Wissenswertes über Hunde

Informationen rund um das Thema Hund, Hundetraining und alternative Heilmethoden für Hunde

Mit Klick auf die Buttons gelangen Sie zu, nach Kategorien sortierten, Blogartikeln. Wenn Sie "quer Beet" lesen möchten, scrollen Sie einfach  nach unten und lesen Sie unsere Blogbeiträge nach Aktualität.

        Hundetraining

Hundetraining, Wissenswertes Hund,

Ernährung des Hundes

Ernährung des Hundes, Ernährung Hund, Hundefutter

  Hundeverhalten und          Kommunikation

Hundeverhalten, Kommunikation,

     Hundegesundheit

Hundekrankheiten, kranker Hund, Krankheit Hund,

         Hund-Mensch -                    Beziehung

Hund Mensch Beziehung

           Alternative                   Heilmethoden

alternative heilmethode, tierheilpraktiker, tierheilpraxis,

    Hundehaltung und                -zubehör

Hundezubehör, Geschirr, Halsband, Schleppleine, Dummy,

   Bewegungsapparat                des Hundes

Bewegungsapparat Hund, Bewegung Hund, Anatomie Hund,

Über kein Hundetraining

Ich möchte eine Geschichte erzählen. Von einem Mann, der sich für einen Hund aus dem Tierschutz entschieden hat. Einem Hund namens Beijo.

Kürzlich kontaktierte mich dieser besagte Mann, nennen wir ihn Tom und bat mich um meine Unterstützung. Er wollte einen Hund aus dem Tierheim adoptieren, es sei sein erster Hund und er wolle Alles richtig machen. Tom war sehr interessiert daran, sein Wissen über den neuen Mitbewohner zu erweitern. Wenngleich er mit Hunden aufgewachsen war, betonte er, dass er sicher noch vieles lernen müsse. 

Ich freue mich immer, wenn sich zukünftige Hundehalter informieren bevor der Hund da ist und wir vereinbarten einen Termin im neuen Zuhause, einen Tag nachdem Beijo einziehen sollte.

Über Beijo war wenig bekannt. Nur, dass er aus dem Ausland stammte, dort wohl in einer großen Gruppe von Hunden gehalten wurde und nun im deutschen Tierheim auf ein Zuhause wartete. In den ersten Tagen nach dem Umzug sind die meisten Vierbeiner noch recht zurückhaltend, sehr müde und etwas "derrangiert". Man merkt ihnen an, dass sie nach Orientierung suchen und wie sehr sie das Kennenlernen der neuen Umgebung anstrengt. Sie schlafen viel und sind meist anhänglich. Diese Zeit des, ich nenne es mal "Kulturschocks", nutze ich gerne, um Hund und Mensch die wichtigsten Regeln lernen zu lassen und sich aneinander zu gewöhnen. So vermeidet man, dass der Hund sich erst in einer Art "Verwöhnblase" einlebt und dann nach einigen Wochen die "echten" Regeln lernen muss. 

Beijo begrüßte mich freundlich und schlief kurze Zeit später neben uns ein. So spannend wie sein neuer Mensch fand er das Erstgespräch dann doch nicht. 

Warum erzähle ich das überhaupt Alles?

Was muss ein Hund lernen?

Als Hundetrainer möchte man natürlich gerne das Beste aus einer Trainingseinheit rausholen. Dem Besitzer möglichst viele Informationen und Übungen mitgeben und das am liebsten Alles auf einmal.

Manchmal kommt es aber auch vor, dass ich genau das Gegenteil empfehle: Bitte kein Hundetraining.

Beijo beherrscht kein einziges Signal zuverlässig. Weder Platz, geschweige denn Fuß, noch den zuverlässigen Rückruf. Woher auch.

Dennoch war die Verbindung zwischen den beiden sofort sichtbar. Das klingt selbst für eine Tierheilpraktikerin etwas esoterisch, beschreibt aber genau meinen Eindruck.

Sicherheitshalber ließ ich Tom eine Schleppleine da, denn ich hatte es schon häufiger erlebt, dass die traumhaften Vierbeiner angesichts einer großen Wiese plötzlich garnicht mehr so traumhaft waren und Vollgas gaben oder in einer Schrecksituation plötzlich verschwunden waren. Sicher ist sicher.

Unseren nächsten Termin vereinbarten wir am Rande des Huthparks. Ich wollte sehen, wie Beijo sich unterwegs, in einer fremden Umgebung mit Jagdoption und anderen Hunden verhält. Schon von weitem sah ich die beiden einträchtig durch den Park stiefeln, als wäre es schon immer so gewesen. 

Jeden Richtungswechsel machte Beijo bereitwillig mit, wich den bellenden Hunden souverän aus und warf den freundlich gesinnten einen ebenso freundlichen Blick zu, während er Tom nur kurz von der Seite wich um ein wenig auszuweichen.

Beijo hat eine weitere Angewohnheit, deren Bedeutung Tom schnell heraus fand: Wann immer Beijo etwas überfordert war, "umarmte" er Tom. Er stellte sich auf die Hinterbeine, kletterte mit den Vorderpfoten an Tom hoch und hielt sich regelrecht an ihm fest, drückte seinen Kopf an Tom's Körper und wartete, bis er einen Vorschlag bekam, was zu tun sei.

Im Tierheim wurde Tom empfohlen, Beijo das vermeintliche Hochspringen sofort abzugewöhnen. Tom störte es aber nicht und er war froh darüber, dass Beijo so deutlich mit ihm kommunizierte. 

Warum entscheiden wir uns für einen Hund?

Meist ist der Hauptgrund für die Hundeanschaffung der Wunsch nach einem Freund, einem Begleiter, der den Alltag teilt. Beijo bringt all das mit, hat aber überhaupt kein Interesse an irgendeiner dieser Beschäftigungen, die wir sonst in Hundeparks beobachten können: Wildes Toben, stundenlanges Bällchenjagen, Futter suchen oder um den Menschen hopsen und die verschiedensten Tricks vollführen. Er war einfach nur da. Auch Leckerlies interessierten ihn nicht besonders. Man könnte vermuten, dass Beijo so gestresst sei, dass er deshalb völlig in sich gekehrt und desinteressiert ist. Dem ist aber nicht so. Er ist einfach nur da, beobachtet, reagiert wenn nötig und trabt ansonsten treu neben seinem "neuen" (vielleich ersten eigenen) Menschen her.

Relativ schnell wird klar, dass Beijo zu den Hunden gehört, die keinen Spaß an immer gleichen Übungswiederholungen haben. Sollte man so einen tollen, zugewandten Vierbeiner nun mit stundenlangen Grundgehorsamsübungen langweilen? Wo er doch Alles mitbrachte, was Tom sich von einem Hund wünschte: Er begleitete ihn bereitwillig durch die Stadt, lag im Café unter dem Tisch, ist freundlich distanziert gegenüber fremdem Hunden und Menschen gegenüber vorsichtig aber ebenso freundlich. Obwohl er etwas für sich wirkt, ist er immer aufmerksam. 

Wo hat er das gelernt?

Die Frage drängt sich auf: Wo hat Beijo gelernt, dass es angenehmer ist, nicht wie wild in der Leine zu hängen, sich an seinem Menschen zu orientieren, potenziellem Stress und Konflikten auszuweichen und sich an seinen Menschen zu wenden, wenn er selbst nicht weiter wusste? Hätte ihm das jemals jemand beigebracht, müsste er wohl auch in irgendeiner Form abrufbar sein. Das war er aber nicht. Jedenfalls nicht im klassischen Sinne eines "trainierten" Hundes. Er reagierte auf Tom's Rufen, kam in seine Richtung, entschied dann aber selbst, ob es "notwendig" war, schnell da zu sein, hielt sich einen Moment abwartend in Tom's Nähe auf um sich dann wieder anderen Beschäftigungen zuzuwenden. 

Zurück zur Ausgangfrage: Was muss ein Hund können? Im Grunde ja eigentlich nur kommen, wenn man ihn ruft, man muss ihn stoppen können, sowohl aus dem Laufen als auch, wenn er grade in Begriff ist etwas zu tun, was er definitiv nicht tun soll. Das meiste Andere dient entweder dem Management von Situationen, die Beijo ohnehin schon intuitiv richtig meisterte, unserem Amusement oder, um dem Hund etwas zu ersetzen, ihn auszulasten oder ihn in möglichst kurzer Zeit so effektiv wie möglich zu beschäftigen.

Beijos Fall ist speziell, denn er wurde scheinbar noch nie von irgendeinem Menschen "erzogen" und hat einfach einen starken Bindungswillen. Dass er scheinbar viel Erfahrung mit den verschiedensten Umweltsituationen gesammelt hat und dementsprechend gelassen reagiert, ist für ehemalige Streuner nicht untypisch. Besonders ist aber, dass Beijo wirklich sehr glücklich zu sein scheint, in seinem neuen "Menschenleben", was für die wenigsten ehemaligen Streuner gilt. Insbesondere dann nicht, wenn sie die Einschränkung durch die Leine, die vielen unbekannten Umweltreize und vor allem, meist völlig überfordernde Erwartungen nicht erfüllen können und als negativ erleben. Viel zu häufig müssen ehemalige Streuner, vermeintlich in ein privilegiertes Leben "gerettet", ihr Dasein in einer Welt voller Einschränkungen und (aus Hundesicht) unlogischer Regeln fristen.

In Beijo's Fall haben sich zwei getroffen, die passen. Ein Hund, der seinen Menschen gesucht  und gefunden hat, sich gerne binden und orientieren mag und ein Mensch, der seinem Hund versprochen hat "ihm niemals zu Schmerzen zuzufügen" und Beijo unvoreingenommen kennenlernen möchte, ohne unnötig überzogene Erwartungen zu haben. 

Wie geht es weiter?

Natürlich muss Beijo zwei, drei Dinge lernen, um weder sich noch anderen Schaden zuzufügen. Zuverlässiger Rückruf muss einfach sein. Und in unserer, von Straßen durchzogenen Großstadtwelt, können zwei Meter eben schlicht "lebensentscheidend" sein. Deswegen wird jetzt geübt, mit Schleppleine und viel Streicheleinheiten. 

Ansonsten hat Tom die Aufgabe, Beijo weiterhin in seinem Verhalten zu ermuntern und zu bestärken und vor allem: Den Charakter dieses tollen Hundes einfach so zu lassen, wie er ist.

Das soll natürlich kein Aufruf zum "Erziehung braucht er nicht" sein. Im Gegenteil. Aber manchmal lohnt ein freier Blick auf den Hund und die Frage: Was ist mit wichtig, welche Erwartungen und Aktivitäten sind noch hundegerecht und welche Anforderungen sind überzogen oder garnicht notwendig. Wir neigen dazu, altbewährtes irgendwann unhinterfragt zu kultivieren. Dabei geht es beispielsweise beim Warten an Straßenübergängen ja nicht darum, dass der Hund perfekt absitzt, sondern darum, dass er nicht überfahren wird oder seinen Menschen noch gleich mit auf die Fahrbahn zerrt. Ob er dabei sitzt, steht, liegt oder einen Handstand macht, ist ja "eigentlich" wurscht. Haben Sie also kürzlich einen Hund adoptiert,  der Ihnen an jeder Kreuzung einen Handstand anbietet? Freuen Sie sich, verstärken Sie das Verhalten und lassen Sie sich nicht verunsichern, von anderen Hundehaltern, die Ihnen erklären, dass der Hund aber schon sitzen sollte. Sucht der Hund, so wie Beijo, auf ungewöhnlich intensive Art ihre Nähe, wenn er nicht weiter weiß und kommuniziert Ihnen damit seinen Konflikt, sollten Sie die "Das macht ein gut erzogener Hund aber nicht-Brille" absetzen, dies schätzen und ihn nicht dafür korrigieren, dass er damit nicht in das Schema passt. Außer natürlich, es stört Sie selbst, der Hund stört oder gefährdet sich oder sogar Dritte. Dann: Hundetraining olé. Unbedingt :-)

1 Kommentare

Positive & negative Verstärkung

Belohnung und STrafe im Hundetraining

Positive Strafe und negative Verstärkung. Hä? Wie war das nochmal? Ein bisschen theoretisches Nerd-wissen für Hunde-Interessierte und vor allem: Warum Strafe kontraproduktiv ist und Verhaltensprobleme verstärkt.

Klassische Konditionierung

Bei der klassischen Konditionierung geht es fast immer um sogenannte Ankündigungseffekte. Das bedeutet, dass der Hund eine Verknüpfung zwischen einem bisher neutralen Reiz und einer Konsequenz herstellt.

Ein typisches Beispiel für klassische Konditionierung wäre Folgendes:

Mensch geht zur Garderobe und greift nach der Windjacke (neutraler Reiz > für den Hund ist eine Jacke erstmal etwas völlig belangloses, unwichtiges), nimmt die Leine vom Haken und es geht Gassi.

Da das Wetter stürmisch bleibt, wiederholt der Mensch das Anziehen der Windjacke nun mehrere Tage hintereinander, woraufhin es jedes Mal gemeinsam Gassi geht.

Folgende Beobachtung wird der Mensch nach einiger Zeit machen: Der Hund registriert sehr genau, dass sein Mensch zur Garderobe geht und die Windjacke anzieht und freut sich. Er hat gelernt: Windjacke (ursprünglich neutraler Reiz) = Gassi. Der Griff nach der Windjacke wurde also zu einem klassisch konditionierten Reiz, der Ankündigung zum gemeinsamen Spaziergang.

Umgekehrt kann der Hund jedoch auch lernen: Geht mein Mensch zur Garderobe und greift nach dem Blazer, wird der Mensch gleich ohne mich das Haus verlassen. Der Hund wird sich (insofern er kein Problem mit dem Alleinebleiben hat) in seinem Körbchen zusammenrollen und weiter dösen. Diesen Effekt nennt man übrigens inhibatorische klassische Konditionierung oder auch konditionierte Hemmung. Durch den Griff zum Blazer wird, im Gegensatz zum Griff nach der Windjacke, die Freude und Aufregung auf ein gemeinsames Gassi gehemmt, denn er kündigt dem Hund an, dass für ihn nichts Spannendes passiert. Der Griff zur Windjacke kündigt dem Hund jedoch das Gassigehen an und löst Vorfreude, Aufregung und ähnliches Verhalten aus (exzitatorische klassische Konditionierung).

Operante Konditionierung

Bei der operanten Konditionierung geht es vor allem um zielorientiertes Verhalten. Der Hund möchte etwas unbedingt haben oder ein bestimmtes Ziel erreichen. Beispielsweise möchte er jetzt unbedingt Gassi gehen. Vielleicht steht er auf, geht unruhig umher, stuppst seinen Menschen mit der Nase an oder geht zur Wohnungstür und kratzt an der Tür, kehrt wieder zum Mensch zurück, setzt sich vor ihn und winselt. Er probiert also verschiedene Verhaltensweisen aus, um sein Ziel: Gassi zu erreichen. Steht der Mensch nun genau in dem Moment auf, als er das Kratzen an der Tür hört, um mit seinem Hund nun endlich doch nochmal die Abendrunde zu drehen, hat sich aus Sicht des Hundes, das Kratzen an der Tür gelohnt. Die Wahrscheinlichkeit, dass er das Verhalten (Kratzen an der Tür) beim nächsten Mal wieder zeigt steigt. Operante Konditionierung funktioniert natürlich auch umgekehrt: Reagiert der Mensch auf das Kratzen an der Tür nicht mehr, sondern steht erst auf, wenn der Hund ihn mit der Nase anstupst, wird der Hund das Kratzen an der Tür einstellen und das Anstupsen häufiger zeigen.

Methoden der operanten Konditionierung

Insgesamt gibt es vier Methoden, die zur operanten Konditionierung führen. Nicht jede ist sinnvoll oder mit artgerechtem und fairem Hundetraining vereinbar. Der Vollständigkeit halber, liste ich sie dennoch vollständig auf. Besonders für Hundetrainer ist es wichtig, die Unterschiede zu kennen und vor allem, zu verstehen, welche Konsequenzen der unbedachte Einsatz der verschiedenen Methoden haben kann.

Übrigens: Auch autoaggressives Verhalten, wie beispielsweise das Belecken der Vorderpfoten, kann durch operante Konditionierung entstehen. In einer Stresssituation löst das exzessive Belecken die Ausschüttung chemischer Substanzen aus, die euphorisierend, beruhigend oder schmerzlindernd wirken können. Der Hund lernt, dass ihm das Belecken der Pfoten in einer Stresssituation Linderung und ein angenehmes Gefühl verschafft (das sogar süchtig machen kann) und führt sozusagen an sich selbst eine Art "Selbstmedikation" durch.

Positive Verstärkung

 

 

Angenehmes beginnt (wird "hinzugefügt").

Der Hund wird das Verhalten häufiger zeigen.

Negative Verstärkung

 

 

Unangenehmes hört auf (wird "entfernt").

Der Hund wird das Verhalten häufiger zeigen.

Positive Strafe

 

Unangenehmes beginnt (wird "hinzugefügt").

Der Hund wird das Verhalten seltener zeigen.

Negative Strafe

 

 

Angenehmes hört auf (wird "entfernt").

Der Hund wird das Verhalten seltener zeigen.


Die Begriffe "positiv" und "negativ" sind hier also nicht in ihrem Wortsinn zu verstehen, sondern haben rein quantitative Bedeutung: "positiv" > etwas kommt dazu, "negativ" > etwas wird entfernt".

 

Erhält der Hund etwas Angenehmes, wird er das Verhalten, welches er in dem Moment zeigte und welches sich für ihn positiv auswirkte, häufiger zeigen. Hunde streben danach, möglichst viel Angenehmes zu erreichen. Aus diesem Grund machen wir uns diesen Mechanismus im Training zu nutze und belohnen den Hund für erwünschtes Verhalten. Achtung: Lassen wir uns in dem Moment zum Gassigehen überreden, in welchem der Hund an der Tür kratzt, ist auch dies positive Verstärkung. Jedoch zum Nachteil der Tür ;-)

 

Damit negative Verstärkung stattfinden kann, muss zuvor etwas Unangenehmes hinzugefügt worden sein (positive Strafe). 

Beispielsweise das Kurznehmen der Leine und dem entsprechenden Halsschmerzen für den Hund. Zeigt der Hund nun erwünschtes Verhalten, wird die Leine wieder gelockert. Warum diese Maßnahmen fatale Folgen haben können, erkläre ich noch.

 

Ist das, was wir umgangssprachlich unter Strafe verstehen. Hunde versuchen Strafe und Unangenehmes unbedingt zu vermeiden. So, wie sie für gewöhnlich konfliktmeidend sind. Es gibt jedoch zwei Ausnahmen: Ist die sich bietende Verstärkung aus Sicht des Hundes wertvoll oder wichtig genug, um eine eventuelle Strafe in Kauf zu nehmen, wird er das Verhalten dennoch zeigen. 

Auch neurotisches Verhalten tritt unabhängig von Konsequenzen auf.

Auch diese Methode kann für den Hund, aber auch für den Mensch oder unbeteiligte Dritte dramatische Konsequenzen haben.

Hier wird dem Hund etwas Angenehmes weggenommen oder entzogen. Ein Beispiel wäre das Umdrehen und Weggehen, wenn unser Hund versucht, unsere Aufmerksamkeit durch bellen zu erlangen. Ein anderes Beispiel wäre das Unterbrechen des Spiels, wenn der Welpe seine spitzen Zähnchen einsetzt. Das Spiel (Angenehmes) wird beendet (entzogen). 


Kann man Konditionierung verändern?

Was uns als Hundehalter natürlich interessiert: Kann man Verknüpfungen, positiver und negativer Art verändern, löschen oder neu aufbauen? Ja, in gewisser Weise schon. Früher ist man davon ausgegangen, dass eine Verknüpfung wieder gelöscht oder rückgängig gemacht werden kann. Heute nimmt man an, dass bereits Gelerntes nicht gelöscht, sondern nur überlagert wird. Diesen Prozess nennt man Extinktion.

Klassische Extinktion

Erlerntes ist veränderlich. Zum Glück. Andernfalls wären Tiere (und auch wir) nicht in der Lage, sich an veränderte Lebensbedingungen anzupassen. Zieht ein bestimmtes Verhalten keinen Erfolg mehr nach sich, lohnt sich also für den Hund nicht mehr, wird er dieses (ursprünglich lohnenswerte Verhalten) mit der Zeit abstellen und durch ein anderes Verhalten ersetzen. Dies geschieht entweder durch Ausprobieren, zufälliges Lernen oder Training.

Im Fall einer klassischen Konditionierung bedeutet es, dass ein bestimmter Reiz keine Ankündigung mehr für ein bestimmtes Ereignis darstellt. Beispielsweise stellt das Anziehen der Windjacke keine Ankündigung mehr für das Gassigehen dar, weil Frauchen die Windjacke neuerdings auch im Büro trägt und den Hund nicht mitnimmt. 

Aber: Es kann zu einer sogenannten "Spontanerholung" kommen. Sprich: Der Hund erleidet eine Art Rückfall. Dies sollte beim Training beachtet werden. 

Mögliche Konsequenzen von negativer Verstärkung und positiver Strafe

Im Falle negativer Verstärkung wird mit einem unangenehmen Reiz gearbeitet, welcher entfernt wird, sobald der Hund erwünschtes Verhalten zeigt. Das bedeutet jedoch auch, dass für den Hund eine unangenehme Ausgangssituation besteht. Stellen wir uns vor, unser Hund zeigt gegenüber anderen Hunden unerwünschtes Verhalten, bellt, zieht an der Leine und regt sich auf. Manche Hundetrainer empfehlen, in diesen Situationen, die Leine so kurz zu nehmen, dass sie unter Spannung ist, der Hund also keine Möglichkeit mehr hat, die Leine selbst zu lockern. Dies erhöht jedoch das Stresslevel des Hundes zusätzlich, in Anwesenheit des ohnehin schon negativen Reizes "fremder Hund". Selbst wenn die Leine durch den Menschen gelockert wird, sobald der Hund ein anderes, ruhigeres Verhalten zeigt, ist die Lernerfahrung hinsichtlich des Reizes "fremder Hund" denkbar negativ. Wobei ich bezweifle, dass der Hund überhaupt in der Lage ist, unter diesen Umständen ein erwünschtes Verhalten zu zeigen. 

Im Falle von positiver Strafe werden die destruktiven Mechanismen noch deutlicher:

Stellen Sie sich vor, Ihr Hund zeigt aufmerksamkeitsheischendes Verhalten, bedrängt sie, bellt sie an oder Ähnliches. Bestrafen Sie ihren Hund nun für dieses Verhalten, indem sie etwas "Unangenehmes hinzufügen", ihn also anbrüllen, packen oder hauen, führt dies zu einer weiteren Verunsicherung und der Wunsch nach sozialer Bindung, Sicherheit und Harmonie wird stärker. der Hund wird nun also erst recht aufmerksamkeitsheischendes Verhalten zeigen und mit aller Kraft versuchen, Kontakt zu ihnen zu bekommen. Strafe führt besonders bei Hunden mit wenig Selbstbewusstsein zu einer noch größeren Abhängigkeit, noch mehr Stress und somit meist unerwünschtem Verhalten, vor allem aber zu einem großen Leidensdruck des Hundes, denn sein ursächliches Problem ist nicht gelöst worden. Machen Sie sich bewusst, dass Hunde, die unerwünschtes Verhalten zeigen, dies nicht aus Boshaftigkeit, Rache oder Protest gegen etwaige Erziehungsmaßnahmen tun. Meist liegt problematischem Verhalten, insbesondere Aggressionsverhalten, eine Unsicherheit zugrunde, die durch positive Strafe noch verstärkt wird. Darüber hinaus, werden in Situationen großer Erregung, in welchen der Hund zusätzlich bestraft wird, Notfallmechanismen in Gang gesetzt und das Gehirn mit Substanzen geflutet, die (ganz einfach ausgedrückt) süchtig machend wirken. Im schlimmsten Fall verstärkt die Strafe paradoxerweise sogar das unerwünschte Verhalten. 

Welche Maßnahmen sind effektiv?

Wann immer es irgendwie möglich ist, sollten Sie für eine entspannte Trainingsatmosphäre sorgen und mit positiver Verstärkung arbeiten. Ein entspannter Hund lernt nachhaltig und wesentlich schneller als ein aufgeregter, ängstlicher oder gestresster. Ist es nicht möglich, erwünschtes Verhalten zu verstärken, in dem es belohnt wird, sollten Sie versuchen, mit negativer Strafe zu arbeiten, sprich: Etwas Angenehmes zu entfernen. Aber auch dafür gibt es eine wesentlich bessere Alternative: Die Alternative! Merken Sie sich die Situation, in welcher ihr Hund unerwünschtes Verhalten gezeigt hat und managen sie diese so, dass sie ihrem Hund zeigen können, was sie von ihm erwarten, noch BEVOR er unerwünschtes Verhalten zeigt. Beispielsweise können Sie ein Sitzsignal üben und ihren Hund immer dann dazu auffordern, sich hinzusetzen (und ihn dafür belohnen), wenn absehbar ist, dass er sich in einer Situation befindet, in welcher er bisher immer an ihnen hochgesprungen ist. Zerstören Sie das Vertrauen ihres Hundes in sie und ihre Kompetenz als Sozialpartner nicht durch Strafe. 

6 typische Sozialisierungsfehler

Welche Fehler man vermeiden sollte

Jeder Hund ist anders. Meine Hündin Grace ist sehr flexibel, fährt Bus und Bahn, liegt im Restaurant still unter der Bank und kann fast überall, wo es erlaubt ist, ohne Leine laufen. Auch unfreiwilliges Streicheln von Fremden nimmt sie meist klaglos hin. Silvester ist für sie allerdings ein Graus und verwandelt die entspannte Hundedame in ein zitterndes Etwas. Hingegen Rosi, die bei Silvester auf der Terrasse steht und sich über die ganze Aufregung wundert, ist außer sich, wenn sich ihr jemand nähert, gar die Hand nach ihr ausstreckt der ein fremder Hund zur überfallartigen Begrüßungsfreude ansetzt. Und dann gibt es noch Kurt. Er mag Alles und jeden, ist immer fröhlich und freundlich, hat aber noch mit zwei Jahren unter sich gemacht wenn Besuch kam.

Wie Hunde mit Aufregung, neuen Eindrücken und Erfahrungen umgehen hängt natürlich nicht nur von Training und anderen Sozialisierungsmaßnahmen ab, sondern auch maßgeblich von Faktoren, die wir nur bedingt beeinflussen können. Etwa ihrer genetischen Veranlagung, dem Einfluss des Muttertieres und der Verlauf der Trächtigkeit. Sogar die Anzahl der Rüden innerhalb eines Wurfes kann Einfluss auf das spätere Verhalten haben. Dennoch können wir natürlich versuchen, unseren Hund möglichst gewissenhaft an unseren Alltag zu gewöhnen.

Wenn Sie Ihren Hund ein wenig fordern möchten, ohne ihn zu überfordern, sollten Sie diese 6 Fehler vermeiden.


hundeerziehung, erziehungsfehler,
Foto: by Andrew Branch www.unsplash.com

Fehler 1: Den Hund in stressige oder furchteinflößende Situationen zwingen

Sozialisation ist das A und O der Hundeerziehung. Man hört immer wieder, wie wichtig es ist, seinen Hund frühzeitig und häufig mit neuen Situationen zu konfrontieren und denken dabei eventuell etwas zu groß. Damit ist nicht gemeint, den unerfahrenen Tierschutzhund quer durch die Stadt zu führen oder mit einem Hund, ohne jede Spielerfahrung mit anderen Hunden, an einem Samstagvormittag auf die Hundespielwiese zu gehen. Im besten Fall ist der Vierbeiner aufgedreht und weiß garnicht, mit wem er zuerst toben soll. Im schlechtesten Fall aber auch völlig überfordert und die Erinnerung an die Stadt, den Hundepark oder die Menschenmenge am Straßenfest ist keine schöne. das Gleiche gilt übrigens für 

Welpengruppen oder andere Veranstaltungen, die dem "Sozialspiel" der Hunde gelten. Nicht jeder Hund hat Spaß daran, sich mit mehreren spielwütigen Artgenossen gleichzeitig auseinanderzusetzen. Stattdessen sind kleine Schritte viel effektiver. Vielleicht erstmal eine Gassirunde durch's Wohngebiet. Auch hier warten genügend Eindrücke. Oder statt der Hundespielwiese erstmal ein gemeinsamer Spaziergang mit einem anderen Hund und ein, zwei kleinen Freilaufphasen. Lieber viele kleine Eindrücke in Situationen sammeln, die weniger chaotisch sind und die man zügig verlassen kann, wenn es zu viel wird, als das große Event suchen. So haben Sie auch Gelegenheit, Ihren Hund besser kennenzulernen und können einzelne Stressauslöser einfacher identifizieren.

 


Fehler 2: Kein Budget für Training einplanen

Viele Hundefreunde sind bereit, Unsummen für den einen, besonders seltenen Rassehund auszugeben, fahren hunderte Kilometer, teilweise sogar ins Ausland, um den "perfekten" Hund zu kaufen. 

Auch für die verrücktesten Accessoires wird Geld ausgegeben und Stunden in die Online-Suche nach dem besten, orthopädischen Liegekissen für den Vierbeiner investiert. Ist der Hund dann da und Alles läuft reibungslos, ist das toll. Jedoch muss auch der Hund mit den besten genetischen Voraussetzungen lernen, was von ihm gewünscht wird und was nicht. Deswegen: Planen Sie nicht nur ein finanzielles Polster für den Fall ein, dass Sie

auf ein Einzeltraining angewiesen sind, sondern auch entsprechend Zeit.

Damit Ihr Hund so gut erzogen ist, wie Sie es sich wünschen, benötigt er täglich Anleitung und Training durch seine direkte Bezugsperson. Dies kann Ihnen auch ein guter Hundetrainer nicht abnehmen. 

Auch Gruppenstunden können eine gute Wahl für Hundehalter sein, die ihren Hund wunderbar alleine erziehen können. In Anwesenheit anderer Hunde und Menschen, lassen sich die Signale nochmal intensiver festigen und neue Übungen bringen Abwechslung in Ihr Training zu Hause.


Fehler 3: Keinen Notfall-Plan haben

Manche Situationen sind einfach zu stressig für den jeweiligen Hund oder entwickeln sich ganz anders als geplant. Als ich vergangenes Wochenende einen kurzen Stopp an der Kleinmarkthalle machen wollte, stand ich mit Kurt, bei schönsten Wetter, mitten in einer weinhungrigen Menschenmasse. Damit hatte ich nicht gerechnet und musste schnell reagieren, bevor Kurt selbst entschied, die Flucht zu ergreifen. Wen Ihr Hund hechelt, mit eingezogener Rute und zitternd neben Ihnen hergeht, oder durch wildes bellen versucht, sich Abstand zu verschaffen oder einfach nur mit großen Augen und fiepend nach dem Loch im Boden sucht, in welchem er verschwinden könnte, ist er eindeutig überfordert und muss aus der Situation genommen werden.

Sie selbst kennen Ihren Hund am besten.

Sehen Sie Anzeichen von starkem Stress, benötigt Ihr Hund Ihre Hilfe. Versuchen Sie nicht, ihn zu beruhigen, sondern verlassen sie möglichst ruhig aber zügig die Situation. Auch starkes Ziehen an der Leine oder wenn Ihr Hund nicht mehr auf seinen Namen reagiert, kann ein deutliches Anzeichen für Stress sein. Bereiten Sie sich auf solche Eventualitäten vor. Treffen Sie Notfall-Entscheidungen im voraus. Hat Ihr Hund beispielsweise Probleme mit Hundebegegnungen, sollten Sie sich vorher einen Plan zurecht legen, wie Sie reagieren, wenn Ihnen auf dem Bürgersteig ein Hund entgegen kommt. Gehen Sie an den Rand? Wechseln Sie die Straßenseite? Wieviel Abstand benötigt Ihr Hund für gewöhnlich usw. So vermeiden Sie, dass Sie selbst unter Stress geraten und wertvolle Zeit damit verschwenden, nach einer Lösung zu suchen.


Fehler 4: Einen ängstlichen Hund korrigieren oder bestrafen

Hunde können in Stresssituationen unterschiedlich reagieren: Von Flucht, Ziehen an der Leine, nicht mehr ansprechbar sein, sich verkriechen und kleinmachen über knurren, bellen oder schnappen.

Das gestresste Hirn kann nicht denken. Selbst, wenn Ihre Korrektur gerechtfertigt erscheinen mag, wird sie keinen positiven Lerneffekt bewirken. Im Gegenteil. Sie stressen Ihren Hund nur noch mehr. Fühlt er sich bedroht, eingeengt oder hat Angst, verstärken sie sein Gefühl nur noch mehr. Sie gießen also noch mehr "Öl ins Feuer" und sind somit unter Umständen sogar ebenfalls ein Auslöser für unerwünschtes Verhalten.

Und vor allem haben Sie sein Problem nicht gelöst, obwohl Sie ihn in diese Lage gebracht haben. Lassen Sie sich nicht dazu hinreißen, mit Ihrem Hund zu schimpfen, nur um anderen Menschen zu signalisieren, dass Sie das verhalten Ihres knurrenden oder bellenden Hund ebenfalls nicht gut finden. Versuchen Sie stattdessen möglichst zügig, den Abstand zum Auslöser zu vergrößern. Der optimale Abstand ist genau an der Stelle, an welcher Ihr Hund ansprechbar ist, einfache Signale ausführen kann und den Auslöser dennoch wahrnimmt. Belohnen Sie Ihren Hund, wenn er trotz Aufregung auf Sie reagiert. 


Fehler 5: Die Kleinigkeiten außer Acht lassen

Hunde lernen in jeder Sekunde. Also nicht nur dann, wenn wir gut vorbereitet losmarschieren und uns vornehmen, heute ganz besonders konsequent zu üben. Haben Sie ein Auge auf die alltäglichen Routinen. Rennt Ihr Hund immer zuerst aus der Tür und zerrt Sie bis zur Hundewiese hinter sich her und das Üben beginnt erst auf dem Heimweg? Gehen Sie immer die gleiche Runde um den Block und Ihr

Hund kennt an dieser Strecke jeden Grashalm?

 

Gestalten Sie den Alltag abwechslungsreich und verändern Sie jeden Tag eine Kleinigkeit. Suchen Sie neue Strecken und nehmen Sie Ihren Hund mit in Ihren Alltag. Natürlich so, dass er die vielen neuen Gerüche, Geräusche und Eindrücke verarbeiten kann und nicht überfordert wird. 


Fehler 6: Überzogene Erwartungen

Muten Sie Ihrem Hund keine Situationen zu, die ihn überfordern und auf die er nicht vorbereitet wurde, nur weil Sie beobachten, wie andere Vierbeiner ganz entspannt auf dem Wochenmarkt stehen, geduldig vor dem Supermarkt warten, souverän und freundlich über die Hundewiese tollen oder sich über jede Streicheleinheit in der U-Bahn freuen. Während meiner Arbeit begegnen mir fast täglich Hunde und Menschen, die eigentlich ein tolles Team sind, aber an unrealistischen Vorstellungen vom Leben mit Hund scheitern. Ja, es gibt diese Hunde, die überall dabei sind, immer freundlich oder desinteressiert, immer ohne Leine und einfach nur lieb. Wenn sie ein solches Exemplar erwischt haben: Glückwunsch.

Falls Sie keinen solchen tiefenentspannten Hund haben: Fragen Sie sich ob das wirklich das Richtige für Sie wäre? Denn tiefenentspannte Hunde sind dies meist auch, wenn man enthusiastisch trainieren möchte. 

Vielleicht passt das garnicht so zu Ihnen und die Wandertouren mit dem unermüdlichen Abenteurer an ihrer Seite sind doch auch was wert, oder? Es ist nicht die Regel, dass Hunde sich ohne Probleme einfach so in unseren hektischen Alltag integrieren. Besonders nicht in der Stadt. Genießen Sie das, was klappt und Ihnen beiden Spaß macht und arbeiten Sie ohne Druck und in kleinen Schritten an den Veränderungen, die Ihnen wirklich wichtig sind. Und lassen Sie los: Vielleicht ist Ihr Hund wirklich lieber ein paar Stunden alleine in seinem gemütlichen Körbchen, als beim lauten Italiener um die Ecke auf dem zugigen Boden zu liegen? Und die Einkäufe in der City sind ohne Hund auch schneller erledigt. So bleibt mehr Zeit für eine Extra-Runde durch den Wald oder für die Suche nach neuen, passenden Gassirunden, die ihren Hund individuell fordern.


0 Kommentare

Ist Hundebetreuung Kidnapping?

Gedanken zu fremdbetreuten Hunden

Gestern Nacht erreichte mich der erlösendste Anruf, den man überhaupt bekommen kann, wenn man einen Hund "verloren" hat: "Sie ist wieder da!"

Die Hündin meines Vaters war zweieinhalb Wochen spurlos verschwunden und stand -als wir uns schon langsam damit abfanden, dass wir nie erfahren würden, was mit ihr passiert ist- plötzlich vor seiner Tür. Abgemagert, etwas zerrupft und sehr erschöpft, ließ sie sich in ihr Körbchen plumpsen und schaute ihn mit ihrem typischen, störrischen Blick an, als sei es das normalste von der Welt nun wieder da zu sein.

Was war passiert?

Anuschka, die besagte Hündin meines Vaters, kam als Pflegehund zu mir und wurde kurzerhand von meinem Vater adoptiert. Einige Jahre lebten wir Tür an Tür, bis ich etwa 15 km weit weg, an das andere Ende der Stadt zog. Seit fast 10 Jahren kennt man die beiden nur im Doppelpack: Älterer Mann vorneweg, zwei Meter hinter ihm trabt ein Hund, der aussieht wie eine Mischung zwischen Schäferhund und Fuchs. Im Café in der Stadt, am Golfplatz, im Buchladen und auch abends in der Kneipe. Dann der Unfall. Mein Vater stürzte und kam ins Krankenhaus. 

Natürlich nahm ich die völlig verwirrte Anuschka sofort zu mir. Nach einigen Tagen hatte sie sich scheinbar an die neue Situation gewöhnt: Schlief mit den anderen Hunden in den gleichen Körbchen, fraß mit gutem Appetit und freute sich auf unsere täglichen Gassirunden. Mit ihren 13 Jahren ist Anuschka immer noch sehr rüstig, achtet aber peinlichst genau darauf, keine Energie zu verschwenden. Schon seit dem ersten Tag, den ich sie kenne, steht und geht sie neben ihrem Menschen, wartet oder holt schnell auf und falls sie doch mal einem Eichhörnchen nachjagt, ist sie nach wenigen Sekunden wieder zur Stelle.

Jeder von uns hat schon im Wald gestanden, Anuschka gebrüllt und dann festgestellt, dass die Kleine seelenruhig und scheinbar schon die ganze Zeit, hinter einem stand.

Eine Eigenheit war uns jedoch mal ganz am Anfang aufgefallen: War Anuschka des Spazierengehens überdrüssig, kehrte sie auf der Pfote um und spazierte entschlossen nach Hause, legte sich vor die Tür und wartete, bis der Rest der Truppe auch wieder da war. Ein paar Mal sparte ich mir das "Mitnehmen", gab klein bei und bin schmunzelnd hinter ihr her gelaufen, bis wir wieder zu Hause waren. 

 

Nun sollte Anuschka also einige Tage bei uns verbringen, bis mein Vater wieder aus dem Krankenhaus zurück war und sich erholt hatte. Alles lief gut. Bis zu dem vormittag, an welchen ich zu Anuschka sagte "Nuschkelchen, heute geht's nach Hause", die Gartentür öffnete, in meine Turnschuhe schlüpfte, um mit dem Vierergespann noch eine letzte Abschiedsrunde zu gehen und...Anuschka weg war.

Spurlos verschwunden

In dieser einen, einzigen Sekunde, in welcher ich meine Augen nicht auf den Hunden hatte, hat es diese kleine, immer etwas phlegmatisch wirkende Hündin irgendwie geschafft am Zaun vorbei nach draußen zu kommen. Ich rannte um's Haus, durch den Garten, auf die Straße, wieder zurück, vielleicht war sie ja doch einfach nur wieder reingegangen und wieder vor zur Straße. Ab auf's Fahrrad. Hund weg. Die letzte Sichtung erhielten wir ca. eine Stunde später, bereits einige Kilometer entfernt. Danach verlor sich jede Spur. Keiner hatte Anuschka gesehen. Dennoch suchten wir jede Ecke ab, tagsüber und nachts. Mit jedem Tag, den Anuschka verschwunden blieb, wuchsen die Fragezeichen und die Spekulationen, wo sie sich aufhalten könnte.

War sie wirklich nach Hause gelaufen? Dann müsste sie schon längst da sein. Aber kann ein Hund das schaffen? Es sind nur 15 kilometer. Für einen Hund keine besondere Strecke. Aber, vom östlichsten Teil Frankfurt's quer durch die Stadt, über Autobahnbrücken, über den Main und an Hauptverkehrsstraßen, durch mehrere Waldstücke, an Offenbach vorbei oder sogar durch, Richtung Neu Isenburg. Oder wurde sie gefunden und nicht gemeldet? Liegt sie irgendwo verletzt und benötigt Hilfe? Oder war sie in eine ganz andere Richtung gelaufen? Vielleicht Richtung Norden in die Felder? Dann wäre unsere Suche in die völlig falsche Richtung gegangen. Anuschka blieb verschwunden. Weder Suchplakate, noch Facebookaufrufe, die Suche über Tasso, Abklappern aller Tierärzte und Tierheime, Förster, Feuerwehr, Polizei, noch jeden Spaziergänger nach einem kleinen Schäferhund zu fragen ergab einen Hinweis.

Die Verantwortung und die Schuld

Natürlich quälten mich Selbstzweifel. Hätte ich schneller reagieren müssen. Nicht erst im Garten hinter den Büschen suchen sollen, sondern direkt raus auf die Straße? Warum hatte ich diese verdammte Terrassentür geöffnet. Ausgerechnet ich, die dem Rest der Familie damit auf die Nerven fällt, die Hunde lieber einmal zu viel als zu wenig anzuleinen, die monatelang hinter Schleppleinen herrennt und diese 13-jährige Hündin auch nicht ableinte, als klar war, dass sie während der gesamten Gassirunde genau einmal von meiner Seite weichen würde um ihr Geschäft zu erledigen. 

Jemandem, der Tag und Nacht mit seinem Hund zusammen ist, dem sein vierbeiniger Freund näher steht als irgendein Zweibeiner, erklären zu müssen, dass man auf eben diesen Freund nicht gut genug aufgepasst hat, ist nicht schön. 

 

Als ich vor knapp zehn Jahren die Hundeschule gründete, finanzierte ich mich zusätzlich über Gassiservice und Hundebetreuung. Schon damals war ich jedes Mal heilfroh, wenn ich einen Urlaubshund wieder wohlbehalten an seine Besitzer übergeben konnte. Mit jedem weiteren Gast wurde ich mir der Verantwortung und dem Risiko bewusster, welches eine Fremdbetreuung mit sich bringt. Und vor allem: Wie unterschiedlich Hunde mit der Trennung zu ihren Menschen umgehen. Da sind die Hunde, die sich zu ihren Kumpels umdrehen, sofort lostoben und scheinbar überhaupt nicht registrieren, dass ihre Menschen sich grade anschicken ohne sie ins Auto zu steigen. Da sind aber auch die anderen Hunde, die sehr genau verstehen, dass sie jetzt erst einmal bleiben, sich in eine Ecke verziehen und wirklich richtig traurig wirken, die Hunde, die völlig verwirrt am Zaun stehen und scheinbar nicht im Ansatz fassen können, dass sie grade zurück gelassen werden und die, die scheinbar sehr relaxed mit der Situation umgehen, aber immer auch ein bisschen für sich sind oder tagelang appetitlos. Sie sind alle unterschiedlich. 

 

Meine größte Sorge war, dass einem meiner Schützlinge etwas passieren könnte, er sich losreißt, im Wald verschwindet oder überfahren wird und ich seine Menschen anrufen muss, um mitzuteilen, dass ihr Hund nicht mehr da ist. Glücklicherweise ist nie etwas passiert. Einmal hat sich ein sehr misstrauischer kleiner Kerl durch den Zaun gezwängt, wurde aber glücklicherweise direkt (Dank Schleppleine) aufgegriffen. Auch dieser Hund stand im einen Moment noch neben mir und war plötzlich weg. 

 

Unter anderem deshalb, entschloss ich mich irgendwann, keine Hunde mehr zu betreuen. Ich wusste, man kann das Restrisiko eines Unglücks oder Unfalls nicht ausschließen. Eine Sekunde der Unaufmerksamkeit reicht. Dafür hatte ich zu schwache Nerven ;-)

Eine weitere Frage beschäftigte mich aber auch.

Wissen Hunde, wo sie hingehören?

Natürlich wissen sie das. Das steht außer Frage. Hunde sind soziale Rudeltiere. Sie stecken ihre eigenen Interessen zurück, um den Erhalt der Familie oder des Sozialverbandes zu sichern, binden sich eng an Menschen und freuen sich sogar über die Rückkehr eines Halters, der sie garnicht gut behandelt und folgen ihm dennoch treu. Hunde benötigen eine zuverlässige Bindung. Das gehört zu den Anforderungen einer artgerechten Haltung dazu.

Aber wo fühlen sich Hunde zugehörig, die täglich 8 Stunden "fremdbetreut" werden. Wissen sie, wer "ihr" Mensch ist? Oder befinden sie sich irgendwo dazwischen? Welchem "Rudel" würden sie sich wohl anschließen, wenn sie die Wahl hätten? Dem Halter oder der Gruppe, mit der sie den Großteil des Tages verbringen? 

Spielt hier die Zeit überhaupt eine Rolle? Oder eher die Intensität der Interaktionen, die Sympathie oder ist es manchen Hunden auch einfach wurscht? Welchen Einfluss hat die Persönlichkeit des Hundes, seine Veranlagung und der "Typ" Hund? Also beispielsweise seine Rasse?

Und was "denkt" sich ein Hund, der normalerweise jeden Tag mit seinem Menschen verbringt und maximal für ein paar Stunden zu Hause auf dessen Rückkehr wartet, wenn er dann plötzlich zur Urlaubsbetreuung abgegeben wird? Wie empfindet er dabei? Können Hunde erahnen, dass es nur ein kurzer Abschied ist oder ist die Abfahrt der Menschen ein herber Verlust? Ich möchte nicht vermenschlichen. Aber die Frage drängt sich auf, inwiefern ein Hund damit zurecht kommt, kommen soll, wenn er "abgegeben" wird.

Meiner Erfahrung nach (die natürlich stark subjektiv und sehr unwissenschaftlich ist), kommen Hunde, die generell sehr offen gegenüber Fremden und Neuem sind, besser mit dem Wechsel oder einer Urlaubsbetreuung klar. Je mehr "Hund" im ursprünglichen Sinne in einem Vierbeiner steckt, desto weniger begeistert reagiert er auf einen ständigen "Rudelwechsel". (Anmerkung: Ich verwende den Begriff "Rudel" in diesem Zusammenhang ebenfalls sehr unwissenschaftlich, denn eine zufällig zusammengewürfelte Hundegruppe in einer HuTa ist per Definition kein Rudel, manchmal nicht einmal ein loser Verband).

Die haben mich vergessen

Kennen Sie die Geschichten von Kindern, die auf dem Weg in den Urlaub an der Autobahnraststätte "vergessen" wurden? Oder wurden Sie selbst mal vergessen? Meine Mama hat mich als Kind mal wegen eines harmlosen Missverständnisses, eine halbe Stunde nach Schluss des Kinderturnens abgeholt. Viel zu spät. Das waren quälende 30 Minuten. Für ein Kind eine lange Zeit. Manchen Hunden wird es ähnlich gehen.

Zurück zu Anuschka: Rückblickend muss sie sich von mir regelrecht gekidnapped gefühlt haben. Papa mit dem Rettungswagen abtransportiert und dann kommt eine alte Bekannte, packt mich ein und bringt mich weg. Einem Hund kann man schlecht erklären, dass Alles gut wird, dass es nur für ein paar Tage ist. Anuschka wollte offensichtlich auf Nummer sicher gehen und so, wie wir ihren "Ausflug" rückblickend rekonstruiert haben, hat sie die erste Gelegenheit zur Flucht genutzt und ziemlich zielsicher den Heimweg eingeschlagen, obwohl sie die Strecke nie zuvor gelaufen war.

Man könnte nun fragen: Hat sie sich unwohl gefühlt, gab es Reibereien zwischen den anderen Hunden und ihr, hat sie einem Vogel nachgejagt und ist dann einfach weiter gelaufen, oder, oder...aber all das ergab kein schlüssiges Bild. Eine alternde Hundedame, die mit ihren 13 Jahren gerne gemütlich hinterher trottet und im Garten gelangweilt am Grashalm schnuppert, neigt eher weniger zu Affekthandlungen. Sie hatte einfach Heimweh. Das ist jedenfalls meine "Erklärung".

Und die Moral von der Geschichte?

Hunde sind so viel klüger als wir denken, uns in so vielen Dingen voraus. Sie haben Bedürfnisse und  individuelle Besonderheiten. Jede Hund-Mensch-Beziehung ist einzigartig und geprägt von gemeinsamen Ritualen, Gewohnheiten und Eigenheiten. In Zeiten von Dog-Sharing und stetig steigender Nachfrage nach Hundebetreuungsstätten wird mir manchmal ganz schwer. Nicht jeder Hund kommt damit klar, mal hier und mal dort zu sein, oder besser: fremdbetreut zu werden. Im Notfall geht es nicht anders. Aber in dem Wissen, auf eine Hundebetreuung im Alltag angewiesen zu sein, sollte man noch einmal genauer überlegen, welcher Hund zu einem passt und ob er wohl damit zurecht kommen wird.

Mittlerweile werden Hundebetreuungen auch immer mal wieder empfohlen, um Hunde auszulasten. Die Besitzer loben, wie toll müde ihr Vierbeiner abends ist und dass er schon im Auto in einen komatösen Tiefschlaf gefallen ist. Aber ist das artgerechte Auslastung oder einfach nur erschöpfter Schlaf nach 8 Stunden Dauerstress? Das kommt wohl wirklich auf den einzelnen Hund an. Wildes Toben und alle anderen Interaktionen in einer sich dauernd ändernden Hundegruppe ist nicht einmal ansatzweise mit den wichtigsten Elementen eines Rudels vergleichbar. 

Eine wirkliche Schlussfolgerung kann ich also garnicht ziehen. Ich denke nur schriftlich vor mich hin und vielleicht fühlt sich der ein oder andere Hundemensch "angestoßen" :-)

 

Ich freue mich wie immer auf Ihr Feedback und Austausch.

0 Kommentare

Wissen für Nerds Vol. 1

Das Nervensystem des Hundes

Das Nervensystem des Hundes ist ein spannendes Konstrukt und im Aufbau garnicht so verschieden von unserem, menschlichen Nervensystem. Es zeigt sich immer mehr, dass Säugetiere in vielerlei Hinsicht sehr ähnlich funktionieren. Besonders die "Gefühlswelt", emotionale Reaktionen, sowohl positiv als auch negativ, werden durch ähnliche Prozesse ausgelöst oder gedämpft. Das Wissen um bestimmte Abläufe "hinter der Stirn" des Hundes ist in der Verhaltenstherapie unglaublich hilfreich, eigentlich zwingend notwendig, auch wenn viele Hundetrainer den "wissenschaftlichen" Aspekt gerne ignorieren und nach "Erfahrung bzw. Methode" arbeiten. Besonders in den letzten 10 Jahren hat sich in der Verhaltensforschung viel getan. Tieren werden mittlerweile ähnliche, emotionale Fähigkeiten und Stressreaktionen zugestanden, wie uns Menschen. Noch vor 20 Jahren wäre man für so eine Feststellung vom überwiegenden Teil der "Fachleute" gesteinigt worden. Das ist heute anders. Glücklicherweise. Was wir als Hundehalter und Hundetrainer daraus machen, ist natürlich eine ganz andere Frage. Nutzen wir das Wissen um chemische Prozesse im Gehirn des Hundes? Öffnen wir uns für fächerübergreifendes Vorgehen im Rahmen eines Trainings oder einer Verhaltenstherapie? Oder verfahren wir weiterhin wie gehabt und setzen darauf, dass es auch so klappt?

Warum macht er das?

Das ist eine der häufigsten Fragen, die mir in meinem Berufsalltag gestellt wird. Meist habe ich eine plausible Antwort aber häufig kann ich auch nur spekulieren. Nicht jede Situation ist eindeutig und der Grund, weshalb ein Hund auf bestimmte "Einflüsse" stärker reagiert (auch hier wieder positiv und negativ) als andere Hunde, liegt eventuell irgendwo in der Vergangenheit. Jedenfalls wird diese Annahme meist als Pauschalbegründung für jede Form von Verhalten außerhalb der "Norm" herangezogen. Eine schlechte Erfahrung? Ein einschneidendes Erlebnis zu einem ungünstigen Zeitpunkt? Vielleicht etwas, was der Hundehalter garnicht mitbekommen hat. Oder einfach nur zu wenig kennengelernt und deswegen unerfahren? Das sind so die Klassiker, die zum Erklären von ängstlichem, schreckhaftem, aggressivem oder übernervösem Verhalten herangezogen werden. Nicht aus der Luft gegriffen und in vielen Fällen richtig. 

Immer wieder versichern mir Hundehalter jedoch glaubhaft, dass ihr Hund keine besonders dramatischen Erlebnisse zu verkraften hatte, Alles nach Plan verlief, man nicht zu viel aber auch nicht zu wenig aktiv war und der Vierbeiner dennoch irgendwie "anders" ist. 

Veranlagung und Individualität

Mit dem zunehmenden Wissen um chemische Vorgänge im Körper des Hundes, den Einfluss genetischer Prädispositionen eines einzelnen Hundes, werden manche Verhaltensmuster verständlicher. Dass bestimmte Hunderassen Veranlagungen für mehr oder weniger ausgeprägte Verhaltensweisen mitbringen, unterschiedlich sensibel oder auch sehr gelassen reagieren, ist schon lange bekannt und durch entsprechende Zuchtauswahl bewusst manipuliert worden. Zum Vor- aber auch zum Nachteil der jeweiligen Hunde, auch immer abhängig von der Lebenssituation und dem Alltag des Hundes.

Doch unabhängig von rassetypischen Merkmalen gibt es individuelle Veranlagungen, die den Umgang mit Stress beeinflussen. Und so wie es aussieht, viel mehr, als bisher angenommen.

Nach Steven Lindsay, unterscheiden sich die genetischen Prädispositionen in "sympathisch dominant" und "parasympathisch dominant".


Rechts finden Sie den Google-Books-Link zu einer der umfassendsten und aktuellen wissenschaftlichen Sammlungen zur Verhaltensbiologie des Hundes, von Steven Lindsay. Einem Hundeverhaltensberater und Trainer in den USA.



Sympathisch dominant = auf nette Weise großkotzig?

"Sympathisch dominant" bedeutet, dass der Hund gefühlsbetont reagiert und meist wesentlich anfälliger für biologischen Stress ist. Dahingegen bedeutet "parasympathisch dominant", dass der Hund zur ruhigeren, gelasseneren Fraktion gehört und wesentlich anpassungsfähiger ist.

Diese Erklärung ist natürlich stark vereinfacht, reicht aber zunächst aus, um ein bisschen mehr Verständnis für biologische Hintergründe zu erlangen.

Aber beginnen wir von vorne und damit, was mit dem Nervenkostüm des Hundes so abgeht.

Das Nervensystem des Hundes

Das Nervensystem kann in zwei große Bereiche aufgeteilt werden:

  1. Das Zentrale Nervensystem, welches Gehirn und Rückenmark umfasst und
  2. das Periphere Nervensystem, welches Nerven und Sinnesorgane betrifft.

Das Zentrale Nervensystem, kurz ZNS, empfängt sensorische Informationen, also "Wahrnehmungen" der Nerven und Sinnesorgane, welche zum peripheren Nervensystem, Kurz PNS, gehören. Das bedeutet: PNS schickt Reize und Wahrnehmungen an Rückenmark und Gehirn, also ans ZNS.

 

Das ZNS wiederum verarbeitet diese Informationen und gibt natürlich Rückmeldung, wie auf die empfangenen Infos reagiert werden soll. Die Rückmeldung sendet das ZNS sowohl zurück an das PNS (Nerven & Sinnesorgane), als auch an das endokrine System.

 

Zum "endokrinen System" merken wir uns aktuell: "Hormone und so".

 

Denn zunächst ist für uns wichtig: PNS sendet Infos an das ZNS, dieses verarbeitet und gibt Rückmeldung.

 

Das bedeutet: Das PNS hat nun eine "Antwort" vom ZNS (Hirn & Rückenmark), wie die eingegangenen Infos "bewertet werden".

Diese Antwort wird über den ableitenden Bereich des PNS, in Form von Impulsen, an Muskeln und Drüsen weiter geschickt.

Merke: Das PNS hat einen zuleitenden Bereich, der Infos an das ZNS sendet und einen ableitenden Bereich, der Infos (die Impulse beziehungsweise Antworten aus dem ZNS) an Muskeln und Drüsen schickt.

 

Auch hier, gibt es zwei Anlaufstellen: Das somatische Nervensystem und das vegetative Nervensystem.

Das vegetative Nervensystem steuert automatisch ablaufende, unwillkürliche Prozesse, beispielsweise Reflexe und alle körperlichen Aktivitäten, die zur Lebenserhaltung nötig sind, wie das Atmen, Herzschlag, Darmbewegungen usw.

Das somatische Nervensystem besteht hingegen aus Nervenfasern, die zu den Zellen der Skelettmuskulatur führen. Wenn unser Hund beispielsweise ein Sitz-Signal ausführt, passiert das über diesen Weg.

Das vegetative Nervensystem des Hundes

Der Teil des Nervensystems des Hundes, welcher für alle möglichen, lebenswichtigen Prozesse zuständig ist, also das vegetative Nervensystem, ist in diesem Fall von Interesse. Denn dieses gliedert sich wiederum (unter anderem) in den Sympathikus und den Parasympathikus.

Diese beiden Bereiche sind, genetisch bedingt, individuell unterschiedlich "betont". Man spricht auch von "genetischer Prädisposition".

Der Sympathikus

Auch "sympathisches Nervensystem" genannt. Macht Hunde, ist es bei einem Individuum stärker ausgeprägt, eher nicht sympathisch. Denn es steuert und mobilisiert Energie in Notfallsituationen.

So beeinflusst der Sympathikus Herzfrequenz und Bluthochdruck, reduziert die Verdauungstätigkeit, stößt eine erhöhte Atemfrequenz und einen Anstieg des Blutzuckerspiegels an. Und es regt außerdem die Sekretion, also Abgabe, von Adrenalin an. Adrenalin ist ein Stresshormon, wenn nicht sogar "das Stresshormon" schlechthin.

Das sympathische Nervensystem löst auch die Flucht oder Abwehrreaktion aus.

Der Parasympathikus

Auch "parasympathisches Nervensystem" genannt. 

Dieses wirkt ausgleichend und wirkt dem Sympathikus entgegen. 

Über den Parasympathikus werden überwiegend erholungsfördernde Signale an den Körper gegeben. 

Das parasympathische Nervensystem des Hunde ist also (wie bei uns) für die Regulierung der Prozesse verantwortlich, die durch den Sympathikus angestoßen werden und umgekehrt. Beide Systeme arbeiten "antagonistisch", sind also Gegenspieler. Beide Systeme werden benötigt. Ist eines der beiden Systeme stärker betont als das andere, beeinflusst dies maßgeblich die Reaktion des Hundes auf alle möglichen Reize.


Auswirkungen auf den Alltag mit Hund

Die wichtige Erkenntnis aus diesen Zusammenhängen ist, dass es völlig unterschiedliche Veranlagungen gibt. Je nachdem, ob ein Hund eine genetische Prädisposition für "sympathisch dominant" oder "parasympathisch dominant" hat, fällt seine Reaktion auf Umweltreize, Berührungen, Schrecksituationen, Korrekturmaßnahmen, Lob und vor allem auf Stress unterschiedlich aus. Diese "Impulse" sind für den Hund selbst zunächst nicht beeinflussbar und steuerbar. 

Das bedeutet natürlich auch, dass für ein effektives Training oder eine Verhaltenstherapie unbedingt beachtet werden muss, mit welchen "nervlichen" Grundvoraussetzungen ein Hund lebt. Aber nicht nur dann, wenn das "Kind schon in den Brunnen gefallen" ist, sondern viel früher. Berücksichtigt man diese Veranlagungen bereits in der Welpenauswahl und Welpenaufzucht und spätestens im Welpentraining, ergeben sich völlig unterschiedliche Herangehensweisen.

So würde man für den einen Welpen guten Gewissens empfehlen, viele Eindrücke zu sammeln und diesen schon früh mit vielen neuen Situationen zu konfrontieren, ohne Angst vor zu viel Aufregung. Bei einem anderen Welpen, unter Umständen aus dem gleichen Wurf, mit den gleichen "äußerlichen" Grundvoraussetzungen aber das genaue Gegenteil, nämlich Sicherheit zu Hause gewinnen, ruhig und gelassen auf die ersten Eindrücke und Alltagsgeräusche im Haus reagieren lernen und ein viel behutsameres Rantasten an Neues.

Denn -und das halte ich für eine lange Zeit unterschätzte Fragestellung- wie soll ein stressanfälliger Hund, der seit dem Welpenalter zwar viel kennengelernt hat und vermeintlich vorbildlich "geprägt" wurde mit Stresssituationen umgehen, wenn er das Leben überwiegend "unter Strom stehend" kennengelernt hat. Also Ruhe und Gelassenheit mit seiner ohnehin schon "schwierigeren Prädisposition" nie erlernen konnte. Umgekehrt, wird ein Hund, der selbstsicher ist, dafür aber weniger kennengelernt hat, dennoch wesentlich gelassener mit Neuem umgehen können. Denn die Basis wurde, im Rahmen der "genetischen Grenzen", behutsam aber solide aufgebaut.

Spinnt man den Faden weiter, wird deutlich, wie wichtig das Wissen um individuelle Eigenschaften, nennen wir es "Wesenszüge", aber auch chemische Vorgänge im Körper / Gehirn des Hundes im Allgemeinen und im Individuum sind.

 

Für den Hundehalter bedeutet dies: Verlassen Sie sich auf Ihr Bauchgefühl. Damit liegt man meistens richtig, wenn man den Eindruck hat, der eigene Hund ist nicht nur verwirrt, sondern gestresst, nicht nur ein kleiner Schisser, sondern hat wirklich Angst, nicht nur ein "Arschlochhund", sondern kann sich nicht anders helfen. Reagieren Sie auf Ihre Intuition und setzen Sie ihren Hund nicht Situationen aus, in welchen er sich offensichtlich extrem unwohl oder hilflos fühlt und sie bis dato keine Lösung haben, die sie Ihrem Vierbeiner anbieten können, um mit der Stresssituation konstruktiv umzugehen.

Das gilt besonders für Welpen, junge Hunde, sensible Hunde, stressanfällige und ganz besonders für Hunde, die mit Aggressionsverhalten reagieren.

Natürlich soll das nicht bedeuten, dass Sie zukünftig mit Ihrem Hund zu Hause bleiben oder ihn in Watte packen. Mit einem geeigneten Trainingsplan, eventuell unter alternativmedizinischer Begleitung, einer entsprechend angepassten Ernährung und mit etwas Fleiß und Geduld, kann Ihr Hund durchaus lernen Impulse zu kontrollieren und mit Stress zukünftig besser umgehen. 

0 Kommentare

Warum keine Welpengruppen?

Keine Welpengruppe? Aber Welpen müssen doch spielen. Warum Sie bei RehabiliTiere und in den Guerilla-Gruppen keine Welpengruppen finden, erfahren Sie hier.

Welpenspiele und Kommunikation

Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich finde Welpen ebenso putzig, wie jeder andere Hundehalter auch. Als Hundetrainer liegt mir die Erziehung, das Training und gesunde Erwachsenwerden Ihres Hundes am Herzen.

Bis vor einigen Jahren habe ich ebenfalls, wie viele meiner Kollegen, Welpengruppen angeboten. Auch, wenn ich schon damals auf kleine Gruppen von 3 bis 6 Welpen bestanden habe und der Schwerpunkt immer auf der Erziehung lag und weniger im Spiel zu finden war.

Dennoch verliefen viele Welpengruppen nicht so, wie ich es mir in der Kürze der Welpenzeit gewünscht hätte und es war für mich kaum sicher zu stellen, dass alle Hundehalter die -mir wichtigen- Informationen aus der Stunde mitnehmen konnten. Schon gar nicht, dass alle Teilnehmer Übungen und Verhaltensempfehlungen in die tägliche Praxis umsetzen konnten und Übungen an die Hand bekamen, welche zu Ihnen und Ihrem Hund passten.

Doch welche "wichtigen Informationen" kann es denn bei der Welpenerziehung geben, dass eine Welpengruppe zur Sozialisierung des Welpen nicht beiträgt oder dieser sogar entgegen steht?

Viele Welpenbesitzer haben vor allem die Spielphasen mit Gleichaltrigen im Kopf, wenn es darum geht, sich für ein Welpentraining anzumelden. Doch besonders die Spiele innerhalb einer Gruppe bunt zusammengewürfelter Welpen sind häufiger Ursache für spätere Verhaltensauffälligkeiten, als man denkt.

Warum Welpenspielgruppen einen falschen Fokus setzen

Wir wünschen uns einen Hund, einen treuen Begleiter, möglichst durch verschiedenste Alltagssituationen, vielleicht sogar auch im Büro. Unser zukünftiger "bester Freund" soll freundlich, aber zurückhaltend, aufgeschlossen, aber nicht aufdringlich, absolut zuverlässig, aber nicht dressiert, explorativ aber nicht zu freiheitsliebend, aktiv und sportlich, aber bloß nicht jagdaffin, unkompliziert in Pflege und Ernährungsansprüchen, aber bloß kein Staubsauger oder gar Bettler, Kinder mögen, aber nicht zu stürmisch sein, wachsam, aber bloß nicht bellen, wenn der Postbote klingelt. Anhänglich und verschmust, aber wehe, er wedelt jedem hinterher, der ihn nur freundlich angelächelt hat, und und und.

Die Liste ließe sich endlos fortsetzen. Bei Allem, lässt sich zusammenfassen, dass 90 % der Hundehalter einen folgsamen Begleiter möchten, welcher mit möglichst wenig Training genauso toll hört, wie der Hund von Nachbar XY.

 

Nun ist meist das Erste, was Welpenbesitzer tun: Der kleine Welpe darf die Welt entdecken. "Hund sein", laufen, rennen, stundenlange Spaziergänge, tausende Umwelteinflüsse und Hundebegegnungen en masse. Der Welpe soll erstmal das Leben genießen und Spaß haben. 

Dieser Anspruch setzt sich in den Welpengruppen fort.

 

Doch was lernt der Welpe in dieser Zeit?

Ein heranwachsendes Hundekind, welches überwiegend mit äußeren Faktoren befasst ist und völlig unvorbereitet in eine Gruppe voller ebenso unvorbereiteter Welpen und Menschen landet, lernt im besten Falle, dass es sehr viel Spaß ohne seinen Menschen haben kann und im schlechtesten Falle, dass sein Mensch ihm weder Schutz noch Orientierung bietet, sollte es mal kritisch werden.

 

Das klingt drastisch, ist aber in 90 % der Fälle leider das Ergebnis einer nicht vorhandenen Welpen"erziehung" und dem Fokus auf vermeintlicher Sozialisierung. 

Fragen, die Sie sich hinsichtlich der Welpenerziehung stellen sollten

  • Möchten Sie, dass Ihr Hund später selbstverständlich zu jedem anderen Hund hinläuft und diesen freudig begrüßt?
    • Wenn dem nicht so ist, sollten Sie ihren Welpen nicht zu jedem fremden Hund hinrennen lassen.
  • Möchten Sie, dass Ihr Hund später nervös und unsicher ist, wenn er selbst angeleint, sein Bewegungsspielraum also eingeschränkt, ist?
    • Nein? Dann sollten Sie im Training und während der Spaziergänge darauf achten, dass Ihr Welpe bereits sehr früh lernt, dass er sich an der Leine sicher fühlen kann, nicht einfach angefasst oder von fremden Hunden "überfallen" wird, auch wenn es noch so freundlich gemeint ist.
  • Möchten Sie einen Hund, der sich in kritischen Situationen an Sie wendet?
    • Dann achten Sie darauf, dass Sie möglichst früh an einem zuverlässigen Rückrufsignal arbeiten, die Körpersprache Ihres und anderer Hunde(-rassen) lesen lernen und schwierige Situationen für ihren Welpen regeln.
  • Möchten Sie einen Hund, der zuverlässig zurückkommt und stets mit einem "Ohr" bei Ihnen ist?
    • Wenn dem so ist, sollten Sie ihrem Welpen nicht erst unkontrolliert die große weite Welt öffnen, um sie dann im Junghundealter (das ist die Phase, in welcher Hunde einem gern mal die "Mittelkralle" zeigen und erahnen lassen, was man bisher Alles nicht ausreichend geübt hat) an die Schleppleine zu legen. Es ist wesentlich leichter anders herum zu beginnen ;-)
  • Möchten Sie einen Hund, der jedem Schmetterling, jeder Taube oder jedem Reh hinterher rast und der den meisten Spaß "ohne sie" hat?
    • Sicher nicht. Machen Sie Ihren Welpen nicht dauernd darauf aufmerksam wie lustig Jagdspiele sind. Dazu gehören häufiges Bällchenwerfen, Buddeln, wo man steht und geht, regelmäßiges Malträtieren und Fleddern von Quitschspielzeugen und das putzige Fangen von Fliegen an der Fensterscheibe und anderen "jagdassoziierten" Spielen ohne Start- und Schlusszeichen. 

Dies sind einige Beispiele dafür, in welchem krassen Widerspruch unser Umgang mit Welpen zu unseren späteren Anspruch im Alltag steht. Glauben Sie mir: Auch Hundetrainer sind davon nicht ausgenommen :-)

Ist der süße Fellknäuel erstmal erwachsen und hängt mit 30 kilo an der Leine, kommt nicht zurück wenn Sie ihn rufen, beschäftigt sich beim Spazierengehen lieber mit sich oder anderen Hunden und Menschen, ist es meist viel schwieriger wieder "zurück auf Los" zu gehen.

Besonders deutlich wird das, wenn Sie mit Ihrem Junghund die gewohnte Umgebung verlassen und feststellen, dass Signale, von denen Sie dachten, dass sie eigentlich "schon ganz gut" klappen, plötzlich überhaupt nicht mehr funktionieren.

Was passiert in klassischen Welpenspielgruppen?

Welpenerzeihung, Welpengruppe, Thomas Baumann, Normen Mrozinski,
Zitat aus einem Interview mit Thomas Baumann und Normen Mrozinski aus der dogs-Ausgabe Sep/Okt 2016

Natürlich hat der Trainer einen großen Gestaltungsspielraum, was im Rahmen der Gruppenstunde geschieht und gelernt werden soll. Die Vorstellung des Trainers unterscheidet sich jedoch meist von der, mit welcher die frisch gebackenen Hundeeltern die Welpengruppe aufsuchen.

Zudem sind die Voraussetzungen der jeweiligen Hundehalter meist sehr unterschiedlich.

In den klassischen Welpengruppen steht das "Spiel" im Vordergrund. Selbst bei regelmäßigem Eingreifen des Trainers, kann er nicht gewährleisten, 6 Welpen gleichzeitig im Blick zu haben und währenddessen noch zu erklären, warum, weshalb und wie nun grade ein vermeintliches Spiel unterbrochen wurde oder weshalb man ein wilderes Spiel auch mal laufen lässt.

Die wenigsten Welpen haben bereits eine ausreichende Bindung zu ihrem Menschen, um diesen aufzusuchen, wenn sie überfordert sind. Denn das müsste vor der Gruppensituation geübt worden sein. Die wenigsten Menschen erkennen die Überforderung überhaupt nicht und sehen keinerlei Notwendigkeit einzugreifen oder aber das Gegenteil ist der Fall: Sie sind überängstlich und übertragen die Anspannung auf ihren ohnehin schon aufgeregten Welpen. 

Was wir in Welpenspielgruppen als "Spiel" oder wildes Toben beobachten, ist meist keinesfalls ein respektvolles Kennenlernen oder Miteinander. Vielmehr dient das Spielen, besonders bei jungen Hunden, der Konfliktlösung. Es bedarf also einer guten Hundekenntnis und das Kennen des jeweiligen Welpen, um einschätzen zu können, was sich zwischen den süßen Kleinen grade tatsächlich "abspielt".

Um wirklich miteinander zu spielen, Grenzen kennenzulernen und zu kommunizieren (Stichwort "Sozialisierung & Sozialspiel"), benötigen die Welpen unterschiedlich viel Zeit miteinander. Und auch Sie als Mensch benötigen unterschiedlich viel Zeit, um sich an das "laufen lassen" zu gewöhnen und ihren Welpen eventuell auch von einer ganz anderen Seite kennenzulernen. Nicht jedes Gespann passt in jeder Konstellation und in einigen Fällen ist das Spielen aufgrund der Größenunterschiede schlicht und ergreifend lebensgefährlich.

 

Sollen dann die Welpenbesitzer das erste Mal den Rückruf "Ausprobieren" lernen die meisten Welpen Folgendes:

  • Andere Dinge sind spannender als mein Mensch. Ich komme maximal NACHDEM ich hier fertig bin. Was soll das Rufen überhaupt? Immerhin muss ich so garnicht mehr nach meinem Menschen schauen, ich höre ihn ja.
  • Mein Mensch wird immer aufgeregter, wütender, unsicherer. Anscheinend ist das hier eine brenzlige Situation oder benötigt mein Mensch etwa meine Hilfe?
  • Stress! Mein Mensch ruft, ich würde so gerne hin, aber 3 andere Welpen verfolgen mich und ich kann meinen Menschen nicht erreichen.

Am diesem Beispiel wird ein weiteres Problem der Welpengruppen besonders deutlich: In einer neuen, aufregenden Umgebung, mit vielen fremden Welpen und Menschen, ist es für einen jungen Hund fast unmöglich, sich zu konzentrieren, geschweige denn völlig neue Signale zu erlernen. Auch Ihnen wird das zunächst vielleicht schwerer fallen. Denn Sie sind plötzlich nicht nur Welpenpapa oder -mama, sondern Schüler und Lehrer gleichzeitig.

 

Umgekehrt wird jedoch ein Schuh draus: Signale und Basics werden in Einzeltrainings erlernt um sie dann in der Gruppe zu generalisieren und zu vertiefen. 

 

Die ganze Bandbreite an Erfahrungen

Erfahrungen, Welpenspielgruppe, Frankfurt
Quelle: freepik; Little Puppies Friends BY VIKTOR HANACEK

Natürlich gibt es einige Hunde, die völlig unbeschadet eine wilde Welpengruppe überstehen und auch während der Flegelphase zuverlässig "hören", obwohl es nie richtig geübt wurde oder grade erst begonnen wurde.

Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie ihren Welpen -im schlechtesten Fall- traumatisieren, eine Leinenaggression oder generell ein "asoziales" Verhalten gegenüber Artgenossen, versehentlich anerziehen oder -im besten Fall- einfach die wertvolle Welpenzeit verpassen, um den Grundstein für den Hundealltag zu legen, den Sie sich vorgestellt haben, ist relativ hoch. Hundeexperten, wie beispielsweise die im obigen Bild zitierten Thomas Baumann und Normen Mrozinski (welche sich ansonsten nicht immer ganz einig sind) machen unter anderem die "klassischen Welpenspielgruppen" und den Run auf diese für zunehmend mehr verhaltensauffällige Hunde verantwortlich, die eigentlich mit besten Voraussetzungen ins Hundeleben gestartet sind.

 

Es gibt die Ausnahmen: Hundehalter, die sich schlau gemacht haben, talentiert und intuitiv viel richtig machen und fleißig üben. Diese sind in einer Welpengruppe jedoch meist völlig fehl am Platz, da das Niveau der meisten Welpenspielgruppen mit ein oder zwei Wochen Training leicht getoppt werden kann. Denn den vielen anderen, unerfahrenen Welpenbesitzern muss der Trainer ebenfalls gerecht werden. Hier sind Themenkurse oder spezielle Lernkurse für Welpen geeigneter.

Verstehen Sie mich hier bitte richtig: Ich arbeite ausgesprochen gerne mit gänzlich unerfahrenen Hundehaltern. Der Rahmen muss nur für die jeweiligen Menschen und Welpen passen. Auch Welpentypen und Rassen sind mitunter völlig unterschiedlich und benötigen zu unterschiedlichen Zeitpunkten unterschiedliche Förderung, Forderung oder auch Schutz und Unterstützung.

 

Selbstverständlich soll ein Welpe möglichst viele Dinge und Lebewesen kennenlernen dürfen und Erfahrungen sammeln. Die wichtigste Frage dabei ist jedoch, ob der Welpe, als kleines, unerfahrenes Lebewesen, in einer mal "offenen" oder "misstrauischen" Prägephase befindlich, diese Erfahrungen auch tatsächlich als positiv verbucht und wie wir das als Hundehalter oder -trainer sicherstellen beziehungsweise möglichst optimal steuern können. 

 

Ein Welpe, der mit eingezogener Rute und aufgerissenen Augen zwischen die Füße irgendeines Menschen flüchtet hat Angst. Das ist weder süß noch lustig aber ziemlich sicher, dass er mit wachsendem Alter eine entsprechende Strategie entwickeln wird, um solche Situationen anders zu lösen. Es ist Ihnen und Ihrem Hund zu wünschen, dass Sie sein Ansprechpartner sind, wenn es darum geht, eine Verhaltensalternative zu dem bisherigen Panik-Programm zu entwickeln.

Auch ein Welpe, der vermeintlich sehr verspielt und etwas tollpatschig auf jeden neuen Kumpel drauf springt, über ihn drüber latscht bzw. rennt und vor lauter Übermut kaum noch klar denken kann, lernt nicht das, was ihn zu einem zuverlässigen, freundlichen und vor allem entspannten Alltagsbegleiter macht. Auch hier: Der eine Welpe ist nicht besser oder schlechter als der andere. Beide benötigen nur andere Grenzen und Regeln und vor allem einen zuverlässigen und fairen Menschen, welcher sie durch die "Ausprobierzeit" führt. 

 

Denken Sie einfach mal darüber nach und sprechen Sie mich gerne an, falls Sie Interesse an einer Alternative zu Welpen(spiel)gruppen haben.

Sätze, die sie streichen sollten

Wie? Jetzt doch Welpentraining?

Natürlich. Auch mit dem klitzekleinsten Babywelpen kann man sich befassen und altersgemäße Übungen machen und ihn wertvolle, positive Erfahrungen machen lassen, eine zuverlässige Bindung und Vertrauen aufbauen.

Ich berate Sie gerne bereits vor der Welpenanschaffung und begleite Sie ebenfalls bei der Auswahl einer Herkunft (Tierschutz, Züchter), einer Rasse oder eines Hundetyps und auch bei der Entscheidung für den "einen" Welpen eines Wurfes.

Je nachdem, was Sie mit Ihrem Welpen vorhaben, soll er Familienhund, ein "Hund mit Job", ein Sporthund oder auch eine andere Aufgabe erfüllen, können Sie in den ersten Tagen bereits mit kleinen Veränderungen, Spielen und Regeln eine Basis legen, auf welche sie immer wieder zurückgreifen können.

 

Die Bandbreite an Übungen und Spielen ist mindestens genauso groß, wie es unterschiedliche Welpen und Menschen gibt. Im Einzeltrainings erhalten Sie passende Übungen und Tipps für den Umgang mit dem Welpen, wenn eine Übung nicht genauso verläuft, wie sie im Welpenratgeber beschrieben ist.

 

Ich begleite Sie während der individuell unterschiedlich langen und intensiven Prägephasen und dem Umgang mit schwierigen Situationen.

Sobald zwischen Ihnen und Ihrem Welpen ein gewisses, gegenseitiges Grundvertrauen herrscht, Sie sich Basics zu Trainingsmethoden und dem Umgang mit Neuem gemeinsam erarbeitet haben, haben Sie die Möglichkeit parallel mit anderen Welpen an sogenannten Trainingstreffen teilzunehmen. Wie oben beschrieben, stellen Kontakte zu anderen Welpen und das Training mit ihnen dann tatsächlich einen großen Mehrwert dar.

Weitere Infos zu den Trainingstreffen mit anderen Welpenbesitzern finden Sie hier.

 

0 Kommentare

Zecken beim Hund

Panik oder unterschätzte Gefahr?

Die Zeckenzeit hat schon lange begonnen und mancher Vierbeiner entwickelt sich trotz aller Maßnahmen gegen den unbeliebten Parasiten regelrecht zu einem Mutterschiff für Zecken.

Doch was tun? Hunde mit Spot-ons überschütten? Alternative Methoden ausprobieren, die Zecken abwehren und bis zum Ende des Experiments täglich Zecken zählen? Impfen? Kann man das überhaupt?

Wie groß ist das tatsächliche Risiko, dass unser Hund durch Zecken erkrankt und wie entfernt man die Biester überhaupt?

Fragen über Fragen! Deswegen widme ich die nächsten Blogbeiträge dem "Zeckenthema" und hoffe, ein wenig zur Aufklärung beitragen zu können.

Über Lifestyle, Vorlieben und Hobbies der Zecke

Zecke, Milbe, Saugvorgang, Zeckenbiss
Quell: luise / pixelio.de

Zecken heißen auf "schlau", also lateinisch, "Ixodidae" und gehören zu den Milbentierchen. Diese wiederum werden der Klasse der Spinnentiere zugeordnet.

Das erkennt man auch daran, dass Zecken, genauso wie Spinnen 8 Beine haben. Jedenfalls wachsen ihnen, zusätzlich zu den im Larvenstadium vorhandenen 6 Beinchen, noch 2 weitere.

Mittlerweile sind mehr als 900 Zeckenarten bekannt.

Zecken ritzen mit ihren kleinen Beißwerkzeugen meist eine Wunde in die Haut und saugen das Blut dann mit einer Art Rüssel auf. Wenn man es genau nimmt, müsste man den Zeckenbiss eigentlich Zeckenstich nennen. Auf diesem "Rüssel" sind oft kleine Zähne ausgebildet, die wie Widerhaken aussehen.

Manche Zecken halten sich während des Saugvorgangs mit ihren Mundwerkzeugen fest, andere wiederum kleben sich mit einem kittartigen Speichel selbst an der Wunde fest.

der Saugvorgang selbst kann, je nach Zeckenart, einige Minuten oder sogar Tage und Wochen dauern. Viele Zecken nehmen währenddessen ein Vielfaches an Körpervolumen zu. Manche Zecken "dehnen" sich nur, bei anderen findet während des Saugens auch ein richtiger Wachstumsvorgang statt.

Und Achtung: Weibliche Zecken können eine Größe von bis zu 3 cm!!! erreichen. Wow.

Zeckenbefall, Zecken,
Jarmila Zahradka / pixelio.de

Während des Saugens sondert die Zecke Speichel ab. Dieser soll das Blut schön flüssig halten und verhindern, dass Blutplättchen zusammenkleben und die Wunde gerinnt. Denn sonst würde die "Quelle" versiegen. Auch die Entzündungsreaktion wird gehemmnt.

Ein weiterer Trick der Natur ist die schmerzstillende Wirkung des Zeckenspeichels, welcher verhindert, dass selbst wehleidige Hunde selten sofort durchdrehen, wenn sie von einer Zecke "gestochen" werden. Mit dem Speichel werden neben diesen "praktischen" Enzymen jedoch auch Viren und Bakterien übertragen. Das macht die Zecke zu einem ungebetenen Gast im Hundefell.

Wo leben Zecken?

Zecken kommen weltweit und überall dort vor, wo auch ihre Wirte leben. Die meisten Zecken haben "Lieblingswirte", nehmen in der Not aber auch mit einem anderen Wirt vorlieb. Viele Zecken sind nach ihren Lieblingswirten benannt. So gibt es beispielsweise die Vogelzecke, die Igelzecke, die Fuchszecke, die Schafszecke, die braune Hundezecke usw. Diese ist übrigens die weltweit verbreitetste Art und geht auch gerne mal auf den Menschen über. Auch die Schildzecke und die Auwaldzecke leben in Deutschland. Die Schildzecke liebt den Menschen, deswegen hat sie vermutlich einen diskreteren Namen erhalten und wurde nach ihrem "Schild" benannt.

In Deutschland sind insgesamt etwa um die 20 verschiedenen Zeckenarten verbreitet und bekannt. 

Insgesamt mögen Zecken es nicht, wenn es saukalt ist oder knallheiß. Manche Zecken mögen es gerne etwas feuchter und mild.

Von einer Zeckensaison kann man immer weniger sprechen. Einige Zecken werden ab einer Temperatur von ca. 10 Grad aktiv. Manche aber bereits früher. Milde Winter führen auch dazu, dass man das ganze Jahr über Zecken am Hund findet.

Wie jagen Zecken?

Unter den Zecken haben sich zwei Strategien durchgesetzt: Die Lauerer und die etwas ungeduldigeren Jäger.

Die Lauerer krabbeln auf einen Grashalm oder Busch und breiten ihre Ärmchen aus, um den eventuell vorbeilaufenden Wirt willkommen zu heißen. Berührt dieser sie, halten sie sich blitzschnell am Fell fest und arbeiten sich in Richtung Haut vor.

Die Jäger laufen auf dem Boden umher und suchen sich ihren Wirt selbst. Dabei legen sie pro Stunde gute 4 -5 Meter zurück. Die braune Hundezecke ist übrigens ein Jäger.

Woher wissen die Zecken, dass ich bzw. mein Hund kommen?

Zecken haben das sogenannte "Haller-Organ". Damit können sie Stoffe wie Milchsäure, Ammoniak, Kohlenstoffdioxid und Buttersäure erkennenn und bemerken auch Lichtunterschiede. 

Die Lebenszyklen der Zecke

Zecken durchlaufen 3 Lebenszyklen. Vor jedem neuen Zyklus oder zwischen zwei Zyklen saugt die Zecke an einem geeigneten Wirt Blut, lässt sich daraufhin meist fallen, um sich zu häuten und in einen neuen Lebenszyklus einzutreten. Die Klassiker der Lebenszyklen einer Zecke sind:  

  1. Larve (Baby mit 6 Beinen)
  2. Nymphe (Teeny mit 8 Beinen)
  3. Adulte (Erwachsen, immer noch 8 Beine)
  4. Mutti oder Männchen

Weibliche Zecken legen nach der Paarung, mit viiiiiiel kleineren Männchen, tausende Eier ab. Nach der, etwa 10-minütigen, Eiablage werden diese dann mit einem Sekret eingehüllt, um sie vor Austrocknung zu schützen und schon bald beginnt der Kreislauf von vorne. Das Zeckenweibchen stirbt übrigens nach Vollendung der Eiablage.

Sind Zecken unkaputtbar?

Die natürlichen Feinde der Zecke

Einige wenige Pilzarten, welche Insekten befallen, können für die Zecke genauso tödlich enden, wie der Befall mit Fadenwürmern. Es gibt auch Vogelarten, die gerne Zecken fressen. 

Der gemeinste Feind der Zecke ist jedoch die Erzwespe. Diese legt ihre Eier in die Zecke und die kleinen Wespenlarven fressen die Zecke dann von innen auf (würg).

Eigentlich sind Zecken sehr faszinierende Tiere. Aber auch ich möchte sie nicht auf meinem Hund, erst recht nicht auf mir und schon garnicht ihre Eier irgendwo im Haus haben (Oh Gott).

Ist das jetzt einfach nur Hysterie oder sind Zecken auch ein tatsächliches Risiko? Und wenn ja, wie groß ist die von ihnen ausgehende Gefahr einer Krankheitsübertragung?

Und vor allem: Welche Krankheiten können von der Zecke auf den Hund übertragen werden?

Darüber mehr im nächsten Artikel.

Impressionen aus dem Leben des "Zeck"

0 Kommentare

Praktikantin Jana lernt das Clickern

clickern, clickertraining, praktikum, hundeschule, frankfurt

Clickern mit einem fremden Hund - Das war mein heutiger Auftrag von Mela. Aber geht das überhaupt?

Mein heutiger Trainingspartner war Melas Schäferhund-Mix-Hündin Grace, ein sehr erfahrener Hund, auch beim Thema Clickern (zu meinem Glück). Ausgerüstet mit einer bis zum Rand mit Trockenfutter (Graces Tagesration) gefüllten Jackentasche, einer Führleine und natürlich dem Clicker ging es dann auch schon los, eine Runde um den Block.

Ich wollte zuerst einmal überhaupt eine Beziehung zu Grace aufbauen, außerdem schon mal ein bisschen Leinenführigkeit üben. Geclickert habe ich deswegen jeden von Graces Versuchen, Blickkontakt aufzubauen und das ruhige Laufen neben mir an lockerer Leine.  Ich habe dabei versucht, es gar nicht so weit kommen zu lassen, dass sie mich überholt oder gar vorne an der Leine zieht. Anfangs war es gar nicht so leicht, schnell genug zu reagieren. Erstens im richtigen Moment zu Clickern, also auf die Sekunde genau, und nicht, während Grace z.B. schon dabei war, ihren Blick abzuwenden oder ein Überholmanöver zu starten. Zweitens, auf unerwünschtes Verhalten sofort mit Zischen oder "Nein" zu reagieren. Mit dem ungewohnten Clicker und der Leine in der Hand (zum ersten Mal hinter meinem Rücken, sehr ungewohnt für mich!), der anderen Hand jederzeit bereit, in die Leckerlietasche zu greifen, den Blick mehr auf den Hund gerichtet als auf die eigenen Füße und an der Seite einer lauten, viel befahrenen Straße gar nicht mal so einfach.

Doch schon nach kurzer Zeit hatte Grace verstanden, was da lief und schnell kam ich mir vor wie ein lebendiger Futterautomat. Im Sekundentakt schaute sie immer wieder zu mir hoch, weshalb ich tatsächlich permanent am Clickern und Belohnen war. Überholversuche oder unaufmerksames Verhalten wurden immer seltener, sehr angenehm für mich, und gleichzeitig Laufen und Clickern ging schon bald fast automatisch. Da sie dieses Kommando schon beherrscht, ließ ich Grace außerdem vor dem Überqueren jeder Straße warten, was sie auch brav tat, bis das Auflösungssignal von mir kam, auch wenn zwischendurch geclickert und belohnt wurde. 

Natürlich gab es auch ab und zu Missverständnisse, vor allem darüber, wo Grace denn nun genau laufen sollte, zwei mal "parkte" sie zwischen meinen Beinen ein, anstatt neben mir zu stehen, wohl ein Fehler in meinen Handzeichen (?). Außerdem überholte sie mich beim Treppen hoch- und runterlaufen immer noch, sodass ich pro Treppe bestimmt eine Minute gebraucht habe. 

Im Großen und Ganzen war der Spaziergang mit Clicker aber sehr entspannt, das Ziel der Leinenführigkeit fast vollständig erreicht und ich sehr positiv überrascht. Gerade weil der Clicker immer gleich klingt und keine (bei mir definitiv anfangs vorhandene) Unsicherheit transportiert, war es für Grace so einfach, sich auf mich umzustellen, und mein "Feedback" an sie sehr eindeutig.  Und weil man so punktgenau das erwünschte Verhalten markieren kann, hat sie so schnell verstanden, was ich von ihr wollte. 

Mein Fazit: An die Bedienung des Clickers kann man sich superschnell gewöhnen, er ermöglicht es mehreren Leuten, mit ein und demselben Hund ohne Verständigungsprobleme (War dieses "Prima" jetzt ein Lob? Mein Mensch sagt immer etwas ganz Anderes/ in einem anderen Ton.) zu trainieren und er ist als Signal für Mensch und Hund sehr leicht verständlich.

Ich werde auf jeden Fall in Zukunft auch mit meinen Pflegehunden das Clickertraining einführen und bin gespannt, herauszufinden, wie viel mehr man mit diesem einfachen "Werkzeug" erreichen kann.

 

 

0 Kommentare

Hunde richtig baden

Hund baden, wie oft, Hund duschen, Hund Badewanne, Hundeshampoo

Meist ist das Duschen oder Baden des Hundes nicht nötig und sogar kontraproduktiv. Das Hundefell ist durch seine geniale Beschaffenheit selbstreinigend. Das erkennt man auch daran, dass der Hund selbst nach einem Gassigang durch Regen und Matsch meist einige Stunden später in vollem Glanz in seinem Körbchen liegt und die Mitbringsel in Form von getrockneter Erde, Steinchen und Staub schön gleichmäßig um das Körbchen herum verteilt liegen.

Das Hundefell ist von einem leichten "Fettfilm" überzogen, welcher Schmutz und Nässe abhält. Auch die Haut des Hundes ist von besonderer Beschaffenheit und enthält keine Schweißdrüsen, wie wir sie an unserem Körper finden. Diese sind beim Hund überwiegend an der Nase und den Pfotenballen angesiedelt. Die Talgdrüsen sind nicht, wie bei uns, vor allem im Gesicht und am Kopf zu finden, sondern über den gesamten Körper verteilt. Aus diesem Grund ist die Hundehaut besonders anfällig gegen "reinigende" Shampoos. Ist der Säureschutzmantel der Hundehaut angegriffen, benötigt dieser bis zu 6 Wochen, um sich wieder zu erholen. Ein zu häufiges und falsches Waschen des Hundes stellt also eher ein Gesundheitsrisiko dar.

Der pH-Wert der Hundehaut

Der sogenannte pH-Wert ist ein Maß für den Säure- bzw- Basengehalt einer Flüssigkeit. In diesem Fall für den Schutzfilm, der natürlicherweise die Hundehaut bedeckt. Hunde haben einen weitaus höheren Haut-pH-Wert als wir. Wo unser pH-Wert zwischen 5,5 und 5,8 liegt, ist bei Hunden ein weniger saures Hautklima zu finden. Dieses ist sogar von Rasse zu Rasse verschieden. So hat der "Labrador" meist einen Haut-pH-Wert von ca. 6,8, wohingegen der pH-Wert des "Deutschen Schäferhundes" wesentlich höher, bei etwa 8,7, liegt. 

Dieses Mikroklima wird besonders durch Mikroorganismen beeinflusst, die auf der Haut leben. Dazu gehören beispielsweise Bakterien und Pilze, die in einer sogenannten "Fressgemeinschaft" mit dem Wirt, also dem Hund, leben.

Dies erklärt natürlich auch, weshalb eine zu starke Reinigung der Haut schädlich ist und zu einer vermehrten Anfälligkeit für Hautkrankheiten führt. Denn ist das natürliche Schutzschild der Haut angegriffen, wird diese leicht trocken, rissig und somit anfällig für Entzündungen, Verletzungen, Risse und Infektionen. Ein Beispiel dafür ist der fatale Kreislauf bei Pilzinfektionen der Haut.

Merke: Niedriger pH-Wert unter 7 = sauer. Hoher pH-Wert über 7 = basisch.

Mein Hund stinkt

Wenn der Hund grundsätzlich unangenehm riecht, kann dies verschiedene Ursachen haben und deutet meist auf ein anderes Problem hin, wie beispielsweise minderwertiges Futter, aber auch organische Ursachen.

Der "oberflächliche" Gestank eines Hundes, der sich grade genussvoll in Kuhdung, Fuchskacke oder einer toten Maus gewälzt hat (oder Schlimmerem!!!), kann sich durchaus extrem hartnäckig halten und ist für manche Menschennase kaum zu ertragen. Verständlich. Unsere Hunde scheinen diese Art Parfümierung regelrecht zu genießen. 

Aber was sein muss, muss sein. Wenn es nicht mehr auszuhalten ist, muss eine Lösung her. Und die heißt: Ab in die Wanne!

Vorbereitung für das Baden des Hundes

Den Hund vorbereiten

Besonders Hunde, die sich regelmäßig und mit besonderer Vorliebe in allem Möglichen wälzen, sollte man an das Baden und Duschen behutsam gewöhnen. Wenn der Hund gerne in die Duschkabine geht oder in die Badewanne hopst, geht das Reinigen viel leichter von der Hand und der Knacks im Vertrauen zum Menschen kann so vermieden werden.

Weitere Vorkehrungen, bevor der Hund gebadet wird

Die Wanne sollte unbedingt rutschfest gemacht werden. Entweder mit einer Gummimatte oder einem Handtuch. Auch ein Haarsieb im Abfluss macht Sinn. Insbesondere, wenn keine Gelegenheit war, um den Hund vor dem Baden zu bürsten. Mehrere große Handtücher und (je nach Schmutzfilm) vielleicht sogar Gummihandschuhe.

Achtung: Alle diese Utensilien können einen Hund ängstigen: Die ungewöhnliche Situation, der glatte Untergrund, Wasser aus der Brause, Handschuhe, Shampooduft (der Hund würde vermutlich sagen "Gestank"), vielleicht ist sein Mensch auch genervt oder angeekelt von den Überbleibseln der Gassirunde, die jetzt aus dem Fell müssen. Baden will also geübt sein. 

Ein Hund, der zuvor all dieses Zubehör als positiv kennen gelernt hat, wird die Prozedur gelassener über sich ergehen lassen. Rund um das Thema "Baden" findet sich also auch allerhand Trainings-Inspiration. Manche Hunde genießen das Baden sogar regelrecht.

Aber: Welpen sollten in keinem Fall gebadet werden! Lediglich das Hineingehen in die Dusche oder Wanne und das sanfte Gewöhnen steht hier auf dem Trainingsplan. Wenn der Welpe Spaß an dieser Übung hat, darf natürlich auch das Wasser leicht angestellt werden, denn nass werden darf ein Welpe natürlich. Das Einreiben mit Shampoos oder Ähnlichem sollte aber in jedem Fall vermieden werden. 


Wasser marsch beim Hundewaschen

Beim Abbrausen sollte darauf geachtet werden, dass das Wasser mit wenig Druck aus der Brause "läuft". Die Temperatur sollte für unseren, menschlichen Geschmack, eher etwas kühler eingestellt sein. Denken Sie daran, dass die meisten Hunde keine Probleme damit haben, in Gewässer mit Temperaturen um den Gefrierpunkt zu hüpfen und -für den Hund- zu heißes Wasser zu Verbrennungen und Kreislaufproblemen führen kann.

Begonnen wird mit den Pfoten. So hat auch der Körper Zeit, sich auf die Temperatur einzustellen. Sind die Beinchen nass, geht es über Rücken und Seiten weiter. Am besten beginnt man an den unempfindlicheren Stellen des Hundes. Diese kennen Sie sicher. Da Hunde sich bevorzugt mit Kopf und Hals als erstes in die riechenden Duftproben werfen, noch ein wichtiger Hinweis: Es darf beim Duschen kein Wasser in Augen, Ohren oder sogar Nase laufen. Taucht der Hund in einem stehenden Gewässer unter Wasser, ist dies meist kein Problem. Aber die Duschbrause sollte in keinem Fall in Richtung dieser Körperöffnungen gehalten werden. Hier bitte lieber mit einem Waschlappen arbeiten.

Welches Hundeshampoo ist das richtige?

hundeshampoo, checkliste hundeshampoo, hundeduschgel

Um den Säureschutzmantel der Haut nicht zu beschädigen, sollte das Hundeshampoo einen entsprechenden pH-Wert aufweisen, also je nach Hunderasse oder Mischlingen bei etwa 7,4 oder höher liegen. Außerdem darf es keine unnötigen Duftzusätze enthalten. Die empfindliche Nase des Hundes wird mit den Essenzen, die wir als angenehm empfinden, meist malträtiert und die Nasenschleimhäute können gereizt werden.

Folgende Punkte sollte man beim Kauf eines Hundeshampoos beachten:

  • Es enthält kein Natrium-Lauryl bzw. Laureth Sulfat. (Tenside machen diesen tollen Schaum, der aber nicht notwendig ist und die Haut unnötig reizt)
  • keine Duftstoffe
  • kein Formaldehyd und keine Phtalate
  • keine Moschusverbindungen

Sind im Shampoo Öle enthalten ist dies in der Regel positiv zu werten. Bitte beachten Sie hier jedoch, dass Zusätze wie Nerzöl aus Tierschutzgründen bedenklich sind.

Noch ein Tipp: Behandelt man den Hund mit zu viel Duft, wird er bei nächster Gelegenheit versuchen, diesen wieder los zu werden. Lieber gründlich mit einem schonenden Shampoo waschen und in den kommenden Tagen viel Gassigehen, damit der Vierbeiner "auslüften" kann. Möchte man auf den Duft im Shampoo nicht verzichten oder einen anderen "Geruch" als Erste-Hilfe-Maßnahme übertünchen, sollten ätherische Öle gewählt werden. In niedriger Dosierung und keine synthetischen Aromen. Auch Zusätze wie Lanolin oder Kokosfett sind pflegend und riechen angenehm. Ätherische Öle niemals auf die Hundehaut auftragen! 

Tipp: Ein paar Tropfen Lavendelöl mit viiiiel Rapsöl verdünnt sanft auf die Haare einstreichen (nicht die Haut einmassieren), verschafft Abhilfe.

 

Auch wenn Babyshampoos gemeinhin als mild und schonend gelten, sind diese keinesfalls für Hunde geeignet. Es gibt jedoch basische Duschgels ohne Duftzusätze oder Ähnliches, die verwendet werden können, wenn kein geeignetes Hundeshampoo zu finden ist. Im Zweifel und im Notfall tut es auch eine Intimwaschlotion "ohne Alles", mit möglichst hohem pH-Wert.

Wie viel kostet Hundeshampoo?

Ein Hundeshampoo von guter Qualität kostet pro Flasche mindestens um die 10 €, eher mehr. Da es selten zum Einsatz kommt, sollte nicht gespart werden. 

Abtrocknen & Föhnen des Hundes

Hund abtrocknen, Hund föhnen, hund baden, wie oft hund duschen

Am besten rubbelt man den Hund noch in der Wanne ab, denn die erste Amtshandlung nach erfolgreicher Dusche ist meist: Schütteln. Ich werfe meinem Hund immer ein großes Handtuch über, dann spritzt es nicht in alle Richtungen.

Je nach Hund darf auch geföhnt werden. Aber nicht zu heiß und nicht im Gesicht oder den empfindlichen Bauch. Die meisten Hunde mögen den Föhn nicht besonders, vermutlich vor allem, weil er einfach unglaublich laut ist. 

Nach dem Baden darf der Hund sich gerne vor die Heizung oder im Sommer in die Sonne legen. Hunde mit langen Ohren können diese auch ein wenig umgeklappt werden, damit auch dort Luft dran kommt. Im Sommer Vorsicht vor Sonnenbrand in den Ohrmuscheln.

Wie oft darf ich meinen Hund baden?

Das kommt ganz darauf an, wie der Hund gebadet wird. Handelt es sich dabei um das Abspülen von Dreck, ohne Shampoo oder Ähnliches, stellt dies zunächst kein großes Problem dar. Außer der Hund hat empfindliche Ohren, die sich leicht entzünden. Dann sollte hier darauf geachtet werden, dass die Ohren trocken bleiben.

Geht das Baden oder Duschen des Hundes über das oberflächliche Abspülen hinaus, sollte der Hund höchstens alle 2 Monate gebadet werden. 

Ich bade meine Hunde nur dann, wenn es nicht anders geht und ich sie auch nicht in einen See oder Ähnliches schicken kann, um das Gröbste abzuspülen. Ein richtiges Bad mit Shampoo und allem drum und dran bekommen sie also nur im Notfall. So schrecklich stinken Sie meist nur ein bis zweimal im Jahr :-)

1 Kommentare

Der Tennisball und die Zähne

Hund, Tennisball, Zähne, Zahnkrankheiten, schädliches Spielzeug
Veröffentlicht am 20. Dezember 2012 in Underwater Dogs Fotografie – ein Moment der Wildheit

Tennisbälle sind toll. Jedenfalls erstmal. Oberflächlich betrachtet. Aber oberflächlich fügen sie den Zähnen des Hundes auch schnell erheblichen Schaden zu. 

Die filzige Oberfläche der Tennisbälle wirkt auf den Zahnschmelz des Hundes wie Schmirgelpapier. Je freudiger der Hund auf seiner Beute herumkaut, desto mehr führt jedes Bällchenspiel zu einem Abrieb des Zahnschmelzes. Nicht selten liegen früher oder später sogar stellenweise Zahnnerven frei, was zu erheblichen Schmerzen führt. Aber auch Hunde, die ihren Tennisball "nur" tragen, leiden unter der regelmäßigen Schmiergelpapierbehandlung.

Fatal dabei, dass auch die Spielbälle, die in den Hundezubehörgeschäften verkauft werden, die gleiche, schädliche Oberfläche haben. 

Alternativen zum Tennisball

Alternative zum Tennisball, zahnschonendes Hundespielzeug, Tennisball Hund,
Spielzeuge von Kong gibt es in allen erdenklichen Formen

Spielwütige Hunde und solche, die gerne auf Bällen herum "knatschen" kann man andere Bälle anbieten, die eine glatte, zahnfreundliche Oberfläche haben. Ich empfehle beispielsweise die Spielzeuge von Kong. 

Diese gibt es in verschiedenen Formen, sie sind aus Naturkautschuk hergestellt und vermeiden so das schädigende Abschmirgeln des Zahnschmelzes. 

Auch von Ruffwear gibt es verschiedene Spielzeuge und Apportel, die die Zähne des Hundes schonen und vielseitig einsetzbar sind.

Viel Spaß beim Spielen und Toben!

0 Kommentare

Hund chippen, registrieren & Tasso

Mittlerweile sind fast alle Hunde standardmäßig gechipt, doch häufig nicht registriert. Was bedeutet das überhaupt und ist es Pflicht? Das erfährst Du in diesem Blogbeitrag.

Was ist chippen?

Mit dem Chippen des Hundes ist das Injizieren eines Minichip-Transponders gemeint. Dieser dient zur Unterscheidung und eindeutigen Identifizierung eines bestimmten Hundes. Ähnlich der Nummer unseres Personalausweises oder unserer persönlichen Steueridentifikationsnummer.

Der Chip hat die Tätowierung abgelöst. Aus gutem Grund, denn diese war nach einigen Jahren meist nicht mehr lesbar.

Nach wie vor handelt es sich dabei jedoch um eine Nummer, welche mittlerweile auch eine ziemlich lange, unmerkbare Zahlenreihe ist.

Der Chip wird mit Hilfe einer etwas dickeren Nadel, meist an der linken Hals-Seite, oberhalb der Schulter, injiziert. Mit einem speziellen Lesegerät kann die Nummer ausgelesen werden. Der Eingriff des Chippens selbst geht schnell, ist ohne Betäubung möglich (die Injektionsstelle wird nur örtlich betäubt) und nicht besonders teuer. Die Kosten liegen in etwa zwischen 25 und 50 €. Die Chipnummer wird in den Impfpass des Tieres eingetragen. So kann auch nachvollzogen werden, ob der jeweilige Hund entsprechend geimpft ist oder andere Krankheiten vorliegen.

Besonders wichtig ist das Einsetzen eines Microchips aber vor allem, um einen Hund seinem Halter zuordnen zu können. Auch dann, wenn der Hund vielleicht keine Marke oder Kontaktdaten des Halters trägt und entlaufen ist. Tierheime überprüfen in der Regel sofort, ob ein aufgegriffener Hund gechippt und registriert ist und auch Polizeistationen besitzen meist ein Microchiplesegerät.

Was ist Registrieren?

Damit der Hund seinem Halter zugeordnet und schnell wieder nach Hause gebracht werden kann, muss es zu der implantierten Microchip-Nummer im Körper des Hundes auch einen Halter geben. Dieser kann natürlich nur ermittelt und kontaktiert werden, wenn dieser registriert ist. Deswegen ist es wichtig, seinen Hund mit der passenden Notfallnummer, der Adresse und besonderen Merkmalen registrieren zu lassen.

Das Haustierregister Tasso e.V.

haustierregister, tasso, hund chippen, microchip, hund registrieren

Mit einem Klick auf das Logo rechts gelangen Sie zur Online-Präsenz von Tasso. Hier kann jeder Hundehalter (übrigens auch Halter anderer Haustiere) seinen Hund registrieren. Es kostet nichts, Tasso freut sich jedoch über eine kleine Spende. Nach der Eingabe der Kontaktdaten und einer kurzen Beschreibung des Hundes sendet Tasso Ihnen eine kleine Hundemarke mit der Tasso-Nummer Ihres Hundes zu und darüber hinaus eine kleine Karte, auf welcher nochmal alle Daten vermerkt sind.

Sollte Ihr Hund entlaufen, können Sie dies sofort bei Tasso melden und erhalten sogar kostenfreie Suchplakate. Der Finder Ihres Hundes kann die Chipnummer des Hundes bei einem Tierheim oder einer anderen Stelle auslesen lassen. Diese informiert dann sofort Tasso e.V. und Sie werden umgehend informiert. Auf diese Weise haben schon viele Haustiere schnell wieder nach Hause gefunden. Aber auch lange vermisste Tiere konnten sogar noch nach Jahren aufgegriffen und zurückgebracht werden.

Bitte denken Sie unbedingt daran, Ihren Hund nicht nur chippen zu lassen, sondern auch zu registrieren. Sollten sich Ihre Kontaktdaten ändern, können Sie dies in wenigen Sekunden online an Tasso weitergeben.

 

0 Kommentare

Kann sich mein Hund bei mir anstecken?

hund, anstecken, erkältung,

Erkältungszeit. Erst das Kind krank, dann der Hund erkältet. Geht das? Influenzaviren des Menschen und des Hundes unterscheiden sich voneinander. Deshalb ist das Ansteckungsrisiko zwischen Hund und Mensch eher als gering einzuschätzen. Dagegen können sich Hunde untereinander sehr wohl anstecken. Dennoch berichten Patienten häufig davon, dass die gesamte Familie inklusive des Hundes erkältet war. Eine Ansteckung oder Schwächung des Immunsystems ist also nicht ganz auszuschließen. In aller Regel gilt ein erkälteter Hund jedoch keinesfalls als "ansteckend". Er darf also ruhig gekuschelt werden und ich würde behaupten, dass es auch im Fall einer "Menschenerkältung" gut tut, wenn der Vierbeiner Gesellschaft leistet.

 

Symptome einer Erkältung beim Hund

  • laufende Nase & Niesen,
  • Würgen und Husten,
  • Nasenbluten,
  • Der Hund atmet durch den Mund, obwohl er sich nicht angestrengt hat,
  • Körpertemperatur über 39,7 Grad
  • Augenreiben

Ursachen für die Symptome

Wenn Sie einige der oben genannten Symptome bei Ihrem Hund beobachten, kann er tatsächlich erkältet sein. Bei uns Menschen ist eine Erkältung meist unproblematisch. Sollte Ihr Hund die Symptome länger als zwei bis drei Tage zeigen, sollten Sie unbedingt zu einem Tierarzt gehen. Entzündete Augen gelten bei Hunden als Notfall und sollten sofort einem Tierarzt vorgestellt werden. Ebenso eine blutende Nase.

Andere Ursachen für vermeintliche Erkältungssymptome beim Hund

  • Aufregung: Manchen Hunden läuft bei großer Nervosität die Nase. Hat der Hund sich wieder beruhigt, sollte auch die Nase wieder aufhören zu laufen. Dennoch ist natürlich auch das Naselaufen aus Nervosität ein deutliches Warnzeichen für großen Stress Ihres Hundes.
  • Reizungen: Dies können Putzmittel, Abgase, Parfums, Zigarettenqualm, Duftkerzen oder -sprays und sogar neue Einrichtungsgegenstände sein. Setzen Sie die empfindliche Nase Ihres Hundes nicht zu häufig solchen Reizen aus, da dies über die akute Reizung hinaus auch zu Allergien führen kann.
  • Infektionen: Auch andere Infektionen als das Influenzavirus können Erkältungssymptome auslösen, wie beispielsweise Parasiten, Pilze, Bakterien oder andere Viren.
  • Allergien: Auch Ihr Hund kann "Heuschnupfen" haben. Es wird geschätzt, dass etwa 20 % der Hundepopulation unter Allergien leiden. 
  • Tumoren.
  • Fremdkörper: Besonders im Spätsommer verirren sich manchmal Grannen in die Nasenschleimhäute oder Augen und Ohren. Da Hunde auf diese Reizung meist neben den Schnupfensymptomen auch mit Kratzen reagieren und sich das Gewebe schwer entzünden kann, sollten Sie bei Verdacht auf einen Fremdkörper immer zum Tierarzt gehen.
  • Wegener Granulomatose: Bei dieser Erkrankung sind die Blutgefäße entzündet. Meist zeigen sich bei dieser seltenen Erkrankung auch Schnupfensymptome.

 

0 Kommentare

Mit Hund in Frankfurt

Was muss ich mit einem Hund in Frankfurt beachten?

Leinenpflicht

Laut der Grünanlagensatzung zur Benutzung öffentlicher Grünflächen gelten für Hundehalter in Frankfurt folgende Regeln:

Hunde dürfen nur auf besonders gekennzeichneten Flächen abgeleint werden. Ansonsten gilt auf den Grünflächen Leinenpflicht.

Auch die Länge der Leine ist hier geregelt, welche höchstens 2 Meter lang sein darf.

In vielen Bereichen des Grüngürtels gilt, entgegen der Annahme vieler Menschen, keine Anleinpflicht. Doch auch hier dürfen Hunde selbstverständlich nicht unbeaufsichtigt unterwegs sein und müssen sich im sogenannten Einwirkungsbereich der „führenden Person“ befinden.

Damit ist gemeint: Der Hund muss in Sichtweite sein und auf Ruf oder Pfiff sofort reagieren. Ein Rückruftraining verschafft Dir und Deinem Hund also viele Freiheiten.

 

Naturschutzgebiete Frankfurt und Hund

In den Naturschutzgebieten gelten noch einmal andere Regeln. Meist finden sich diese auf entsprechenden Hinweistafeln. Besonders während der Brut- und Setzzeiten sollte man als Tierfreund Rücksicht nehmen. Diese sind offiziell vom 15. März bis zum 15. Juli. Auch bedenken sollte man, dass es viele Bodenbrüter gibt, die sich ihre Nistplätze in kleinen Gebüschen bauen.

Hundekot in Frankfurt

Für die Hinterlassenschaften unserer Vierbeiner gilt: Diese müssen praktisch überall entfernt werden. Umso dramatischer, dass die Stadt Frankfurt im November 2015 alle Kotbeutelständer abgebaut hat, um Kosten einzusparen. Als Hundehalter in Frankfurt sollte man sich also darauf einstellen, immer ausreichend Kotbeutel parat zu haben und vor allem, dass man diese mitunter über einige hundert Meter mit sich herumträgt, bis man einen Mülleimer gefunden hat. Die Hundeauslaufflächen finden sich in einer Karte, die von der Stadt Frankfurt zur Verfügung gestellt wird.

0 Kommentare

"Schau" mir in die Augen

Das Signal "Schau" im Hundetraining

hundeschule, hundetraining, signal schau, blickkontakt,
"Schau" mich an

Ein Signal, das in den Kursen unserer Hundeschule immer und immer wieder geübt wird. Auch in den Workshops und im Einzeltraining ist das "Schau-Signal" eines der wichtigsten Säulen. Doch was bedeutet Schau denn eigentlich?

Definition "Schau" Signal

"Schau" bedeutet, dass die volle, gegenseitige Aufmerksamkeit von Hund und Mensch aufeinander gefordert ist. Im Idealfall in Form von direktem Blickkontakt. 

Schaut der Hund seinen Menschen erwartungsvoll an, kann der Mensch sich seiner vollen Aufmerksamkeit sicher sein und der Hund wird meistens versuchen, das darauffolgende Signal möglichst konzentriert auszuführen.

Voraussetzungen für das Schauen

Natürlich funktioniert dieses Signal nur dann wirklich gut, wenn der Hund sich bei dem direkten Blickkontakt zu seinem Menschen nicht unwohl fühlt. Eine entspannte Hund-Mensch-Beziehung ist also eine Grundvoraussetzung.

Doch warum könnte der Hund sich dabei unwohl fühlen, seinen Menschen erwartungsvoll anzusehen?

Gründe für das Unwohlsein beim Blickkontakt

Der direkte Blickkontakt kann, je nach Kontext, auch eine Provokation bedeuten. Ist dies der Fall, sprechen wir auch von Fixieren. Beim Fixieren ist der Blick starr und die Muskulatur wirkt angespannt. Geht das Fixieren in eine Drohung über, ist die Körpersprache nach vorne gerichtet. Das bedeutet für die Kommunikation zwischen Hund und Mensch, dass der Hund seinen Menschen leicht falsch verstehen kann, wenn der Mensch sich nach vorne beugt und seinen Hund zum Blickkontakt auffordert. Meist schaut der Hund dann de-eskalierend, man könnte auch sagen: beschwichtigend, zur Seite. 

Manche Hunde möchten jedem Ansatz von möglichen Konflikten vermeiden und weichen auch deswegen dem direkten Blickkontakt aus. Die Gründe können vielfältig sein.

Die eigene Körpersprache beim Schau Signal 

Um auf seinen Hund keinen bedrohlichen Eindruck zu machen, kann man seine Körpersprache bewusst einsetzen und somit Missverständnisse vermeiden. Der Mensch sollte darauf achten, sein Gewicht nicht nach vorne zu verlagern, sondern im Zweifel eher nach hinten. Eine weitere Möglichkeit ist auch, seitlich in die Hocke zu gehen. Besonders unsicheren Hunden hilft das meist.

Ist der Hund unaufmerksam oder vermeidet Blickkontakt auch in Alltagssituationen häufig, so hilft es manchmal auch, einige Schritte rückwärts zu gehen und mit etwas mehr Abstand zu warten, ob der Hund sich zu einem umdreht oder folgt und kurz schaut.

Den Blickkontakt einfangen und verstärken

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die meisten Hunde am effektivsten lernen, wenn sie von selbst auf die Lösung für ein Problem kommen. Also, wenn sie zum Beispiel im Falle des Blickkontaktes feststellen, dass sie für das "zufällige" Schauen belohnt werden. Die Art der Belohnung kann dabei ganz unterschiedlich ausfallen und von Hund zu Hund angepasst werden. Auch ein freundliches Wort funktioniert im Fall des Schauens meist sehr gut.

Wenn der Hund also rein zufällig oder aus einem anderen Grund schaut, kann man ihn besonders loben. Wiederholt der Hund dann immer häufiger den Blickkontakt, kann man diesen mit dem Schau-Signal verknüpfen.

Muss man jetzt immer Kekse werfen, wenn der Hund schaut?

Nein, natürlich nicht. Aber man darf sich ruhig einige Male als Futterautomat missbrauchen lassen, bis der Hund sichtbar Freude am Schauen hat. Nun wendet sich das Blatt: Der Hund erhält nun nur noch sehr sporadisch eine Belohnung für das Anbieten des Blickkontaktes. Dafür geben Sie ihm umso häufiger die Gelegenheit auf das Schausignal zu reagieren. Tut er das, muss der Hund natürlich ganz besonders gelobt werden.


Tipp: Manche Hunde verlieren die Motivation, wenn sie Signale ausführen sollen und für Angebote keine Belohnung bekommen. Deswegen sollte man immer mal wieder kleine Extrabelohnungen, auch für andere "Angebote" des Hundes, bereit halten. So weckt man die Freude des Hundes am Kooperieren und aktiven Mitarbeiten.


Viel Spaß beim Üben!


0 Kommentare

Halsband oder Geschirr?

Noch vor einigen Jahren trugen Hunde nur dann ein Geschirr, wenn sie als Diensthunde oder Servicehunde eingesetzt wurden. Dass ein Hund ein Halsband trägt, war völlig selbstverständlich. Familienhunde mit einem Geschirr wurden eher belächelt.

Das hat sich mittlerweile massiv geändert. Hundegeschirre kann man in allen Farben und den verschiedensten Formen finden. Aus Neopren, Leder, Nylon und Mischmaterialien, ausbruchssicher, mit Tragehilfe oder wahlweise Reflektoren für die nächtliche Gassirunde.

Auch Halsbänder hat jeder Hundehalter in mehrfacher Ausführung zu Hause. Doch viele Hundehalter sind sich unsicher, wann Halsband oder Geschirr eingesetzt werden.

Vorteile und Nachteile

Vorteile des Halsbandes

Ein Halsband hat definitiv den Vorteil des unkomplizierten An- und Ausziehens. Flott über den Kopf gestreift ist es ruck-zuck an- und ausgezogen.

Über das Halsband und durch den Sitz an der empfindlichen Halswirbelsäule kann der Hundeführer enorm viel Druck auf den Hund ausüben. Das hat natürlich den Vorteil, dass der Mensch den Eindruck hat, seinen Hund besser kontrollieren zu können.

In bestimmten Situationen und bei bestimmten Übungen, wenn die Basis für eine gute Leinenführigkeit bereits gelegt ist, fällt es dem Hund häufig leichter, zu erkennen, in welche Richtung der Mensch seinen Hund "führen" möchte. 

Nachteile Hundehalsband

Der Nachteil des Halsbandes ist, dass es bei einem nicht leinenführigen Hund und einem groben Einsatz zu immensen Schäden an der Halswirbelsäule kommen kann.

Springt und hüpft der Hund häufig "in das Halsband" oder die Leine oder übt der Mensch regelmäßig zu viel Druck auf das Halsband aus, fügen diese ruckartigen Bewegungen der Halswirbelsäule Mikrotraumen zu. Diese kleinen Haarrisse können fatale Folgen haben.

Meist sind diese Schäden für den Laien nicht erkennbar. Wer aber schon einmal einen verspannten Nacken gehabt hat weiß, wie schmerzhaft es sein kann, wenn Muskelverspannungen die Bewegungsfreiheit einschränken.

Da Hunde, die häufig an der Leine ziehen und an einem Halsband geführt werden, dazu neigen, die Halsmuskulatur anzuspannen, um so den Druck abzufedern, haben sie meist eine schräg verspannte Muskulatur.

Langfristig führt dies zu Bewegunsgeinschränkungen und Haltungsschäden. Das ist insbesondere auffällig, wenn der Hund zudem häufig auf einer bestimmten Seite läuft.

Vorteile des Geschirres

Ein Geschirr verteilt den Leinenzug auf verschiedene Druckpunkte. So wird der Leinenzug gleichmäßig verteilt. Voraussetzung ist natürlich ein guter Sitz des Hundegeschirrs. Viele Geschirre bieten die Möglichkeit, den Hund schneller festzuhalten und schonen die Halsmuskulatur. Besonders bei noch nicht leinenführigen Hunden bietet das Geschirr den Vorteil der Schonung der Halswirbelsäule des Hundes.

Nachteile Hundegeschirr

Aus vielen Hundegeschirren kommt ein ausbruchsfreudiger Hund innerhalb weniger Sekunden heraus. Wobei dies je nach Kopfform des Hundes auch bei vielen Halsbändern möglich ist.

Über das Hundegeschirr ist der Hundeführer auf die Leinenführigkeit des Hundes angewiesen, wenn er seinen Hund nicht durch die Gegend zerren möchte. Ein Geschirr macht es dem Hund leicht, sich mit seinem Körpergewicht in das Geschirr zu hängen und somit ordentlich zu ziehen. 

Einsatz von Geschirr und Halsband

Ich bevorzuge meist einen kombinierten Einsatz von Halsband und Geschirr. Im Zweifel bin ich jedoch für ein Geschirr. Warum? Ist ein Hund noch nicht leinenführig, schont das Geschirr die Halswirbelsäule. Das hat nicht nur körperliche oder gesundheitliche Gründe, sondern dient auch dem Wohlbefinden des Hundes. Der Hund soll während des Trainings und der Spaziergänge lernen, dass das Laufen an der Leine etwas Angenehmes ist. Schon aus diesem Grund sollte der Hund ein möglichst bequemes, gut sitzendes Geschirr tragen.

Eine Ausnahme stellen Hunde dar, die das Tragen eines Geschirres als extrem unangenehm empfinden.

Das Halsband bietet dem Hund, sanft eingesetzt, die Möglichkeit, leichter nachzuvollziehen, in welche Richtung es geht. Dies aber nur, wenn er bereits gelernt hat, dem Mensch zu folgen und nicht vorneweg zu spazieren.

Soll der Hund an einer längeren Leine oder einer Schleppleine geführt werden, muss diese immer unbedingt am Geschirr befestigt werden.

Worauf sollte man bei der Wahl eines Halsbandes oder Geschirres achten?

Ein Halsband sollte nicht zu locker und nicht zu eng sitzen und mindestens zwei Finger breit Weite aufweisen. Das Hundehalsband sollte nicht zu schmal sein. Im besten Falle ist es sogar gepolstert. Hier bietet sich Neopren an, da es schnell trocknet und sich nicht statisch auflädt.

Ein Geschirr sollte die Vorderbeine nicht einschränken und nicht scheuern. Deswegen sollte darauf geachtet werden, dass zwischen dem Ellbogen des Hundes und dem Bauchgurt bei einem mittelgroßen Hund etwa eine Hand breit Platz ist. Der Brustgurt sollte bei einem Norwegergeschirr weder die Vorderbeine behindern noch zu hoch sitzen. Bei einem Y-Geschirr sollte der Brustgurt auf dem Brustknochen liegen. Auch sollte ein Geschirr den Hund beim Einatmen nicht behindern und dabei ebenso wenig zu eng sein. Auch hier sind zwei Finger breit Luft ein guter Parameter.

 

Ob ein Geschirr gut sitzt, zeigt sich besonders bei der Schleppleinen-Arbeit. Wenn das Geschirr dabei zu sehr verrutscht, sitzt es nicht gut. Mittlerweile gibt es einige Anbieter, die qualitativ hochwertige Hundegeschirre nach Maß anfertigen. Davon profitieren besonders Hunderassen wie Bulldoggen oder Windhunde.

 

Noch ein Tipp: Dauernd das Klappern und Klimpern der Hundemarken in den Ohren zu haben muss unglaublich nervig sein. Insbesondere, wenn diese direkt am Halsband, in unmittelbarer Nähe des Ohres, befestigt sind. Mit einem kleinen Täschchen für Hundemarken lässt sich das Problem leicht lösen.

0 Kommentare

Hundetraining & Tierheilpraxis

Kontakt

 

0176-3210 86 96

Hundeschule

An unseren üblichen Trainingsorten, bei Ihnen zu Hause, in Problembereichen, in der Praxis.

 

Guerilla Hunde- Training quer durch Frankfurt

Praxis

 Physiotherapie-Zentrum für Hunde 

Flinschstr. 51,

60388 Frankfurt am Main

Newsletter

Bleiben Sie informiert und erfahren Sie neue Termine immer zuerst: