigen Tisch stehen muss und der ganze Ablauf so entspannt und beiläufig wie möglich gehalten wird. 

Wenn du jetzt neugierig geworden bist, findest du hier mehr zum medical training und dem Tierarzttag:

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