Warum keine Welpengruppen?

Keine Welpengruppe? Aber Welpen müssen doch spielen. Warum Sie bei RehabiliTiere und in den Guerilla-Gruppen keine Welpengruppen finden, erfahren Sie hier.

Welpenspiele und Kommunikation

Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich finde Welpen ebenso putzig, wie jeder andere Hundehalter auch. Als Hundetrainer liegt mir die Erziehung, das Training und gesunde Erwachsenwerden Ihres Hundes am Herzen.

Bis vor einigen Jahren habe ich ebenfalls, wie viele meiner Kollegen, Welpengruppen angeboten. Auch, wenn ich schon damals auf kleine Gruppen von 3 bis 6 Welpen bestanden habe und der Schwerpunkt immer auf der Erziehung lag und weniger im Spiel zu finden war.

Dennoch verliefen viele Welpengruppen nicht so, wie ich es mir in der Kürze der Welpenzeit gewünscht hätte und es war für mich kaum sicher zu stellen, dass alle Hundehalter die -mir wichtigen- Informationen aus der Stunde mitnehmen konnten. Schon gar nicht, dass alle Teilnehmer Übungen und Verhaltensempfehlungen in die tägliche Praxis umsetzen konnten und Übungen an die Hand bekamen, welche zu Ihnen und Ihrem Hund passten.

Doch welche "wichtigen Informationen" kann es denn bei der Welpenerziehung geben, dass eine Welpengruppe zur Sozialisierung des Welpen nicht beiträgt oder dieser sogar entgegen steht?

Viele Welpenbesitzer haben vor allem die Spielphasen mit Gleichaltrigen im Kopf, wenn es darum geht, sich für ein Welpentraining anzumelden. Doch besonders die Spiele innerhalb einer Gruppe bunt zusammengewürfelter Welpen sind häufiger Ursache für spätere Verhaltensauffälligkeiten, als man denkt.

Warum Welpenspielgruppen einen falschen Fokus setzen

Wir wünschen uns einen Hund, einen treuen Begleiter, möglichst durch verschiedenste Alltagssituationen, vielleicht sogar auch im Büro. Unser zukünftiger "bester Freund" soll freundlich, aber zurückhaltend, aufgeschlossen, aber nicht aufdringlich, absolut zuverlässig, aber nicht dressiert, explorativ aber nicht zu freiheitsliebend, aktiv und sportlich, aber bloß nicht jagdaffin, unkompliziert in Pflege und Ernährungsansprüchen, aber bloß kein Staubsauger oder gar Bettler, Kinder mögen, aber nicht zu stürmisch sein, wachsam, aber bloß nicht bellen, wenn der Postbote klingelt. Anhänglich und verschmust, aber wehe, er wedelt jedem hinterher, der ihn nur freundlich angelächelt hat, und und und.

Die Liste ließe sich endlos fortsetzen. Bei Allem, lässt sich zusammenfassen, dass 90 % der Hundehalter einen folgsamen Begleiter möchten, welcher mit möglichst wenig Training genauso toll hört, wie der Hund von Nachbar XY.

 

Nun ist meist das Erste, was Welpenbesitzer tun: Der kleine Welpe darf die Welt entdecken. "Hund sein", laufen, rennen, stundenlange Spaziergänge, tausende Umwelteinflüsse und Hundebegegnungen en masse. Der Welpe soll erstmal das Leben genießen und Spaß haben. 

Dieser Anspruch setzt sich in den Welpengruppen fort.

 

Doch was lernt der Welpe in dieser Zeit?

Ein heranwachsendes Hundekind, welches überwiegend mit äußeren Faktoren befasst ist und völlig unvorbereitet in eine Gruppe voller ebenso unvorbereiteter Welpen und Menschen landet, lernt im besten Falle, dass es sehr viel Spaß ohne seinen Menschen haben kann und im schlechtesten Falle, dass sein Mensch ihm weder Schutz noch Orientierung bietet, sollte es mal kritisch werden.

 

Das klingt drastisch, ist aber in 90 % der Fälle leider das Ergebnis einer nicht vorhandenen Welpen"erziehung" und dem Fokus auf vermeintlicher Sozialisierung. 

Fragen, die Sie sich hinsichtlich der Welpenerziehung stellen sollten

  • Möchten Sie, dass Ihr Hund später selbstverständlich zu jedem anderen Hund hinläuft und diesen freudig begrüßt?
    • Wenn dem nicht so ist, sollten Sie ihren Welpen nicht zu jedem fremden Hund hinrennen lassen.
  • Möchten Sie, dass Ihr Hund später nervös und unsicher ist, wenn er selbst angeleint, sein Bewegungsspielraum also eingeschränkt, ist?
    • Nein? Dann sollten Sie im Training und während der Spaziergänge darauf achten, dass Ihr Welpe bereits sehr früh lernt, dass er sich an der Leine sicher fühlen kann, nicht einfach angefasst oder von fremden Hunden "überfallen" wird, auch wenn es noch so freundlich gemeint ist.
  • Möchten Sie einen Hund, der sich in kritischen Situationen an Sie wendet?
    • Dann achten Sie darauf, dass Sie möglichst früh an einem zuverlässigen Rückrufsignal arbeiten, die Körpersprache Ihres und anderer Hunde(-rassen) lesen lernen und schwierige Situationen für ihren Welpen regeln.
  • Möchten Sie einen Hund, der zuverlässig zurückkommt und stets mit einem "Ohr" bei Ihnen ist?
    • Wenn dem so ist, sollten Sie ihrem Welpen nicht erst unkontrolliert die große weite Welt öffnen, um sie dann im Junghundealter (das ist die Phase, in welcher Hunde einem gern mal die "Mittelkralle" zeigen und erahnen lassen, was man bisher Alles nicht ausreichend geübt hat) an die Schleppleine zu legen. Es ist wesentlich leichter anders herum zu beginnen ;-)
  • Möchten Sie einen Hund, der jedem Schmetterling, jeder Taube oder jedem Reh hinterher rast und der den meisten Spaß "ohne sie" hat?
    • Sicher nicht. Machen Sie Ihren Welpen nicht dauernd darauf aufmerksam wie lustig Jagdspiele sind. Dazu gehören häufiges Bällchenwerfen, Buddeln, wo man steht und geht, regelmäßiges Malträtieren und Fleddern von Quitschspielzeugen und das putzige Fangen von Fliegen an der Fensterscheibe und anderen "jagdassoziierten" Spielen ohne Start- und Schlusszeichen. 

Dies sind einige Beispiele dafür, in welchem krassen Widerspruch unser Umgang mit Welpen zu unseren späteren Anspruch im Alltag steht. Glauben Sie mir: Auch Hundetrainer sind davon nicht ausgenommen :-)

Ist der süße Fellknäuel erstmal erwachsen und hängt mit 30 kilo an der Leine, kommt nicht zurück wenn Sie ihn rufen, beschäftigt sich beim Spazierengehen lieber mit sich oder anderen Hunden und Menschen, ist es meist viel schwieriger wieder "zurück auf Los" zu gehen.

Besonders deutlich wird das, wenn Sie mit Ihrem Junghund die gewohnte Umgebung verlassen und feststellen, dass Signale, von denen Sie dachten, dass sie eigentlich "schon ganz gut" klappen, plötzlich überhaupt nicht mehr funktionieren.

Was passiert in klassischen Welpenspielgruppen?

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Zitat aus einem Interview mit Thomas Baumann und Normen Mrozinski aus der dogs-Ausgabe Sep/Okt 2016

Natürlich hat der Trainer einen großen Gestaltungsspielraum, was im Rahmen der Gruppenstunde geschieht und gelernt werden soll. Die Vorstellung des Trainers unterscheidet sich jedoch meist von der, mit welcher die frisch gebackenen Hundeeltern die Welpengruppe aufsuchen.

Zudem sind die Voraussetzungen der jeweiligen Hundehalter meist sehr unterschiedlich.

In den klassischen Welpengruppen steht das "Spiel" im Vordergrund. Selbst bei regelmäßigem Eingreifen des Trainers, kann er nicht gewährleisten, 6 Welpen gleichzeitig im Blick zu haben und währenddessen noch zu erklären, warum, weshalb und wie nun grade ein vermeintliches Spiel unterbrochen wurde oder weshalb man ein wilderes Spiel auch mal laufen lässt.

Die wenigsten Welpen haben bereits eine ausreichende Bindung zu ihrem Menschen, um diesen aufzusuchen, wenn sie überfordert sind. Denn das müsste vor der Gruppensituation geübt worden sein. Die wenigsten Menschen erkennen die Überforderung überhaupt nicht und sehen keinerlei Notwendigkeit einzugreifen oder aber das Gegenteil ist der Fall: Sie sind überängstlich und übertragen die Anspannung auf ihren ohnehin schon aufgeregten Welpen. 

Was wir in Welpenspielgruppen als "Spiel" oder wildes Toben beobachten, ist meist keinesfalls ein respektvolles Kennenlernen oder Miteinander. Vielmehr dient das Spielen, besonders bei jungen Hunden, der Konfliktlösung. Es bedarf also einer guten Hundekenntnis und das Kennen des jeweiligen Welpen, um einschätzen zu können, was sich zwischen den süßen Kleinen grade tatsächlich "abspielt".

Um wirklich miteinander zu spielen, Grenzen kennenzulernen und zu kommunizieren (Stichwort "Sozialisierung & Sozialspiel"), benötigen die Welpen unterschiedlich viel Zeit miteinander. Und auch Sie als Mensch benötigen unterschiedlich viel Zeit, um sich an das "laufen lassen" zu gewöhnen und ihren Welpen eventuell auch von einer ganz anderen Seite kennenzulernen. Nicht jedes Gespann passt in jeder Konstellation und in einigen Fällen ist das Spielen aufgrund der Größenunterschiede schlicht und ergreifend lebensgefährlich.

 

Sollen dann die Welpenbesitzer das erste Mal den Rückruf "Ausprobieren" lernen die meisten Welpen Folgendes:

  • Andere Dinge sind spannender als mein Mensch. Ich komme maximal NACHDEM ich hier fertig bin. Was soll das Rufen überhaupt? Immerhin muss ich so garnicht mehr nach meinem Menschen schauen, ich höre ihn ja.
  • Mein Mensch wird immer aufgeregter, wütender, unsicherer. Anscheinend ist das hier eine brenzlige Situation oder benötigt mein Mensch etwa meine Hilfe?
  • Stress! Mein Mensch ruft, ich würde so gerne hin, aber 3 andere Welpen verfolgen mich und ich kann meinen Menschen nicht erreichen.

Am diesem Beispiel wird ein weiteres Problem der Welpengruppen besonders deutlich: In einer neuen, aufregenden Umgebung, mit vielen fremden Welpen und Menschen, ist es für einen jungen Hund fast unmöglich, sich zu konzentrieren, geschweige denn völlig neue Signale zu erlernen. Auch Ihnen wird das zunächst vielleicht schwerer fallen. Denn Sie sind plötzlich nicht nur Welpenpapa oder -mama, sondern Schüler und Lehrer gleichzeitig.

 

Umgekehrt wird jedoch ein Schuh draus: Signale und Basics werden in Einzeltrainings erlernt um sie dann in der Gruppe zu generalisieren und zu vertiefen. 

 

Die ganze Bandbreite an Erfahrungen

Erfahrungen, Welpenspielgruppe, Frankfurt
Quelle: freepik; Little Puppies Friends BY VIKTOR HANACEK

Natürlich gibt es einige Hunde, die völlig unbeschadet eine wilde Welpengruppe überstehen und auch während der Flegelphase zuverlässig "hören", obwohl es nie richtig geübt wurde oder grade erst begonnen wurde.

Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie ihren Welpen -im schlechtesten Fall- traumatisieren, eine Leinenaggression oder generell ein "asoziales" Verhalten gegenüber Artgenossen, versehentlich anerziehen oder -im besten Fall- einfach die wertvolle Welpenzeit verpassen, um den Grundstein für den Hundealltag zu legen, den Sie sich vorgestellt haben, ist relativ hoch. Hundeexperten, wie beispielsweise die im obigen Bild zitierten Thomas Baumann und Normen Mrozinski (welche sich ansonsten nicht immer ganz einig sind) machen unter anderem die "klassischen Welpenspielgruppen" und den Run auf diese für zunehmend mehr verhaltensauffällige Hunde verantwortlich, die eigentlich mit besten Voraussetzungen ins Hundeleben gestartet sind.

 

Es gibt die Ausnahmen: Hundehalter, die sich schlau gemacht haben, talentiert und intuitiv viel richtig machen und fleißig üben. Diese sind in einer Welpengruppe jedoch meist völlig fehl am Platz, da das Niveau der meisten Welpenspielgruppen mit ein oder zwei Wochen Training leicht getoppt werden kann. Denn den vielen anderen, unerfahrenen Welpenbesitzern muss der Trainer ebenfalls gerecht werden. Hier sind Themenkurse oder spezielle Lernkurse für Welpen geeigneter.

Verstehen Sie mich hier bitte richtig: Ich arbeite ausgesprochen gerne mit gänzlich unerfahrenen Hundehaltern. Der Rahmen muss nur für die jeweiligen Menschen und Welpen passen. Auch Welpentypen und Rassen sind mitunter völlig unterschiedlich und benötigen zu unterschiedlichen Zeitpunkten unterschiedliche Förderung, Forderung oder auch Schutz und Unterstützung.

 

Selbstverständlich soll ein Welpe möglichst viele Dinge und Lebewesen kennenlernen dürfen und Erfahrungen sammeln. Die wichtigste Frage dabei ist jedoch, ob der Welpe, als kleines, unerfahrenes Lebewesen, in einer mal "offenen" oder "misstrauischen" Prägephase befindlich, diese Erfahrungen auch tatsächlich als positiv verbucht und wie wir das als Hundehalter oder -trainer sicherstellen beziehungsweise möglichst optimal steuern können. 

 

Ein Welpe, der mit eingezogener Rute und aufgerissenen Augen zwischen die Füße irgendeines Menschen flüchtet hat Angst. Das ist weder süß noch lustig aber ziemlich sicher, dass er mit wachsendem Alter eine entsprechende Strategie entwickeln wird, um solche Situationen anders zu lösen. Es ist Ihnen und Ihrem Hund zu wünschen, dass Sie sein Ansprechpartner sind, wenn es darum geht, eine Verhaltensalternative zu dem bisherigen Panik-Programm zu entwickeln.

Auch ein Welpe, der vermeintlich sehr verspielt und etwas tollpatschig auf jeden neuen Kumpel drauf springt, über ihn drüber latscht bzw. rennt und vor lauter Übermut kaum noch klar denken kann, lernt nicht das, was ihn zu einem zuverlässigen, freundlichen und vor allem entspannten Alltagsbegleiter macht. Auch hier: Der eine Welpe ist nicht besser oder schlechter als der andere. Beide benötigen nur andere Grenzen und Regeln und vor allem einen zuverlässigen und fairen Menschen, welcher sie durch die "Ausprobierzeit" führt. 

 

Denken Sie einfach mal darüber nach und sprechen Sie mich gerne an, falls Sie Interesse an einer Alternative zu Welpen(spiel)gruppen haben.

Sätze, die sie streichen sollten

Wie? Jetzt doch Welpentraining?

Natürlich. Auch mit dem klitzekleinsten Babywelpen kann man sich befassen und altersgemäße Übungen machen und ihn wertvolle, positive Erfahrungen machen lassen, eine zuverlässige Bindung und Vertrauen aufbauen.

Ich berate Sie gerne bereits vor der Welpenanschaffung und begleite Sie ebenfalls bei der Auswahl einer Herkunft (Tierschutz, Züchter), einer Rasse oder eines Hundetyps und auch bei der Entscheidung für den "einen" Welpen eines Wurfes.

Je nachdem, was Sie mit Ihrem Welpen vorhaben, soll er Familienhund, ein "Hund mit Job", ein Sporthund oder auch eine andere Aufgabe erfüllen, können Sie in den ersten Tagen bereits mit kleinen Veränderungen, Spielen und Regeln eine Basis legen, auf welche sie immer wieder zurückgreifen können.

 

Die Bandbreite an Übungen und Spielen ist mindestens genauso groß, wie es unterschiedliche Welpen und Menschen gibt. Im Einzeltrainings erhalten Sie passende Übungen und Tipps für den Umgang mit dem Welpen, wenn eine Übung nicht genauso verläuft, wie sie im Welpenratgeber beschrieben ist.

 

Ich begleite Sie während der individuell unterschiedlich langen und intensiven Prägephasen und dem Umgang mit schwierigen Situationen.

Sobald zwischen Ihnen und Ihrem Welpen ein gewisses, gegenseitiges Grundvertrauen herrscht, Sie sich Basics zu Trainingsmethoden und dem Umgang mit Neuem gemeinsam erarbeitet haben, haben Sie die Möglichkeit parallel mit anderen Welpen an sogenannten Trainingstreffen teilzunehmen. Wie oben beschrieben, stellen Kontakte zu anderen Welpen und das Training mit ihnen dann tatsächlich einen großen Mehrwert dar.

Weitere Infos zu den Trainingstreffen mit anderen Welpenbesitzern finden Sie hier.

 

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