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Wie dein Hund entspannt alleine bleibt

Trennungsstress beim Hund

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Heute Abend im Restaurant gesessen und vor'm Hauptgang rief der Nachbar an: "Ihr Hund bellt seit einer Stunde". Uuuurgs. Schnell nach Hause gefahren und spätestens beim Öffnen der Wohnungstür wird klar: Bruno hat nicht "nur" gebellt, sondern auch gleich die 4 Wände auf den Kopf gestellt. 

Doch Trennungsstress äußert sich nicht immer nur mit Bellen, Jaulen und Zerstörungswut sondern läuft oft viel subtiler ab.

Eine Studie der ATN ergab, dass die Mehrzahl der Hunde in deutschen Haushalten nicht gut mit dem Alleinebleiben zurecht kommt. In der Vielzahl der Filmaufnahmen verschiedener Hunde stellte sich heraus, dass eine große Zahl von Hunden unter Trennungsstress leidet, bei welchen ihre Menschen davon nie etwas bemerkt haben.

Es lohnt sich also, genauer hinzusehen und herauszufinden, ob dein Hund während deiner Abwesenheit entspannt ist, sich ausruht und die Zeit des Alleineseins zum Erholen nutzen kann. Denn wenn dein Hund während deiner Abwesenheit regelmäßig Stress empfindet, wirkt sich das auf das gesamte Leben deines Hundes aus.

Verminderte Konzentrationsfähigkeit, Reizbarkeit, Übermüdung und Überforderung können die Folge sein, bist hin zu chronischem Stress.

Anzeichen für Trennungsstress beim Hund

Hunde, die Stress im Zusammenhang mit der Abwesenheit ihres Menschen zeigen, benötigen dringend Hilfe. Viele Symptome und als ärgerlich oder nervend wahrgenommene Verhaltensweisen werden überwiegend über das autonome Nervensystem gesteuert. Das bedeutet, dass der Hund darauf keinerlei direkten Einfluss nehmen kann. Er kann nicht anders und Verhaltensweisen wie Unsauberkeit, Zerstörung von Möbeln oder Gegenständen und deutliche Unruhe sind Ausdruck für den extremen Stress, unter dem Hund leidet.

 

Zerstörte Gegenstände und Pfützen oder Häufchen in der Wohnung sind deutliche Anzeichen für massiven Trennungsstress. Übrigens: Fälle, in denen Hunde aus Trotz pinkeln kommen praktisch nicht vor. Schon garnicht, wenn der Hund in deiner Abwesenheit pinkelt. Denke im Fall von Unsauberkeit immer zuerst an Stress und weniger an irgendein mögliches, renitentes Verhalten. 

Bellen, Jaulen, Fiepen und Umherlaufen oder sogar Rennen, Toben und wildes Spiel sind ebenfalls Anzeichen dafür, dass dein Hund enorm unter Druck steht und diesen über die verschiedensten Verhaltensweisen ablässt, oder es zumindest versucht.

Zerstörung der Einrichtung, Lautsein und Unsauberkeit sind neben Aggressions- und Angstverhalten die häufigsten Gründe für das Aufsuchen eines Hundetrainers.

Doch viele Hunde leiden still und unauffällig. Die Untersuchung der ATN ergab, dass viele Hunde während der Abwesenheit ihres Menschen enorm leiden, aber das Ausmaß dem Besitzer oft verborgen bleibt.

Auch ein Hund, der zwar still ist und sich nicht aktiv bemerkbar macht, dafür immer wieder umherwandert, hechelt, sabbert, sich an den Pfoten knabbert oder stundenlang die Wohnungstür im Auge behält, statt gemütlich zu dösen, leidet. Und das oft täglich über Stunden.

Du kannst dir sicher vorstellen, dass dies Auswirkungen auf das gesamte Leben deines Hundes hat.

Manchen Hundehaltern fällt der Trennungsstress ihres Vierbeiners auf, weil sie die Sabberflecken auf dem Boden oder an der Fensterscheibe entdecken. Auch wenn der Hund nichts zerstört und äußerlich kaum zu erkennen ist, wie es ihm mit dem Alleinebleiben geht, kann mitunter auch ein komischer Geruch ein Hinweis sein. Hunde die Angst oder Stress haben stinken regelrecht oder verlieren vermehrt Fell. 

Deutliche Anzeichen für Trennungsstress

  • Bellen, Jaulen, Fiepen, Winseln.
  • Zerstörung von Gegenständen. Meist fällt die Wahl auf Dinge, die du oft benutzt oder die intensiv nach dir riechen.
  • Kratzspuren an Wände, Türen oder auf dem Boden bis hin zu blutigen Krallen und Pfotenverletzungen.
  • Hin- und Herlaufen, Toben, Rennen, Umherspringen.
  • Absetzen von Urin und Kot. Oft begleitet von Durchfall.
  • Erbrechen.
  • übertriebene Körperpflege bis hin zur Selbstverletzung. Besonders häufig an Vorderläufen, Pfoten oder Flanke.

Symptome die oft übersehen werden

  • Lethargie. Kann leicht mit vermeintlich ruhigem Verhalten verwechselt werden.
  • Appetitlosigkeit. Dein Hund rührt auch die leckersten Futterstücke nicht an, wenn er alleine ist oder frisst auch nach deiner Rückkehr erst nach längerer Zeit. Manche Hunde stürzen sich nach der Rückkehr des Menschen dann auch förmlich auf das auch vorher schon verfügbare Futter.
  • starkes Hecheln bis hin zur Hyperventilation.
  • extremes Speicheln.

Wie entsteht Trennungsstress beim Hund?

Unter Trennungsstress fasst man umgangssprachlich all das zusammen, was mit problematischem Verhalten beim Alleinebleiben zu tun hat. Deswegen mag ich den Begriff Trennungsstress auch lieber als "Trennungsangst". Denn, warum dein Hund Probleme mit dem Alleinesein hat, kann ganz unterschiedliche Gründe haben, nicht immer ist es Angst im wortwörtlichen Sinne. Stress eint aber alle Hunde, die nicht entspannt vor sich hindösen, während der Mensch ohne sie loszieht. Ob dein Hund nun wirklich nicht gut alleine sein kann oder unter Kontrollverlust leidet, frustriert ist oder Langeweile hat, ist bei der Feststellung, ob dein Hund unter Trennungsstress leidet erstmal zweitrangig. Entscheidend ist: Der Hund hat Stress und leidet. Meist auch über den Zeitraum des tatsächlichen Alleinebleibens hinaus.

 

Doch wieso haben Hunde überhaupt so häufig Probleme mit dem temporären Alleinebleiben? Die Antwort findet sich dort, wo auch der Grund für ihren klaren Nummer eins Platz als Lieblingshaustier liegt: Sie sind hochsoziale Lebewesen und auf Interaktion mit Artgenossen und ihren Bezugspersonen angewiesen.  Das Leben in der Gruppe bietet unter anderem Sicherheit und wird durch die ständige Interaktion gefestigt. Alleine gelassen zu werden bedeutet den Verlust von sozialer Interaktion und somit unter anderem auch Schutz und Sicherheit. Es ist also vollkommen normal, dass die erste Reaktion auf den Verlust sozialer Bindung und Unterstützung emotional und mit Stress verbunden ist. Durch Lautäußerungen versucht der Hund seinen Bindungspartner zurückzuholen, wenn er selbst räumlich eingeschränkt ist. 

Für Hunde ist der Mensch nicht nur ein Bindungspartner sondern meist der wichtigste Sozialpartner. Selbst wenn mehrere Hunde in einem Haushalt leben, bevorzugen diese meist die Nähe zum Mensch vor der Nähe zu ihren Artgenossen. In der Praxis heißt das: Bevor der Hund mit seinem hündischen Mitbewohner alleine zu Hause bleibt, kommt er lieber mit seinem Menschen mit.

Dass Trennungsstress entsteht, wenn der Mensch für seinen Hund nicht erreichbar ist, stellt also eine sinnvolle und natürliche Reaktion dar.

 

Verlässt der Mensch nun Haus oder Wohnung, manchmal reicht schon das Verlassen des Zimmers aus, wird der Hund versuchen, seinen Sozialpartner Mensch zurückzuholen. Das geschieht meist durch Lautäuerßungen, da der Hund nicht Hinterherlaufen und Anschluss halten kann, wenn der Menschen die Wohnung verlässt. Dieser bekommt davon aber garnichts mit, da er schon lange zu weit weg ist oder irgendwo gelesen hat, dass man auf keinen Fall reagieren soll, wenn der Hund jault, winselt oder bellt. Stimmt auch bedingt. Aber eigentlich ist das Kind schon in den Brunnen gefallen, bevor der Hund laut wurde. Dazu später mehr.

Doch nun macht der Hund erstmal die Erfahrung, dass ihm Bellen und Jaulen nicht weiterhilft. Es entsteht, Frust, Verzweiflung und Stress. 

Wie stark die Stressreaktion ausfällt ist individuell verschieden und hängt von vielen Faktoren ab. Nicht nur Lernerfahrungen spielen hier eine Rolle, sondern auch genetische Veranlagung und die Grundfähigkeit des Hundes mit Stress umzugehen.

Manche Hunde sind nur kurz nervös oder irritiert wenn der Mensch das Haus verlässt und legen sich kurz darauf schlafen. Andere Hunde können sich auch während der Anwesenheit ihres Menschen nur schwer entspannen, weil sie permanent wachsam sind, bloß nicht alleingelassen zu werden und ihren Menschen deshalb in jeden Raum folgen. 

 

Natürlich gibt es auch viele weitere Gründe für Trennungsstress. Die Ursache kann ebenso in dem Verhältnis zwischen Mensch und Hund liegen. Darauf möchte ich hier aber nicht zu sehr eingehen, da du in diesem Fall unbedingt einen Trainer hinzuziehen solltest.

Andere Vierbeiner sind extrem wütend und frustriert, nicht mitgenommen zu werden, ohne dabei Anzeichen von Angst zu zeigen. Hier kann mitunter auch mangelnde Auslastung ein weiterer Faktor für Probleme mit dem Alleinesein darstellen.

Ausschließen kannst du jedoch solche Gründe wie: "Der Hund ist dominant, er will mich kontrollieren, usw." Das mag meiner obigen Schilderung widersprechen. Bei genauerem Hinsehen ist der Stress mit dem Alleinebleiben in solchen Fällen nur eine Folge eines ganz anderen Problems in euren Zusammenleben und sollte dementsprechend erkannt werden. Denn einem Hund, der sich für dich verantwortlich fühlt oder deinen Bewegungsspielraum und ähnliches kontrolliert, wird ein Training mit dem Fokus auf  Alleinebleiben nicht weiterhelfen. Generell solltest du immer einen möglichst ganzheitlichen Trainingsansatz wählen. 

 

Nicht zu vergessen ist auch die Tatsache, dass viele Hundehalter das Alleinbleiben nur sehr halbherzig üben oder mit dem Training erst dann beginnen, wenn es bereits Probleme gibt. Oft sind die einzelnen Trainingsschritte dann zu groß oder schnell oder der Stress des Hundes wird versehentlich verstärkt, durch Strafe beim Nachhausekommen, inkonsequentes Training oder auch inkonsistentes Verhalten seitens des Menschen, wie beispielsweise das Hin- und Herwechseln zwischen verschiedenen Trainingsmethoden oder Verlieren der Geduld und "Anschnauzen" des Hundes. 

 

Wenn ein Hund deutliche Symptome für Trennungsstress zeigt, liegt meist schon eine lange Leidensgeschichte hinter ihm und nicht selten dauert es lange, bis ein individuelles Training erste Früchte trägt. Es ist also viel Geduld und anfangs auch gutes Management und Organisation gefragt.

Photo by Adam Grabek on Unsplash
Photo by Adam Grabek on Unsplash

Vorbeugen gegen Trennungsstress beim Hund

Wenn dein Hund erst seit kurzer Zeit bei dir lebt, solltest du so schnell wie möglich damit beginnen, ihn an das Alleinebleiben zu gewöhnen. Hierbei solltest du beachten, dass das Training nicht erst beginnt, wenn du deinen Hund tatsächlich alleine in einem Raum zurücklässt, sondern schon viel früher. 

Es hilft deinem Hund, wenn er zunächst lernt, dass die Tatsache, dass du optimalerweise die ersten 4 - 6 Wochen nach seinem Einzug zu Hause bleiben kannst, nicht bedeutet, dass er jederzeit Zugriff auf dich hat. Im Klartext: Nur, weil du dich im gleichen Raum aufhältst, heißt es noch lange nicht, dass dein Hund jederzeit deine Aufmerksamkeit bekommen kann und du mit ihm aktiv bist. Es wäre fatal, wenn dein Hund in den ersten Wochen, während deiner Anwesenheit 24/7 mit dir zusammenklebt und dann plötzlich einige Minuten oder sogar länger ganz alleine bleiben soll, wie es oft empfohlen wird.

 

Wie immer bin ich ein großer Freund von Zwischenschritten und dieser wäre hier: Halte dich in der Nähe deines Hundes auf, verwehre ihm aber nachvollziehbar und konsequent den dauernden Zugriff auf dich.  Du kannst auch üben, dass er in einem Auslauf ruhen und sich erholen kann und dass es nicht schlimm ist, wenn er nicht direkt bei dir sein kann.

Erst, wenn dein Hund mit diesen Maßnahmen gut zurecht kommt, geht es einen Schritt weiter. 

Nun verlässt man tatsächlich kurz den Raum und öffnet und schließt auch im Alltag immer wieder Türen hinter sich, um kurz darauf wieder hereinzukommen. Hier machen wir uns auch ganz simple Gewöhungseffekte zu nutze. Wir härten den Hund sozusagen ab und lassen ihn immer wieder die Erfahrung machen, dass es keinen Grund zur Aufregung gibt, wenn wir den Raum verlassen oder wieder zurückkommen.

Wichtig: In jedem Trainingsschritt belässt du deinen Hund in der jeweiligen Situation nur so lange, wie er noch entspannt ist. Denn genau diesen Zustand soll er ja später mit dem Getrenntsein vom Menschen verbinden. Wie schnell du hier voran kommst, ist ganz unterschiedlich. Ich empfehle dir aber, die entsprechenden Maßnahmen und Übungen vom ersten Tag an so oft wie möglich "nebenbei" in euren Alltag einzubauen. Normalerweise wirst du dann bereits nach wenigen Tagen Fortschritte sehen.

Von Anfang an stundenlang alleine

Genauso, wie es nicht klug ist, den Hund anfangs permanent die volle Aufmerkamkeit und Dauernähe zu schenken, ist es wenig sinnvoll, wenn der Vierbeiner von Anfang an mehrere Stunden alleine bleiben soll. In Einzelfällen kann das klappen, meist führt es aber auch bei vermeintlich ruhigen Hunden zu Stress und Unsicherheit. Dennoch ist es von Hund zu Hund individuell verschieden, wie schnell er sich an das Getrenntsein von der Bezugsperson gewöhnt.

Du solltest deinen Hund jedoch nie von jetzt auf gleich mehrere Stunden alleine lassen. Vor allem nicht, wenn du zuvor sehr viel Zeit mit ihm verbracht hast oder dein Hund erst seit kurzer Zeit bei dir lebt.

Auch, wenn du aktuell zu Hause bist und deinen Hund garnicht alleine lassen musst, sollte das Alleinebleiben Bestandteil eures Alltags sein. Denn sollte es doch mal nötig sein, deinen Hund alleine zu lassen, seid ihr vorbereitet und du musst dir keine Sorgen um sein Wohlbefinden machen.

Zusammengefasst: Das Alleinebleiben von Anfang an und regelmäßig mit dem Hund üben: Ja. Den Hund von Anfang an über längere Zeit alleine lassen: Nein.

Was du gegen Trennungsstress beim Hund tun kannst

Hilfreich für die benötigte Geduld beim Training finde ich, sich immer wieder zu vergegenwärtigen, dass es für deinen Hund nicht natürlich ist, ohne dich zu sein und alleine zu bleiben. Ich finde es für ein gutes Training absolut elementar, sich vor Augen zu halten, wann man mit seinem Hund an Dingen arbeitet, die eigentlich nicht natürlich sind.

Hast du dich schon mal gefragt, wie viele Verhaltensweisen dein Hund erlernen muss, die seinem natürlichen, normalen "Hundeverhalten" total widersprechen? Als mir das bewusst wurde, habe ich für viele Probleme mit meinen Hunden ein ganz anderes Verständnis entwickelt und konnte viel mehr Empathie und Geduld aufbringen.

Eine wichtige Grundvoraussetzung für ein erfolgreiches Training ist, dass dein Hund so lange nicht alleine bleiben muss, bis er dies erlernt hat und die Trennung von dir oder anderen Bezugspersonen bewältigen kann. 

Doch was kannst du tun, wenn dein Hund bereits Probleme mit dem Alleinesein entwickelt hat?

Aufbau von Trennungsphasen

Der allererste Schritt ist, dass du deinem Hund beibringst, dass es auch während deiner Anwesenheit Zeiten gibt, in welchen keiner für ihn verfügbar ist. Das bedeutet, du bist zwar räumlich anwesend, bringst deinem Hund aber in kleinen Schritten bei, dass es keinen Grund zur Aufregung gibt, dass du ihm jetzt nicht zur Verfügung stehst.

Ganz wichtig beim Training ist immer, dass du die jeweiligen Trainingsschritte so gestaltest, dass dein Hund nicht überfordert ist und entspannt bleiben kann. Übe also immer in kleinen, angepassten Schritten.

Kannst du die Entspannungsphasen für deinen Hunden vorhersagen, ist es auch möglich ein entsprechendes Signal einzuüben. 

Struktur zu Hause

Das, meiner Meinung nach, wichtigste Tool für ein erfolgreiches Training ist ein Rückzugsraum für deinen Hund. Das kann ein gemütliches Körbchen, ein Kennel, eine Box oder Ähnliches sein. Ganz wichtig dabei ist natürlich, dass sich dein Hund dort wirklich wohl fühlt und ausruhen kann, bevor du das Alleinebleiben übst. Hier ist also erstmal Geduld und Konsequenz gefragt.

Beobachte deinen Hund und lerne seine Bedürfnisse kennen. Viele Hunde können sich sofort viel besser entspannen, wenn sie einen übersichtlichen, eher kleineren Raum zur Verfügung haben. Andere Hunde werden erst recht nervös, wenn sie räumlich eingeschränkt werden und müssen auch das erst lernen. Meiner Erfahrung nach spielt auch die Ordnung im Aufenthaltsraum des Hundes eine entscheidende Rolle. Gerade, wenn Hunde schnell überreizt sind oder sich generell nur schwer beruhigen und entspannen können, stellt Chaos ein zusätzlicher Stressfaktor dar. 

Sich alleine entspannen können

Der kleinschrittige Aufbau des Trainings hat ein wichtiges Element, das vielen Hundehaltern sehr schwer fällt. Denn fast immer ist es viel leichter, aktiv zu werden, als abzuwarten und zu begleiten. 

Doch genau darum geht es beim Training für das entspannte Alleinebleiben. Dein Hund soll lernen, sich selbst entspannen zu können. Also ohne dein aktives Zutun. Dabei bleibst du zu Beginn in seiner Nähe und steigerst dann die Distanz bzw. beginnst damit, den Raum, die Wohnung und später das Haus zu verlassen. Dein Hund lernt also schrittweise, entspannt zu bleiben, wenn er dir nicht folgen kann und er dich nicht mehr fühlen (du sitzt direkt neben seinem Körbchen), riechen (dein Hund kann dich auch riechen, wenn du weiter entfernt bist, aber durchaus feststellen, wo und wie weit du entfernt bist), sehen (du gehst eventuell in den Flur oder einen anderen Raum) und hören (du schließt die Türe hinter dir, verlässt die Wohnung oder das Haus) kann. Aber wie gesagt: Der nächste Trainingsschritt kommt immer erst, wenn dein Hund dabei entspannt ist und nicht unter Stress gerät.

Zu Beginn ist es also dein Ziel, dass sich dein Hund ohne dein direktes Zutun entspannen kann. Dieser Lernschritt ist nicht zu unterschätzen. Vor allem auch bei Welpen.

 

Ich empfehle dir, ein Trainingstagebuch zu führen und eure Übungseinheiten zu protokollieren, Dazu gehören Angaben zur Tageszeit, dem, was dem Training vorausgegangen ist (Füttern, Gassi, gemeinsame Zeit in der Wohnung, Spiel,..), wie die Übungseinheiten an sich verlaufen sind und Daten zur Entspannung deines Hundes. Das kann die Dauer sein, bis sich dein Hund zurückzieht und ausruht, wie lange er entspannt geruht hat, was passiert, wenn du dich bewegst, den Raum verlässt usw.

Schwierigkeiten beim Training

Ich beobachte im Einzelcoaching immer wieder, dass die größte Herausforderung das richtige Timing ist. Sowohl bei den Entspannungsübungen als auch beim Alleinelassen des Hundes. Auch wenn es zu Beginn nur einige Sekunden sind, ist es nicht immer leicht, den richtigen Zeitpunkt für die Rückkehr zu finden. 

Spätestens, wenn man den Raum verlässt, muss man gehörig die Ohren spitzen, um noch ein Gefühl dafür zu haben, wie es dem Hund gerade geht. Das bedeutet, dass wir die kleinen Anzeichen für Unwohlsein meist garnicht wahrnehmen können, denn dafür müsste man den Hund sehen. Was logischerweise nicht funktioniert, wenn man sich nicht im gleichen Raum befindet.

Vor zehn Jahren behalf ich mir dafür mit Überwachungskameras. So konnte der Besitzer die Wohnung verlassen und, solange die Funkverbindung nicht abriss, auf einem kleinen, tragbaren Bildschirm beobachten, was der Hund tat. 

Die Nachteile dürften jedem klar sein: Der Hund bekam das Aufbauen der Kameras natürlich mit und bemerkte schnell, dass es sich um eine Sondersituation handelte, wenn die Kameras dann nicht auch eine ganze Weile, also mehrere Tage oder Wochen, aufgebaut blieben. Die Bildschirmqualität war so schlecht, dass man minimale Veränderungen, wie nervöses Umherschauen nur erahnen konnte. Man konnte sich auch nur so weit entfernen, wie die Funkverbindung noch hielt. Meist war das aber noch so nah, dass der Hund erahnen konnte, dass man sich noch in der Nähe aufhielt und meist still lauschte, man aber nicht sehen konnte, was er tat, wenn man außer jeglicher Hörweite war. Alles in Allem also ein Kompromiss und dabei recht aufwendig und unzuverlässig.

Verließ der Mensch dann zum ersten Mal die nähere Umgebung des Hauses, wusste er nicht, was in der Zwischenzeit geschah. Dieses Problem lösten wir mit Handyaufnahmen oder einer Kamera. So konnten wir zumindestens im Nachhinein sehen, was der Hund während unserer Abwesenheit getan hatte. War die Dauer des Alleinebleibens jedoch zu lange, war es jedes Mal ein herber Rückschlag, wenn der Hund während des Getrenntseins wieder in Trennungsstress verfallen war, wir also zu lange gewartet hatten, bis wir zurückkehrten.

Mir fiel außerdem auf, dass es vielen Menschen schwer fiel, ihren Hund nicht in besonderer Form zu loben, wenn sie zurückkehrten. Das Loben, wenn der Mensch in den Raum zurückkommt, ist in den meisten Fällen fatal. Denn wenn wir uns vergegenwärtigen, dass der Hund eine Belohnung oder ein Lob immer mit der Handlung oder Situation verknüpft, die währenddessen oder etwa eine Sekunde vor der Belohnung besteht, wird schnell klar, dass damit nur die ohnehin schon meist "aufregende" Rückkehr des Menschen hervorgehoben wird. Wir belohnen also das Gegenteil dessen, was wir eigentlich wollen: Entspannung und Ruhe. Die Rückkehr des Menschen wird unter Umständen damit erst zu einem wichtigen Event und mit zunehmender Erwartungsspannung herbeigesehnt. Möglicherweise wird auch das Warten oder Umhertänzeln vor der Tür verstärkt, weil der Hund den Menschen bereits im Treppenhaus gehört hat und nun auch noch mit extra Lob belohnt wird. Gerade unsere Anwesenheit oder Rückkehr soll ja für den Hund nichts Besonderes sein oder zumindestens nicht mit Spannung erwartet werden. 

Den Hund während des Trainings beobachten

Seit einigen Wochen arbeite ich bevorzugt mit Furbo*. Das ist eine Überwachungskamera für Hunde, die es nicht nur erlaubt, den Hund zu beobachten, wenn man den Raum verlässt, sondern über eine App den Zugriff auf die Kamera von überall erlaubt. Also auch dann, wenn der schwierigste Schritt kommt: Wenn der Hund komplett alleine ist und der Mensch außer Reichweite.

Besonders, wenn das Training schon weiter fortgeschritten ist, hilft die App enorm, denn sobald zu Hause Unruhe herrscht, erhält man auf dem Handy eine Benachrichtigung und kann nachsehen, was los ist. So haben wir schon einige, bis dahin unerkannte Auslöser für zusätzlichen Stress des Hundes herausgefunden, wie beispielsweise besondere Geräusche im Treppenhaus, das Klingeln in der Nachbarwohnung oder die Geräusche des Nachbarhundes, der durch's Treppenhaus läuft. Mitunter sind solche Auslöser (meist Geräusche) der Grund dafür, dass der Hund sich erschrickt, unruhig wird, sich unsicher fühlt und nur schwer wieder entspannen kann. Mit dem Furbo* hat man nicht nur eine Bildqualität, die um Welten besser ist, als die meines damaligen Kamerasets, sondern kann auch mit dem Hund Kontakt aufnehmen.

Du kannst also per App von deinem Handy zu einem Mikrofon im Furbo* mit deinem Hund sprechen und ihm sogar Leckerlis zuwerfen. Das kann eine Hilfe sein, aber auch zum gegenteiligen Effekt führen. Ich habe auch schon einige Hunde erlebt, die durch den falschen Einsatz dieser Belohnungsfunktion überhaupt erst anfingen, während der Abwesenheit ihres Menschen unruhig zu werden und zu bellen. Und nicht etwa, weil sie das Alleinebleiben an sich doof fanden, sondern weil sie gelernt hatten, dass das Bellen in Abwesenheit des Menschen zur Kontaktaufnahme und früher oder später Werfen von Keksen führte. Setze also Hilfsmittel jeglicher Art immer gewissenhaft ein und überlege dir genau, welches Verhalten du nun mit dem Auswerfen von Futter bestärkst.

Es gibt auch Hunde, die anfangs versuchen, die Leckerlis mit Gewalt aus dem Furbo* zu bekommen. Die Begeisterung ist anfangs zu groß darüber, dass gelegentlich Futter durch den Raum fliegt und dieses aus dieser winzigen Öffnung zu kommen scheint, wenn man da nur ein bisschen Gewalt ....und mit den Zääääähnen....

Macht eine Überwachungskamera Sinn?

Ein ganz klares Ja. Ich möchte meinen Furbo* nicht mehr missen und nutze ihn sowohl im Training mit Hunden, die unter Trennungsstress leiden, als auch privat für meine eigenen Hunde, die zum Glück sehr entspannt und meist schlafend alleine bleiben. Du kannst das Training viel effektiver gestalten und schnellere Fortschritte erzielen, da du zu jedem Zeitpunkt genau beobachten kannst ob dein Hund sich noch im "Entspannungsmodus" befindet und wann er unruhig wird und warum. Das erleichtert es, den richtigen Zeitpunkt für eine Trainingspause zu finden, aber auch locker zu bleiben, wenn der Hund das erste Mal länger als nur ein paar Sekunden und ohne der Hand an der Türklinke alleine bleiben soll. Zusätzlich hast du, jedenfalls beim Furbo*, die Möglichkeit Kontakt mit deinem Hund aufzunehmen und ihn für erwünschtes Verhalten zu belohnen, während du ganz woanders bist. Diese Funktion sollte man allerdings nur sehr gewissenhaft und mit Vorbereitung einsetzen.

Mit dem Hund sprechen und ihn belohnen über eine Kamera

Zu meiner Überraschung funktioniert die Verbindung zum Furbo* wirklich tadellos. Allerdings gibt es eine minimale Zeitverzögerung bis die Sprache beim Hund "ankommt". Das Auswerfen der Leckerlis kann mit einem Geräusch angekündigt werden, welches sich aber auch abstellen lässt. Mit dem Ankündigungsgeräusch lässt sich fast schon eine Art Markertraining in Abwesenheit betreiben und mir fallen direkt hunderte neuer Ideen ein.

Aber, es nicht alles Gold was glänzt und die meisten Hundehalter werden wohl sehr enttäuscht sein, dass es die meisten Hunde zu Beginn nicht die Bohne interessiert, wenn sie über den Furbo* angesprochen werden. Auf die Stimme des Menschen aus dem Furbo* reagieren die meisten Hunde erst, wenn sie einen relevanten Zusammenhang zwischen Stimme und Konsequenz hergestellt haben. Beispielsweise: Der Stimme ertönt und danach werden Kekse ausgelöst.  Möchtest du also diese Kommunikationsmöglichkeit mit dem Hund nutzen, muss das meist erst geübt werden, bis der Hund verstanden hat, dass die Stimme aus dem Off eine Bedeutung für ihn hat, während der Mensch räumlich nicht anwesend ist. Das ansonsten gut funktionierende "Nein" beim Springen auf die Couch wird nämlich in 99% aller Fälle, die ich bisher gesehen habe, geflissentlich ignoriert. Unsere Hunde stellen also einen Zusammenhang zwischen unserer Stimme, Anwesenheit und möglicher Konsequenzen (Runterschicken von der Couch) her. Dass diese bekannten Regeln nun auch für die Stimme aus dem Furbo* gilt, ist also ein eigener Lernschritt.

Risiken beim Einsatz einer Kamera mit Leckerlifunktion

Wie bei Allem im Leben, hat auch die geilste Lösung so ihre Tücken. Denn, entspanntes Alleinebleiben bedeutet nicht, dass dein Hund fortan zwar still ist, aber eben nicht ruhig, weil er dauerhaft damit beschäftigt ist, in deiner Abwesenheit den Furbo* im Auge zu behalten oder sogar zu bearbeiten, um an weitere Leckerlis zu kommen. Wird der Frust hier zu groß, kann dies Bellen und Stress auf ganz fatale Weise fördern. Bekommt dein Hund dann Leckerlis, um ihn ruhig zu stellen...hast du schnell ein wirkliches Problem. Übrigens sollte auch beachtet werden, dass der Leckerlispeicher begrenzt ist. 

Das Belohnen, also Leckerliwerfen während deiner Abwesenheit kann für manche Hunde wirklich eine sehr gute Unterstützung sein und der Durchbruch für erfolgreiches Alleinebleibentraining sein. Es kann aber auch genau das Gegenteil bewirken und selbst Hunde, die bisher immer seelig gepennt haben, während du weg warst, wandern in der Folge unruhig umher, lassen den Leckerliautomaten nicht mehr aus den Augen und geraten mehr und mehr unter Stress. Deswegen empfehle ich gerade im Fall von Trennungsstress auch immer, einen erfahrenen Trainer zu Rate zu ziehen, der dir dabei hilft, einen Trainingsplan zu entwerfen.

Ein weiteres Risiko ist, dass sich dein Hund am Furbo* zu schaffen macht, diesen anknabbert, umwirft oder "schlachtet". Das Gerät macht mir einen stabilen Eindruck und wurde auch von meinen Hunden während der ersten Experimente schon ein paar Mal umgeworfen und bearbeitet. Dennoch kann sich dein Hund verletzen oder Kleinteile verschlucken. Je nach Typ, sollte der Furbo* also möglichst an einer unerreichbaren Stelle stehen oder ein bisschen "eingebaut" werden. 

Fazit

Eine Kamera, wie der Furbo*, mit vielen hilfreichen Funktionen, ist für mich ein wertvolles Instrument geworden, um das Alleinebleiben zu üben und Fehler zu vermeiden, die ohne Kamera leicht passieren können. Einfach, weil wir sonst nicht sehen, was der Hund tut und wie es ihm geht, wenn wir nicht mehr da sind. Es erleichtert das Eingreifen und das perfekte Timing, um die Dauer des Alleinbleibens schrittweise hinauszuzögern und rechtzeitig zu beenden, nämlich bevor der Hund gestresst ist. 

Dennoch sollten mit dem Furbo* nicht allzu viele Scherze betrieben werden, wenn dir daran gelegen ist, einen entspannten und ausgeruhten Hund vorzufinden, wenn du nach Hause kommst. Hunde dürfen täglich locker 16 Stunden und mehr ruhen und somit deine Abwesenheit genau dafür nutzen. Voraussetzung dafür ist, dass du dich regelmäßig mit deinem Hund beschäftigst und ihn angemessen auslastest. Dann wird er die Sendepause während deiner Abwesenheit vielleicht sogar als willkommene Erholungszeit betrachten. Und genau das ist das Ziel des Alleinebleibentrainings. Leidet dein Hund unter Trennungsstress solltest du zuerst analysieren, was der Grund dafür sein könnte: Ist er einfach gelangweilt und unterfordert, hat er es schlicht nie gelernt, alleine zu bleiben, gibt es bestimmte Auslöser für den Trennungsstress oder sind bei deinem bisherigen Training versehentlich Fehler passiert? 

Der Furbo* kann sowohl bei der Analyse als auch beim späteren Training eine wertvolle Ergänzung sein und den entsprechenden Fortschritt erzielen. Dennoch solltest du nie außer Acht lassen, dass für problematisches Verhalten meist mehrere Faktoren verantwortlich sind und du das Training mit deinem Hund immer möglichst ganzheitlich gestalten solltest.

Den Furbo* erhältst du übrigens direkt beim Hersteller und aktuell auch für 199 € bei Amazon. Mit Klick auf das Bild rechts, gelangst du direkt zur Beschreibung. 


Hat dein Hund Probleme mit dem Alleinesein und leidet unter Trennungsstress? Oder möchtest du genau das herausfinden um sicher zu gehen, dass es deinem Hund in deiner Abwesenheit gut geht? Oder hast du Fragen zum Training und für euch passenden Übungen? Dann kontaktiere mich gerne. Ich freue mich auf dich und deinen Hund.

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Viele Grüße,

Deine


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Kommentare: 2
  • #1

    Sonja Pannekoike (Mittwoch, 13 März 2019 22:43)

    Super geschrieben!!!! Danke dafür und liebe grüße

  • #2

    Mela von RehabiliTiere (Mittwoch, 13 März 2019 23:17)

    Hallo Sonja,
    Danke, das freut mich :-)
    Viele Grüße,
    Mela

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