Kein Support für Qualzucht

Im § 11b des Tierschutzgesetzes steht Folgendes:

"Es ist verboten, Wirbeltiere zu züchten oder durch biotechnische Maßnahmen zu verändern, soweit im Falle der Züchtung züchterische Erkenntnisse oder im Falle der Veränderung Erkenntnisse, die Veränderungen durch biotechnische Maßnahmen betreffen, erwarten lassen, dass als Folge der Zucht oder Veränderung

  1. bei der Nachzucht, den biotechnisch veränderten Tieren selbst oder deren Nachkommen erblich bedingt Körperteile oder Organe für den artgemäßen Gebrauch fehlen oder untauglich oder umgestaltet sind und hierdurch Schmerzen, Leiden oder Schäden auftreten oder
  2. bei den Nachkommen

a) mit Leiden verbundene erblich bedingte Verhaltensstörungen auftreten,

b) jeder artgemäße Kontakt mit Artgenossen bei ihnen selbst oder einem Artgenossen zu Schmerzen oder vermeidbaren Leiden oder Schäden führt oder

c) die Haltung nur unter Schmerzen oder vermeidbaren Leiden möglich ist oder zu Schäden führt."

Gefragter denn je

Umso erstaunlicher, dass die Nachfrage nach Hunden, die auch für einen Laien leicht erkennbar, nicht gesund sein können, immer weiter ansteigt. Eine Frage, die mich schon lange umtreibt: Wie gehe ich damit als Trainer um? Der Hund ist ja schließlich schon da und kann ja nix für seinen deformierten Körper und viele Hundehalter sind nach den ersten Jahren oder Monaten dann auch schlauer und sagen ganz klar: "Einen Hund dieser Rasse würde ich mir heute nicht mehr anschaffen. Ich war damals einfach blauäugig."

Doch was ist mit den Unverbesserlichen, die auf die Gesundheit ihrer Bulldogge schwören, die bei über 20 Grad grade noch den Weg zwischen Waschküche und Futternapf bewerkstelligt bekommt? Oder den Sharpei-Liebhabern, die darauf bestehen, dass die dauernd entzündeten Falten zwar etwas unappetitlich sind, aber ansonsten keine Einschränkung darstellen? Und außerdem: Immerhin gehen die Leute ja ins Hundetraining. Das spricht ja schon mal für ein Grundinteresse am Hund, das über die Optik hinaus geht. 


Wo zieht man die Grenze?

Ich möchte mich hier keinesfalls ausschließlich auf die sogenannten brachyzephalen Rassen, wie Mops, Boxer, Bulldogge und Co einschießen. Denn die Taubheit der Dalmatiner, der Herzfehler des Dobermanns und die Hüftdysplasie des Schäferhundes ist ebenfalls ein Ergebnis pervertierter Schönheitsideale auf Kosten der Hunde und naiver Hundehalter.

Epilepsie, Erkrankungen des Bewegungsapparates, Herzprobleme, Atemprobleme, deformierte Wirbelsäulen und Schädel, die so klein sind, dass das Hundegehirn zeitlebens zusammengequetscht ist, besonders schicke Farben, die für das gewisse Extra mit verschiedensten Erkrankungen einhergehen, dauerhaft entzündete Ohren, hängende Augenlider, Haarausfall, neurologische Störungen, Verhaltensauffälligkeiten, Kommunikationsunfähigkeit, extremer Zwergwuchs oder riesige Karikaturen einst recht großer aber nicht gigantischer Rassen,....um nur einen Ausschnitt zu nennen.

 

Konfrontiert man Züchter, Hundehalter und zukünftige Hundehalter nicht mit den Konsequenzen ihrer Vorlieben, Kauf- und Zuchtentscheidungen, wird sich wohl nie etwas ändern. Denn bekanntlich muss leider immer sehr viel Druck ausgeübt werden, bis wir ein Einsehen haben und unser Verhalten verändern.

Aus diesem Grund habe ich für mein berufliches Handeln und den Umgang mit Hundehaltern und deren Hunde einige Grundprinzipien aufgestellt.

Kein Support für Rassewahn

Hundehalter, die sich bewusst für eine Rasse entschieden haben, welcher auch ein Laie ansieht, dass diese Rasse nicht gesund sein kann, können an meinem Training nicht teilnehmen. Auch davon betroffen sind Rassen, bei welchen bekannt ist, dass sie extrem gehäuft bestimmte Krankheitsbilder zeigen, wie beispielsweise die Tibetdogge, der Dalmatiner oder bestimmte Windhunderassen.

Ich setze voraus, dass sich zukünftige Hundehalter, die sich für eine bestimmte Rasse interessieren, ebenso vorab informieren, wie sie es bei der Anschaffung eines Neuwagens tun und deshalb in Zeiten des Internets um die Problematik wissen, BEVOR sie sich einen Hund kaufen. Kaufentscheidungen dieser Art möchte ich nicht mehr unterstützen oder ungewollt Werbung für diese Rassen machen, indem ich mit ihnen arbeite. Denn damit transportiere ich auch immer den Eindruck: "Wenn die Fachperson nichts sagt, wird es wohl nicht so schlimm sein".

 

Außerdem akzeptiere ich keine Hunde, die coupiert wurden. Erst recht nicht, wenn sie dafür extra bei einem Züchter im Ausland "bestellt" wurden oder ins Ausland verbracht wurden, um Ohren oder Route coupieren zu lassen! Fadenscheinige Begründungen wie "Mein Hund hatte im Welpenalter schon doll Ohrenentzündungen" sind unglaubwürdig und inakzeptabel.

Ausnahme

  • Hunde ALLER Rassen, die aus dem Tierschutz adoptiert wurden, sind immer willkommen. 
  • Hundehalter von Hunden bestimmter Rassen, die mittlerweile ganz klar sagen: "Einen Hund dieser Rasse würde ich mir heute nicht mehr anschaffen!" erhalten von mir jede Unterstützung als Hundetrainerin, Tierheilpraktikerin und Physiotherapeutin.

Auch coupierte, erkrankte, verhaltensgestörte, taube, blinde, oder anderweitig deformierte oder eingeschränkte Hunde sind in meinen Trainings willkommen, insofern der dazugehörige Mensch nicht propagiert, einen vollkommen gesunden Hund vom Züchter vorzuführen. Ich denke, wir verstehen uns. Es geht also nicht um die Ausgrenzung der schon existierenden Hunde, sondern darum, ein deutliches Zeichen an die betreffenden Hundehalter zu setzen.


Die Arbeit mit Opfern unseres Schönheits- & Rassewahns gehört zu meinem Alltag und es ist mir ein Anliegen, diesen Tieren und Menschen zu helfen. 

Nicht ertragen kann ich jedoch Ignoranz gegenüber den bekannten Auffälligkeiten und Einschränkungen überzüchteter Hunde und den bewussten Erwerb kranker Hunderassen bei Züchtern, trotz der vielen Informationsmöglichkeiten.

Check

Ich habe bewusst keine Rasseliste erstellt. Denn diese würde sehr lang werden, wäre nicht gerecht, zu pauschal und müsste dauernd erweitert werden.

Hier sind dennoch einige Anhaltspunkte:

 

Warum ich überhaupt so agiere und worum es mir geht, erfährst du in den Videos, die ich dir zu Informationszwecken hier zur Verfügung stelle.

Falls du Fragen hast oder konstruktive Kritik äußern möchtest, freue ich mich über deine Mail.


Glücksmomente, Abenteuer & Training mit Hund

 Sachkundig nach § 11 Tierschutzgesetz.

Mitglied im Verband zertifizierter Hundetrainer eV