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Wie Tryptophan das Verhalten deines Hundes verändern kann

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Tryptophan

Tryptophan ist der Grundbaustein für Serotonin und gilt als Geheimtipp, wenn es um Aggressionsverhalten geht. Allerdings gehen die Meinungen auseinander und es gibt wenige Langzeitstudien. Doch bevor wir über Tryptophan reden, erstmal: "Was ist Serotonin"?

Fakten über Serotonin

  • Serotonin ist ein Botenstoff, auch Neurotransmitter genannt.
  • Wird auch Glücksdroge genannt.
  • Es trägt zu guter Laune und ausgeglichenem Verhalten bei.
  • Serotonin hemmt Aggression und Impulsivität.
  • Es ist ein Gegenspieler der Stresshormone.
  • Serotoninmangel kann zu Depressionen und aggressivem Verhalten führen.
  • Serotonin kann nicht direkt gefüttert werden, da der Gehalt in Lebensmitteln zu niedrig ist.

Ein niedriger Serotoninspiegel steht im Zusammenhang mit überdurchschnittlich aggressivem Verhalten, höherer Reaktivität, impulsiven Verhaltensweisen, übermäßiger Ängstlichkeit und einer allgemein niedrigen Stresstoleranz.

Die Basis oder besser: der Baustoffe für Serotonin, muss über die Nahrung aufgenommen werden. Dieser nennt sich Tryptophan.

 

Das Tryptophan, von dem alle reden, macht also erstmal garnix. Aber es ist eben die Grundsubstanz, die benötigt wird, um das Glücks-Entspannungs-Aufhellhormon Serotonin bilden zu können. Deshalb wird immer von Tryptophan gesprochen, obwohl es eigentlich um die Frage geht: "Wie kann der Serotoninspiegel bei verhaltensauffälligen (aggressiven oder überängstlichen) Hunden angehoben werden.

 

Studien zur Gabe von Tryptophan

Eine vielzitierte Studie von De Napoli kam zu dem Ergebnis, dass eine eiweißreduzierte Kost und zusätzliche Tryptophangabe sich positiv auf territorial aggressive Hunde auswirkt. Die Zugabe von Tryptophan bei eiweißreicher Ernährung oder wenn nur der Proteingehalt reduziert wurde, ohne zusätzlich Tryptophan zu füttern, führte zu Verbesserungen bei statusbedingter Aggression. Es sei jedoch angemerkt, dass die Studie auf jeweils eine Woche angelegt war und die Besitzer selbst ihre Hunde einschätzen sollten. Es ist also mehr als fraglich inwiefern die Ergebnisse überhaupt aussagekräftig sind. Doch was hat es mit dem Proteingehalt auf sich?

Proteingehalt und Tryptophan

Tryptophan ist eine Aminosäre, sogar eine essenzielle. Sie kann also nicht vom Körper selbst hergestellt werden und muss durch Nahrung aufgenommen werden. Amoinosäuren sind die Grundbausteine von Protein, also Eiweiß. Da nicht in jedem Protein gleich viel Tryptophan enthalten ist, konkurrieren die verschiedenen Aminosäuren bei der Aufnahme miteinander und Tryptophan ist leider ein Schwächling, wenn es darum geht, der erste im Stoffwechsel zu sein. Erhält der Hund also eine proteinreiche Kost, nimmt er zwar vermutlich auch viel Tryptophan auf, aber eben auch viele andere Aminosäuren, die Tryptophan abhängen und das gute Zeug landet dann leider nicht im Hundekörper. Aus diesem Grund wird oft empfohlen, gezielt sehr tryptophanhaltige Lebensmittel und Fleischorten zu füttern oder Tryptophan in Form eines Nahrungsergänzungsmittels zuzufüttern, bei gleichzeitig proteinarmer Kost: Denn dann hat Tryptophan eine weitaus höhere Chance vom Organismus aufgenommen zu werden.

Wenn es also darum geht herauszufinden, wieviel Tryptophan in einem Futtermittel enthalten ist, sollte immer der relative Wert betrachtet werden: Wieviel Tryptophan ist im Verhältnis zu anderen Aminosäuren enthalten.

Ein weiterer Fakt, den bei der Fütterung zu beachten gilt: Tryptophan gelangt nur bei gleichzeitiger Fütterung von Kohlenhydraten ins Hundegehirn und damit daraus dann auch wirklich Serotonin gebastelt werden kann, wird zusätzlich Magnesium, Vitamin B6 und Folsäure benötigt.

Tryptophan und Angst

Eine achtwöchige, niederländische Doppelblind-Studie (die Hundehalter wussten nicht, ob ihr Hund eine tryptophanreiche Nahrung erhält oder nicht), kam zu dem Ergebnis, dass kein signifikanter Unterschied feststellbar ist, sich das ängstliche Verhalten der Hunde also nicht verändert hat.  

Die Frage ist natürlich auch hier: Würde man es dem Hund sofort ansehen? Im Falle starker Ängstlichkeit natürlich schon, aber möglicherweise erholen sich die Hunde dennoch zügiger oder in wenig angstbesetzten Situationen sind sie statt "leicht ängstlich" nun kaum noch ängstlich. Hundeverhalten und das, was sich im Hundekopf abspielt exakt zu beurteilen ist nach wie vor schwierig und enthält immer eine spekulative Komponente.

Fazit

Die Herleitung der Wissenschaft klingt stimmig, dass Tryptophan einen positiven Einfluss auf das Hundeverhalten hat. Versucht man das Verhalten des Hundes, hinsichtlich Angst oder Aggression, zu verändern, sollte man fairerweise sicherstellen, dass der Körper alle nötigen Rohstoffe erhält, um einen ausbalancierten Stoffwechsel und alle Bausteine für ausgeglichenes Verhalten zur Verfügung zu haben. Die bisherigen, wirklich belastbaren Studien und das Wissen um den tatsächlichen Nährstoffbedarf des Hundes, ist aber nach wie vor zu gering, um hier von belastbaren Ergebnissen sprechen zu können.

Wird Tryptophan als Nahrungsergänzungsmittel zugefüttert sollte beachtet werden, dass eine länger andauernde Gabe im Verdacht steht, die Bildung von zell- und nevensystemschädigenden Stoffen zu fördern.  Aber auch hier: "länger andauernde Gabe" und "im Verdacht" stehen sind wage Aussagen. Sprechen wir hier von Jahren und einem leisen Verdacht oder von wenigen Monaten und signifikanten Ergebnissen? Wohl eher nicht. 

Was jedoch vor allem aus der Humanmedizin und aus Erfahrungsberichten bekannt ist, sind Nebenwirkungen bei einer therapeutisch wirksamen Dosis im Humanbereich: Hier kann es zu Übelkeit kommen. Ob das zu guter Laune führt, ist natürlich fraglich. Auch ist aus dem Humanbereich bekannt, dass eine Überdosierung zu Kofschmerzen führen kann. 

 

Es sollte also immer abgewogen werden, ob das Verhalten des Hundes so stark problematisch ist, dass es einen Versuch wert ist und Tryptophan oder andere Nahrungsergänzungsmittel zugefüttert werden. Außerdem sollte immer sowohl ein Tierarzt als auch ein Hundetrainer hinzugezogen werden und das Wichtigste: Gewöhne dir während schon vor Beginn der Trainingsphase an, ein Tagebuch zu dem Verhalten deines Hundes zu führen. Dies sorgt für etwas mehr Objektivität und einer leichteren Beurteilung, in welche Richtung sich das Verhaltens deines Hundes entwickelt.

 

Falls dich das Thema Hundeernährung interessiert und du wissen möchtest, warum Mais für viele Hunde nicht geeignet ist, für andere aber wiederum sehr wohl, dann lies hier weiter.

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Glücksmomente, Abenteuer & Training mit Hund

Im Jahr 2009 habe ich RehabiliTiere gegründet. Meine große Leidenschaft ist es, dich und deinen Hund fit für euren Alltag zu machen. Egal welche Rasse und egal wieviel Arbeit möglicherweise noch noch vor uns liegt. Dabei ist es mir besonders wichtig, dass dein Hundetraining bei aller Ernsthaftigkeit Spaß macht und du mit deinem Hund immer ein bisschen glücklicher wirst!

Ich bin Mitglied im Verband zertifizierter Hundetrainer e.V. und bin nach § 11 des Tierschutzgesetzes als sachkundig befunden.