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Was bedeutet Meideverhalten beim Hund?

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Meideverhalten ist eine natürliche Reaktion. Auch bei uns Menschen. Situationen aus dem Weg zu gehen, die mit einer negativen Erfahrung belastet sind, ist sinnvoll. Zeigt dein Hund Meideverhalten, solltest du das immer ernst nehmen und dir die möglichen Auslöser oder Stresssituation genau ansehen. Besonders, wenn dein Hund dir gegenüber Meideverhalten zeigt. Doch Meideverhalten beim Hund kann auch eine Chance sein.

Stell dir vor, du bist eingeladen. Alle Gäste unterhalten sich nett und du hast bereits erste Kontakte geknüpft. Doch einer der Anwesenden scheint einen eigenartigen Tick zu haben. Als er dir bei eurer ersten Begrüßung etwas zu heftig auf die Schulter gehauen hat, dachtest du noch an ein Versehen. Doch beim zweiten Mal wunderst du dich schon. So gut sind die Witze nicht und sein bester Kumpel wirst du auch nicht werden. Der Typ erscheint dir zunehmend unberechenbar und du versuchst ihn, für den Rest des Abends zu ignorieren und einen gewissen Sicherheitsabstand zu halten.

 

Ich möchte dir eine andere Situation beschreiben: Du hast dich zu einem Malkurs angemeldet und startest voller Motivation in dein neues Hobby. Die Lehrerin ist nett und deine Tischnachbarin macht auch einen sympathischen Eindruck. Etwas ungelenk versuchst du dich in ersten Zeichenübungen. Deine Lehrerin tritt hinter dich und schnaubt: "Falsch, fang nochmal an!". Du bist irritiert und weißt nicht, wie du es besser anfangen sollst und auch dein zweiter, dritter und vierter Versuch ähnelt dem ersten. Du merkst, wie du langsam den Spaß verlierst und dein anfänglicher Tatendrang immer weniger wird. Jedes Mal, wenn die Zeichenlehrerin in deine Nähe kommt, würdest du jetzt am liebsten im Erdboden versinken. 

Auf dem Heimweg fragst du dich, was du hättest anders machen können, um bessere Ergebnisse zu erzielen, aber ohne eine genauere Anleitung kommst du einfach nicht weiter. Als du es nach einigen Tagen nochmal versuchst, verlierst du schnell den Spaß und gehst auch nicht nochmal in den Malkurs. Seitdem liegen Stifte und Pinsel unberührt neben dem Schreibtisch und jedes Mal, wenn du darüber nachdenkst, mal wieder was zu malen, hast du dabei ein unangenehmes Gefühl.  

 

Natürlich lassen sich diese Beispiele nicht direkt auf den Hund übertragen. Sicher fallen dir einige Situationen ein, die du aufgrund einer oder mehrere schlechter Erfahrungen vermeidest. Vielleicht sogar im Zusammenhang mit deinem Hund. 

 

Ähnlich geht es deinem Vierbeiner, wenn er in einer zunächst neutralen Situation schlechte Erfahrungen sammelt. Negative Erfahrungen können ein Schreck, Schmerz, Unwohlsein, Übelkeit, Frieren, starke Hitze oder ganz allgemein Stress sein. Je nach Intensität der Erfahrung, den bisherigen Gesamt-Erfahrungsschatz deines Hundes und seines Typs, wird er diese Situation oder das, was er mit der negativen Erfahrung verknüpft hat, vermeiden. 

Das Meideverhalten kann sich also sowohl auf Situationen, als auch auf Objekte, Artgenossen oder Personen beziehen. 

 

Dies ist übrigens einer der Gründe, weshalb Hunde, die unter Zufügung von Schmerzreizen oder mit Strafe und übermäßiger Korrektur ausgebildet werden, häufig gegenüber ihrem Ausbilder Meideverhalten zeigen. Die Steigerung von Meideverhalten kann entsprechend aggressives Verhalten gegenüber dem Ausbilder sein. Vor allem dann, wenn das Meideverhalten nicht zum Erfolg oder zur tatsächlichen Vermeidung des unangenehmen Gefühls oder Schmerzes geführt hat. 

Hunde lernen unter Stress und Angst bewiesenermaßen nicht nur schlechter, sondern verknüpfen diese Erfahrung eben auch mit allen möglichen anwesenden Reizen. Dazu gehören auch Objekte, Artgenossen oder Personen, auf deren Anwesenheit der Hund den Schmerz zurückführt. Fehlverknüpfungen nicht ausgeschlossen.

 

Besonders ausgeprägtes Meideverhalten zeigen Hunde gegenüber ihrem Menschen, wenn sie sich der Situation nicht entziehen können oder wenn sie überhaupt nicht verstehen, warum sie bestraft werden. Dies passiert meiner Meinung nach viel häufiger, als vielen Hundehaltern bewusst ist und ist einer der Hauptgründe für Meideverhalten des Hundes im Alltag. Besonders, weil es meist Hunde betrifft, deren Menschen ihren Hund nicht bewusst unfair behandeln oder sogar Befürworter der positiven Verstärkung sind.

 

Merke: Meideverhalten entsteht nicht nur aufgrund von eindeutig negativen Erfahrungen sondern auch, wenn sich der Mensch aus Sicht des Hundes unberechenbar oder inkonsequent verhält. 

 

Ein Beispiel dafür ist das Rückruftraining: Es wird geübt und der Hund wird dafür belohnt, dass er zu seinem Menschen kommt. Nun trödelt der Hund ein wenig und kommt nicht sofort. Da Herrchen oder Frauchen heute ohnehin schon genervt ist, wird der Hund unsanft am Halsband gepackt und angeleint, als er dann endlich da ist. Für den Hund ist dieses Verhalten hochgradig unberechenbar. Er hat die Nähe zu seinem Menschen hergestellt und wurde dafür entgegen seiner vorherigen Erwartungshaltung (Hund kommt = Belohnung) bestraft (unsanfter Griff ans Halsband). Dass das Verhalten des Menschen im Zusammenhang mit dem vorherigen Trödeln des Hundes steht und nicht damit, dass der Hund zu seinem Menschen kommt, ist für den Hund nicht nachvollziehbar. 

Eine mögliche Konsequenz ist, dass dein Hund immer vorsichtiger kommt und ihn ähnlichen Situationen Meideverhalten zeigt.

Biologisch gesehen ist Meideverhalten also höchst sinnvoll. Im Alltag mit unserem Hund und ganz besonders während des Trainings, sollten wir jedoch immer beachten, dass unser verhalten für den Hund nachvollziehbar und berechenbar ist. Falls du bemerkst, dass dein Hund dir gegenüber Meideverhalten zeigt, solltest du dich vor jeder Art von Training zunächst darum kümmern und genau analysieren, in welchen Situationen und warum dich dein Hund meidet, um anschließend eine gute Vertrauensbasis aufzubauen. Denn -wie oben schon beschrieben- lernt dein Hund nicht nachhaltig, wenn er während des Trainings gestresst ist oder sich unwohl fühlt. Meideverhalten abzubauen ist also eine sehr lohnenswerte Investition. 

Meideverhalten erkennen

Doch wie sieht Meideverhalten aus? Ganz deutlich ist zu erkennen, dass der Hund versucht eine größtmögliche Distanz zwischen sich und dem Auslösereiz herzustellen. Ist der Hund an der angeleint, zieht er meist stark an der Leine, ohne dass ein deutliches Ziel zu erkennen ist. Er bewegt sich also nicht zu etwas hin, sondern von etwas weg. Dies kann Alles sein, also auch der Mensch, der die Leine hält.


Ein weiteres typisches Beispiel ist auch, wenn der Mensch versucht, seinen Hund durch eine Situation "zu ziehen" und der Hund sozusagen die Bremse reinhaut, um nicht durch die Pfütze zu müssen, nicht direkt am Artgenossen vorbeizulaufen oder durch einen engen Durchgang zu gehen. 

Deine Reaktion

Zeigt dein Hund Meideverhalten solltest du niemals ungeduldig oder mit einer Strafe reagieren, sondern genau hinsehen: Was möchte mein Hund vermeiden? Was versucht er mit seinem Verhalten zu erreichen und was ist der Auslöser? Handelt es sich um einen von dir unabhängigen Auslöser solltest du deinem Hund eine Alternative anbieten. Ihm also einen Ausweg zeigen und die Möglichkeit geben, einen Abstand einzunehmen, in welchem er sich wohlfühlt und ansprechbar ist.

Zeigt dein Hund dir gegenüber Meideverhalten solltest du dein Verhalten hinterfragen und die jeweilige Situation in seiner Gesamtheit anschauen. Welche Erfahrungen können dazu geführt haben, dass dein Hund in dieser Situation Abstand zu dir halten möchte und was kannst du tun, um sein Vertrauen in dich zu stärken. 

Es muss nicht unbedingt sein, dass du selbst der Verursacher warst, sondern auch andere negative Erfahrungen mit Menschen können dazu führen, dass dein Hund seine Erfahrung verallgemeinert hat und auf dich überträgt. Möglicherweise ist auch etwas für das Meideverhalten dir gegenüber verantwortlich was du an dir trägst, eine Bewegung, ein anderes Objekt oder Lebewesen in deiner Nähe oder sogar ein Duftstoff.

Meideverhalten als Chance

Schaffst du es, deinen Hund durch eine vermeintlich gefährliche Situation zu führen, stärkt dies nicht nur das Selbstbewusstsein deines Hundes, sondern auch sein Vertrauen in dich. Dein Hund erfährt, dass es angenehme Gefühle in ihm auslöst, sich dir anzuschließen und Herausforderungen zu bewältigen. Kannst du das Meideverhalten schrittweise abbauen, wird dein Hund nicht nur im Alltag entspannter werden sondern auch viel besser lernen und eure Fortschritte im Training vergrößern sich.

Hast du bei deinem Hund auch schon mal Meideverhalten beobachtet?

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