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Der Wintermantel für den Hund

Braucht mein Hund einen Hundemantel?

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Der Hund stammt ja vom Wolf ab und der friert auch nicht, wenn es mal weniger als null Grad hat. Außerdem ist ein Hund ein Hund und kein Kind. Wozu also ein Hundemantel? Bloß nicht vermenschlichen, das arme Tier. 

Was bei solchen Argumentationen gerne vergessen wird: Unser Haushund hat in den seltensten F(e)llen ein Haarkleid, dass mit dem des Wolfes vergleichbar wäre.

Warum der Wolf keinen Mantel trägt:

Er hat bereits einen supergenialen Thermomantel ab Werk. Angepasst auf die Gefilde, in denen er umherstreift und von klein an draußen. Wölfe besitzen ein zweitägiges Fell mit einer sehr dichten Unterwolle. Diese isoliert gegen quasi Alles: Kälte, Wärme, Wasser und auch Verletzungen. Der Wolfsrücken ist sogar mit mehreren sich perfekt überlagernden Schichten ausgestattet so, dass Regenwasser optimal abfließen kann. 

Dazu kommt: Ist es kalt, nass und stürmisch und der Magen hängt nicht schon unterhalb der Kniekehlen, passt sich der Wolf, wenn möglich, den Umständen an und wartet besseres Wetter ab. Er bleibt einfach in seiner Höhle. Es hat also garnicht so viel mit „verwöhnt und verweichlicht“ zu tun, wenn dein Hund keine Lust auf Mistwetter-Gassi hat. 

Dein Hund muss aber eben um die Mittagszeit mit rauskommen, egal, wie das Wetter gerade ist, denn nur dann ist der Timeslot geöffnet. Danach muss der Gassiservice zum nächsten Vierbeiner weiter oder du zurück an den Schreibtisch. 

 

Ich persönlich glaube ja, dass manche Hunde uns schon alleine deshalb nicht für voll nehmen, weil wir so wahnsinnig sind, bei strömenden Regen das Haus, ergo die Höhle, zu verlassen und dann bei bester Abenddämmerung und angenehmen 20 Grad am Schreibtisch festkleben. Gerade jetzt, wo überall Kaninchen und Rehe unterwegs sind. Aber weiß das schon so genau.

Trägst du zu Hause einen Wintermantel?

Natürlich bilden die meisten unserer Hunde eine Art Winterfell aus. Die einen mehr, die anderen weniger und vor allem: Immer mehr Hunde befinden sich scheinbar dauerhaft im Fellwechsel. Dies liegt mitunter daran, dass der Fellwechsel hormonell gesteuert wird und abhängig von Tageslicht und Temperaturen unterschiedlich angestoßen wird. 

Da unsere Hunde jedoch selten nach Mondphasen leben, sondern eher nach Energiesparlampe und Fußbodenheizung, ist es kein Wunder, dass das mit einem gescheiten Winterfell nur bedingt zuverlässig klappt. Welcher Hormonhaushalt soll sich denn da noch zurechtfinden?

Unsere Haushunde halten sich einen Großteil des Tages bei angenehmen 20 Grad oder wärmer auf und Mutter Natur entscheidet sich somit pragmatischerweise gegen die Zusatzausstattung „dickes Winterfell“. Das wird ja zu 90% des Tages überhaupt nicht benötigt. 

 

Schön schick aber unpraktisch

Nicht unerwähnt sollte dabei bleiben, dass vor allem durch Zuchtauswahl und Schönheitsideale die Funktionalität von Fell meist vollkommen außer Acht gelassen wird. Wen interessiert schon, ob es Sinn macht, halbnackt über die Frankfurter Hauptwachse zu schlittern, wenn’s halt schick aussieht. Jedenfalls am Hund. Dass die Ridge des Ridgebacks jetzt auch nicht unbedingt dazu geeignet ist, Regenwasser wolfsähnlich an sich abperlen zu lassen, springt dem aufmerksamen Betrachter auch sofort ins Auge. Man sollte also bedenken, dass die Gleichung: „Hund = Natur, ergo Frieren = kann ja garnicht sein, ist ja schließlich ein Hund = Natur“ irgendwie nicht aufgehen kann, wenn man zuvor ganz unnatürlich so ziemlich Alles, was fellmäßig Sinn macht, weggezüchtet oder übertrieben aufgezüchtet hat. 

Das pauschale Ablehnen eines Hundemantels ist also wirklich quatsch. Außer, du hast einen Wolf.

Gehört dein Hund also nicht zur Gattung „superrobustes Wolfsplagiat“, wird antiautoritär erzogen und darf über seine Outdooraktivitäten selbst entscheiden, ist es vollkommen ok, über einen Hundemantel nachzudenken.

Besonders bei folgenden Hunden solltest du genauer hinschauen:

No Unterwolle an Bord: Hunde mit wenig oder keiner Unterwolle: Die Kälte kann ungehindert bis auf die Haut kriechen und somit kühlen diese Hunde sehr schnell aus. Beispiele: Dobermann, Dalmatiner, Magyar Vizsla und Windhunde. Ich finde die Mäntel von Hurtta oder Hunter empfehlenswert.

Zartbesaitet: Sehr junge Hunde, die normalerweise noch an Mama’s wärmendem Körper oder an ihre Geschwister gekuschelt schlafen würden, anstatt U-Bahn-fahren zu üben, alte oder kranke Hund. Besonders, wenn dein Hund eingeschwächtes Immunsystem oder auch Probleme mit dem Bewegungsapparat hat. Auch Hunde, die sich krankheits- oder altersbedingt sehr langsam bewegen, frieren schneller und werden damit auch verletzungsanfälliger.

Zwerge: Kleine Hunde, die unmittelbar über dem Boden oder direkt durch den Schnee laufen, bekommen viel mehr Kälte und auch Nässe ab. Da hilft ein Mantel von obern natürlich wenig und man sollte beachten, dass besonders der Bauch geschützt wird. Außerdem haben kleine Hunde eine verhältnismäßig größere Körperoberfläche, über die sie Wärme verlieren können, als große Hunde. Ein guter Allrounder für kleinere Hunde ist der Hundemantel von Hurtta, den man auch gut individuell verstellen kann. 

Sportler: Sporthunde. Damit ist wirklich Sport gemeint und nicht die Toberunde auf der Hundewiese. Sie sind besonders vor und nach dem Training oder auch in Wartepausen darauf angewiesen, dass ihre Muskulatur warmgehalten wird, um Verletzungen vorzubeugen. Je nach Aktivität und Wetter, bleibt der Mantel dann aber während des Trainings oder Wettkampfes aus.

Ein Hundemantel für wirklich kalte Tage und besondere Frostbeulen ist auch der Thermomantel "Uppsala" von Hunter.

 

Also lieber immer ein Mantel? Sicher ist Sicher?

Dein Hund sollte sich durchaus an kalte Temperaturen gewöhnen dürfen. Nicht umsonst setzen wir uns nach Kneipp und in der Sauna auch extremeren Temperaturen aus, um den Kreislauf in Schwung zu bringen und um eine gewisse Abhärtung zu erlangen. Ein wenig physischer Stress und Anstrengung schadet nicht und hält auch irgendwie fit. Vor allem: Als ich kürzlich einen Husky im Wintermantel sah, der bei angenehmen 3 Grad mit einem gefütterten Wintermantel unentwegt war, wunderte es mich nicht, dass das arme Tier hechelte. Der falsche Mantel für den falschen Hund kann auch zu Überhitzung führen, wenn man es ganz doof anstellt. 

Dennoch sollten die Temperaturschwankungen für den Hund zu bewältigen sein und es ist sicher nicht fair, den Pudel bei -5 Grad von der Fußbodenheizung aufzuscheuchen, auf den Weihnachtsmarkt zu gehen und ihn dann drei Stunden später zum Auftauen vor den Ofen zu legen. Alles schon gesehen. Bedenke also, dass Stillstehen und wenig bis keine Unterwolle (ergo ohne Jacke) einfach nur kalt ist. Für deinen Hund genauso, wie für dich. 

 

Woran erkenne ich, dass mein Hund friert?

Wenn dein Hund entgegen seiner Gewohnheit keine Lust auf ausgelassenes Spielen hat, desinteressiert wirkt und „klamm“ geht. Wenn er langsamer geht, als sonst, die Rute einzieht oder sogar immer wieder stehenbleibt und zittert, kann das ein sehr deutliches Zeichen dafür sein, dass er wirklich friert. 

Hundemäntel sollten aber nie pauschal sondern immer individuell und passend zu Hund und Situation eingesetzt werden.

Meine Hündin Rosi friert beispielsweise viel schneller, wenn sie mal länger im Kalten „warten“ muss oder die Gassirunde an der Leine verläuft, als meine Hundeseniorin Grace. Obwohl Grace mit 14 Jahren empfindlicher sein dürfte, fühlt sie sich auch bei niedrigen Temperaturen noch recht lange wohl. Beide haben eine ähnliche Fellbeschaffenheit, sind aber so verschieden, dass es keine alpgemeingültige Antwort auf die Frage gibt: Braucht mein Hund einen Mantel. Schau immer genau hin und beobachte deinen Hund in der jeweiligen Situation. 

Beziehe seinen Allgemeinzustand aber auch die jeweilige Tagesform, die Art der geplanten Aktivität und hormonelle Schwankungen mit ein und entscheide jeden Tag neu, ob heute ein Mantel nötig ist.

Worauf solltest du beim Hundemantel achten?

Die Winterjacke für den Hund sollte atmungsaktiv sein und gut passen. Investiere in einen hochwertigen Mantel und spare nicht an der falschen Stelle. Lass dir mehrere Mäntel zuschicken und probiere diese deinem Hund an oder gehe direkt in ein Fachgeschäft. 

Folgende Punkte solltest du beachten:

  • Atmungsaktivität: Ein Hitzestau oder Kondenswasser unter der Hundejacke können sonst die Folge sein.
  • Ist der Hundemantel wasserdicht? Je nach Wetter und Einsatz wird so die Wärme besser gespeichert und dein Hund trägt bei Regen keine Eisplatte mit sich herum.
  • Winddicht: Das kennst du sicher selbst. Fleecepullys sind was Feines, schützen aber nicht vor Wind und wärmen bei stürmischen Wetter garnicht.
  • Guter Schnitt: Der Mantel sitzt entweder auf Anhieb perfekt oder sollte individuell einstellbar sein. Keine zu großen Öffnungen haben, die Kälte hereinlassen, aber auch nicht einengen, einschneiden oder scheuern. Der Mantel deines Hundes sollte nicht verrutschen und volle Bewegungsfreiheit bieten. Und: Dein Hund sollte ungehindert pinkeln und kacken können. Denn das ist schließlich ein wesentlicher Faktor, weshalb wir den Vierbeiner auch bei Wind und Wetter vor die Türe zerren.
  • Robust: Je nach Hund und Einsatzgebiet sollte der Hundemantel strapazierfähig sein uns „waschbar“. So kannst du deinem Hund unbeschwert beim Toben zusehen und verringerst Aufwand, Stress und Frust beim Spazierengehen im Winter.
  • Im besten Fall hat der Wintermantel reflektierende Elemente. Besonders bei dunklen Farben sollte darauf geachtet werden und trotzdem eine gute Beleuchtung deines Hundes nicht vergessen werden.
  • Praktikabel: Bedenke vorher, ob du deinen Hund am Geschirr anleinen möchtest. Hochwertige Geschirre bieten meist mehrere Öffnungen oder Zwei-Wege-Reißverschlüsse, damit man mit dem Karabiner an die jeweilige Öse kommt und den Hund bequem an- und ableinen kann.

Wartezeiten zum Frieren

Aus eigener Erfahrung möchte ich dir noch einen Hundefleecemantel empfehlen, der bei meinen Hunden im Winter regelmäßig zum Einsatz kommt. Da meine Hunde immer dabei sind und somit auch mal längere Wartezeiten im Auto verbringen müssen oder während einer Trainingsstunde immer mal wieder ruhig neben mir stehen, nutze ich gerne die leichteren Fleecemäntel. Mit denen können sich Rosi und Grace schön einkuscheln. Diese haben den Vorteil, dass sie superleicht sind und der Hund nicht so "angezogen" ist, wenn er im Kofferraum schlummert. Man kann sie aber auch unter einen Hunderegenmantel drunter ziehen und hat dann zwei in einem. Super praktisch.

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Glücksmomente, Abenteuer & Training mit Hund

Ich bin Mitglied im Verband zertifizierter Hundetrainer e.V. und bin nach § 11 des Tierschutzgesetzes als sachkundig befunden.

Ich habe mich auf Trainingsangebote speziell für Hundehalterinnen spezialisiert. 

Warum das so ist, erfährst du hier.