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Bevor du einen Hund adoptierst... TEIL #1

Tierschutzhunde liegen besonders am Herzen. Meine eigenen Hunde kamen immer irgendwie aus zweiter, dritter Hand oder über andere Umwege zu mir. Lange Zeit war ich als Pflegestelle aktiv und habe Hunden aus dem Ausland bei mir die Möglichkeit gegeben, sich zu erholen, stark zu werden, diese komische neue Welt kennenzulernen und gut vorbereitet ein passendes Zuhause zu finden. Die besonders originellen Vierbeiner sind bei mir oder meiner Familie "kleben" geblieben.

Aber was bedeutet es überhaupt, ein passendes Zuhause zu finden? Manche Pflegehunde lebten fast ein komplettes Jahr bei mir, bis sie weiterziehen konnten und die passenden Menschen gefunden waren. Da war zum Beispiel Bella. Bella kam aus Ungarn und verbrachte die ersten 48 Stunden neugierig aber unter äußerstem Misstrauen zwischen Couch und Wand. Oder Manuschka: Erstmal eine Runde Giardien und Alles, was das Parasiten-Fan-Herz so hergibt und damit auch wochenlang Durchfall. Überall. Dauernd. Oder Aisi: Rosi's Mutter: Sie musste ich mit sanfter Gewalt aus ihrer Transportbox zerren, die sie sonst vermutlich nie verlassen hätte. Starr vor Angst verbrachte sie die erste Nacht sitzend und mit zwei Geschirren und Schleppleine um meinen Arm gewickelt. Als kleines Päckchen verschnürt entdeckte sie die Welt an einer 15 Meter Schleppleine. So viel Abstand brauchte sie anfangs zu allem und jedem. Nach der ersten Woche wunderte ich mich über ihren komischen Bauch und auch sonst einiges. Das Ergebnis: Trächtig. Also schnell alle umgebaut und zwei Welpen geboren. Einer verstarb direkt nach der Geburt. Ergebnis Nr. 2: Eine Amme oder ein verwaister Wurf war nicht zu finden. Wie erzieht und sozialisiert man einen einzelnen Welpen einer unterernährten und total gestressten Hundemama? Dass dieser Welpe leider beste Voraussetzungen hat, um einen an der Waffel zu haben, war schnell klar. Was also tun? Das weiße Fellknäuel auf gut Glück vermitteln oder behalten? Hab ich da Bock drauf? Nein. Eigentlich wollte ich nur einer Tierschutz-Orga aushelfen, deren Pflegestelle kurzfristig abgesprungen war.

Natürlich gab es auch gelassene, einfach so liebe und unkomplizierte Hunde, die sich recht schnell mit ihrem neuen Leben arrangiert hatten und wirklich als totaler Anfängerhund zügig umziehen konnten.

Dafür gibt es aber keine Garantie. Niemals. Es kann Alles passieren und das wird fast immer verschwiegen. Und: Das macht mich wütend.

80 % meiner Kund*innen sind Menschen, die voller guter Vorsätze einen Hund aus dem Tierschutz adoptiert haben und kurz- oder mittelfristig feststellen mussten: "Also mit Liebe alleine klappt das hier jetzt irgendwie nur so semigut". Das wird aber oft versprochen und es ist einfach eine Lüge. Das Versprechen von "vor allem Liebe" hält bei Hunden vom Züchter meist ebensowenig.

 

Hunde aus dem Tierschutz, egal ob aus dem Ausland oder aus einem deutschen Tierheim -bei denen so mancher "geretteter" Vierbeiner dann landet- benötigen aufgeklärte Hundehalter*innen. Eine Beschreibung wie "Wurde auf Katzenverträglichkeit getestet und liebt Alles und Jeden" ist nicht aussagekräftig. 

Dafür muss man sich einmal anschauen, unter welchen Umständen diese Tests durchgeführt werden: Die Hunde befinden sich in einer Extremsituation. Sind enorm angespannt oder chronisch gestresst, eingeschüchtert oder überdreht, haben eventuell Verletzungen, nicht erkannte Erkrankungen und können sich garnicht so verhalten, wie sie es tun würden, wenn sie erst einmal irgendwo "angekommen" sind. Meist haben sie keine feste Bezugsperson, der sie vertrauen. Oftmals haben sie überhaupt noch nie eine Bezugsperson gehabt und wissen garnicht "was das ein soll" oder "wie das mit den Menschen funktioniert".

Daraus ist den Orgas kein Vorwurf zu machen, Sie versuchen aus diesen Tests eine Tendenz abzuleiten. Was man den Orgas vorwerfen kann: Wenn sie das nicht genau so kommunizieren. Wir sprechen immer von einer Tendenz. Einer Einschätzung unter Extrembedingungen.

Lass uns bei dem Katzentest-Beispiel bleiben:

Mit der richtigen Anleitung können viele (viele heißt auch: nicht alle) Hunde lernen, die eigenen Katzen zu akzeptieren. Sehr unerfahrene Hundehalter, ohne Anleitung, sind verständlicherweise schnell überfordert, wenn Hund und Katze nicht direkt in Liebe miteinander fallen.

Die Tierschutzorga wird kontaktiert, warum das denn jetzt nicht klappen würde, weil der Hund doch als katzenverträglich angepriesen wurde und jetzt die Mieze fressen will. Die Tierschutzorga kann da jetzt auch nix machen und Geld für Training oder eine "Rücknahme des fehlerhaften Produkts" ist auch nicht da, alle Pflegestellen sind eh schon überfüllt und wer will schon den frisch adoptierten Hund einfach zurückgeben, nur weil der nicht gleich funktioniert? Man hat sich ja schon verliebt und er kann ja nix dafür. Außerdem kann man da jetzt auch nichts dafür, dass die Leute das nicht hinkriegen und wenn es halt garnicht geht, dann soll man den Hund halt ins Tierheim bringen...What???

Ich habe es sogar schon erlebt, dass angeboten wurde, den Hund beim nächsten Transport wieder mit ins Ausland zurückzunehmen und halt wieder auszusetzen. Rhm?

Natürlich läuft es nicht immer so und es gibt einige Tierschutzorgas, die sehr gut organisiert sind und verantwortungsvollen Tierschutz betreiben. Möglicherweise ist meine Sichtweise auch etwas eingefärbt, da sich Hundehalter*innen ja oft dann bei mir melden, wenn sie ein Problem haben und nicht, wenn Alles glatt läuft.

Aber auch aus meiner eigenen Erfahrung als langjährige Pflegestelle kann ich bestätigen, dass es oft weder Kapazitäten noch Notfallkonzepte für den Fall gibt, dass ein Hund unerkannt schwer krank, trächtig, aggressiv oder sonstwie inkompatibel, problematisch, extrem teuer oder betreuungsintensiv ist. Da kann es schon mal passieren, dass plötzlich niemand mehr so "engagiert" ist, wie als es darum ging, rührende Fotos von den armen Kreaturen in der Tötung XY zu machen und diese "armen Seelen" an den Mann, die Frau oder die Familie mit Kindern oder einfach mitten in die City zu vermitteln. Die arme Seele hat den Opa gebissen, bleibt keine Sekunde alleine, hat eine unerkannte Verletzung, ist chronisch krank oder pisst sich seit 4 Wochen ein, wenn die Wohnung verlassen werden muss, weil die Wohnung an der Konstablerwache eventuell doch nicht ganz so optimal für einen Angsthund gelegen ist? Tja, blöd jetzt. In der Tötung war er eigentlich recht zutraulich. Das wissen wir jetzt auch nicht. Wir haben ja geschrieben, dass er Geduld braucht, um sich einzugewöhnen.

Ich weiß, ich weiß, das klingt extrem. Aber ich möchte dir ja die ungeschönte Wahrheit erzählen und dich darauf vorbereiten, dass es mit der Überweisung der Schutzgebühr und vielleicht noch einer kleinen Vorkontrolle oft nicht getan ist. Jedenfalls für dich als zukünftige/n Hundehalter*in nicht.

Ich möchte, dass Tierschutzvereine ungeschönt aufklären, vorbereiten und beschreiben. So, dass es für den Laien unmissverständlich ist, was möglicherweise auf ihn zukommt. Der "anfangs zurückhaltende Kuschelbär Aaron" ist nämlich nicht nur zurückhaltend, sondern einfach ein Herdenschützer, der keinen Bock hat sich von Tante Erna oder Klein Isabella-Schajenne anfassen zu lassen. Aaron möchte weder mit Artgenossen noch mit Menschen groß was zu tun haben, sondern seinen Job machen. Netterweise geht er meist einfach seine eigenen Wege (zurückhaltend). Wenn das nicht geht, muss er seinem Gegenüber ja irgendwie klar machen, dass 5 Meter Abstand für ihn eine bodenlose Unverschämtheit sind und er sich hier doch bitte mindestens 10 Meter "einfordert". Der Kuschelbär Aaron hat sein flauschiges Fell nämlich deshalb, weil seine Vorfahren dafür gezüchtet wurden in Eigenregie und einer Herde Schafe durch schroffe Berge zu spazieren und ohne viel Aufsehen dafür zu sorgen, dass sich nichts und niemand der wertvollen Herde nähert. Und wenn doch, wird das Problem gelöst. Ohne große Absprache. Eine beeindruckende Größe, Speck an den richtigen Stellen und noch mehr Fell sind da ein guter Schutz vor Wetter, Nässe, Kälte und Verletzungen. Aaron landet dann als sozial unverträglich und gefährlich im Zwinger. Dabei ist Aaron nicht unverträglich und auch nicht gefährlich. Er passt nur nicht in unsere Welt.

Auch hier: Es gibt immer Ausnahmen und natürlich auch sehr gechillte Herdenschutzhunde. Es soll hier auch garnicht um einen bestimmten Typ Hund gehen. Ich möchte dir deutlich machen, dass sich die Beschreibungen von Hundeinseraten genauso lesen lassen, wie ein Arbeitszeugnis. "War stets pünktlich" = Hat sich jetzt auch nicht gerade überschlagen vor Engagement...."braucht Zeit und viel Liebe" = hat möglicherweise vor allem Angst, könnte schnappen, wenn zu sehr bedrängt, könnte Kuscheln ätzend finden, könnte viel Training benötigen, "ist sehr anhänglich und mag noch nicht so gerne alleine sein" = könnte ein kleiner Stalker sein und frisst sich vor lauter Sehnsucht notfalls durch Rigipswände, könnte, könnte, könnte, ...

 

Doch bevor du jetzt vollends desillusioniert sagst: "Dann halt doch einen Welpen vom Züchter". Halt! Stopp!! Lass mich vorher etwas sagen:

Tierschutzhunde sind das tollste Abenteuer das es gibt! Und sie brauchen unsere Hilfe, denn es gibt einfach viel zu viele Hunde auf dieser Welt, denen es beschissen geht. Nicht allen, aber vielen. Hier einige Fakten:

Heutige Schätzungen gehen davon aus, dass die weltweite Population an Hunden bei über 900 Millionen bis einer Milliarde liegt. 

Davon leben schätzungsweise höchstens 15-25% in Haushalten.* Klar, mancher Straßenhund ist auf der Straße sehr gut aufgehoben und wäre kreuzunglücklich, würde er eingefangen und in eine deutsche Großstadt "exportiert" werden.

Aber was ist mit den ganzen Hunden, die bereits jetzt irgendwo in einem Tierheim oder eine Tötung sitzen und ein Zuhause brauchen? Es werden jährlich viel zu viele Hunde eingeschläfert. Und das nicht etwa, weil sie krank oder gefährlich wären, sondern einfach, weil es keinen Platz für sie gibt. Selbst große Organisationen, die sich auf die Fahne schreiben, dass das Leben eines Tieres genauso wertvoll ist, wie das eines Menschen, schläfern jährlich viele Tiere ein. Nicht freiwillig! Es gibt für diese Hunde einfach keinen Platz. Keiner will sie, keiner braucht sie. 

Jeder Hund, der von einem Züchter produziert und von uns käuflich erworben wird, bedeutet einen Platz weniger für einen Tierheimhund und damit im blödestens Fall einen unnötig getöteten Hund.

Die Verantwortung dafür, dass viele Hundehalter sehr unerfahren und von Züchtern oder Tierschutzorganisationen wenig vorbereitet werden, kann man diesen natürlich nicht alleine zuschieben. Denn letztendlich liegt es an dir als zukünftige/e Hundehalter*in, dich vorab schlau zu machen. 

Das betrifft sowohl Rassehunde vom Züchter, sowie Hunde aus dem Tierschutz.

Suchst du einfach "einen Hund", kann es sogar viel sinnvoller sein, im Tierheim nach einem Vierbeiner Ausschau zu halten und diesen kennenzulernen. Denn dann kannst du dir eher ein Bild davon machen, wie euer Zusammenleben aussehen könnte und ob dieser Hund wirklich zu dir passt.

Viele Tierheime bieten mittlerweile eine Art "Bedenkzeit" oder Probezeit an. Denn, wie oben schon beschrieben, egal ob im Ausland oder hierzulande: Der Aufenthalt in einem Tierheim oder einer Tötungsstation ist eine Ausnahmesituation und das Verhalten, welches Hunde in dieser Lebenssituation zeigen repräsentiert höchstens eine Verhaltenstendenz.

Ein Auslandshund, der hier zunächst bei einer geschulten (!!!) Pflegestelle untergebracht ist, hat bessere Chancen, einen passenden Platz zu finden, da man einfach schon viel mehr über ihn sagen kann.

Niemand kann dir eine Garantie geben, dass sich mit deinem Hund Alles so entwickelt, wie du es dir wünscht. Die Wahrscheinlichkeit steigt aber immens, wenn du gut vorbereitet bist und nicht blauäugig auf eine kurze Online-Beschreibung hereinfällst. Denn damit schadest du nicht nur dir, sondern unterstützt Menschen, die, wenn überhaupt, nur sehr kurzfristig am Wohl der vermittelten Hunde interessiert sind. Nicht zuletzt ist vor allem ein Hund der Leidtragende, der sich das Ganze nun wirklich nicht ausgesucht hat.

Wie kannst du eine gute Tierschutzorga finden?

Eine Tierschutzorganisation oder Tierheim, welches verantwortungsvoll handelt, muss nicht groß oder besonders bekannt sein. Aber es sollte belastbare Infos liefern:

Woher kommen die Hunde? Ist die Vorgeschichte bekannt und wenn nicht, woher kommt der Hund? Wurde er eingefangen, irgendwo rausgekauft, abgegeben usw. Erhältst du alle verfügbaren Unterlagen oder nur einen Schutzvertrag? Kann begründet werden, weshalb bestimmte Unterlagen nicht oder nur teilweise vorhanden sind?

Wie und wo verläuft die Übergabe? Tiertransporte, die irgendwo an Raststätten halten, um die Hunde dann an ihre neuen Besitzer zu übergeben, sind brandgefährlich und unseriös. Nicht selten entweichen bereits dort panische, übermüdete und verängstigte Hunde.

Trägt dein zukünftiger Hund ein Sicherheitsgeschirr oder werden dir Maße durchgegeben, damit du dich selbst um ein entsprechendes ausbruchsicheres Geschirr kümmern kannst? Dies ist leider oft der zweite Knackpunkt und ein zweiter, großer Schwung Hunde landet irgendwann doch tot im Straßengraben, weil er sich erschrocken hat oder einfach weggelaufen ist. Erhältst du Informationen oder Schulungsangebote, was auf dich zukommen kann und was du in den ersten Tagen und schon bei der Übergabe beachten solltest? Denn, wer noch nicht so viel Erfahrung mit Tierschutzhunde hat und auch nicht darüber aufgeklärt wird, warum welche Maßnahmen wichtig und sinnvoll sind, macht unnötige Fehler.

Wie sieht es mit dem EU-Heimtierausweis (Impfungen) aus und ist der Hund gechipt? Wurde er eingehend untersucht und was wurde getestet?

Rosi's Mutter wurde trächtig eingefangen, angeblich untersucht, komplett durchgeimpft und gechipt und hier in Deutschland stellte ich fest: Die Hündin ist hochträchtig. Der Tierschutzverein war da nicht mehr zu sprechen, drohte mir dafür aber mit Anwalt, wenn ich die Geschichte weiterhin auf meinem Blog veröffentliche. Achso..und dass ich Aisi & Rosi als "Projekt" bezeichnete, empfanden die Tierschützer als tierverachtend.

Eine interessante Haltung, wenn man bedenkt, dass hier auf allen Ebenen versagt wurde und zu keiner Zeit im Sinne der Mutterhündin oder der möglichen Welpen gehandelt wurde, denn es stellte sich heraus: Natürlich wusste man, dass Aisi trächtig war. Man hat es halt vergessen zu erwähnen.... Cool, Danke! DAS empfinde ich als tierverachtend. Denn ein Transport, Impfungen, keine adäquate Versorgung einer trächtigen, mangelernährten Hündin und Stress pur der Angsthündin während der gesamten Trächtigkeit sind alles Andere als das, was nötig gewesen wäre.

Der Umgang des Tierschutzvereins mit der Situation ein trauriger Einzelfall? Leider Nein!

 

Werden die Hunde standardmäßig kastriert? Warum? In welchem Alter? Unter welchen Bedingungen? Gibt es individuelle Vorgehensweisen? Werden pauschal alle Hunde kastriert, egal ob 4 Monate oder 4 Jahre alt?

Doch das wichtigste ist: Was passiert, wenn irgendetwas garnicht klappt? Hat die Tierschutzorganisation ein belastbares Konzept für den Fall, dass sich das "Ankommen" deines Hundes nicht ganz unkompliziert gestaltet?

Alleingelassen, Pech gehabt

Das Alles liest sich nach Tierschutz-Orga-Bashing und ich möchte nicht ungerecht sein. Tierschutz ist Knochenarbeit, belastend, zeitintensiv und teuer. Man sieht viel Leid und ist einfach nur froh, dass der Hund "da erstmal raus" ist. So ist es auch verständlich, dass viele Orgas hoffen, dass es schon irgendwie klappen wird und das tut es auch ganz oft.

Viele der Akteuere beherbergen meist selbst mehrere Hunde und sind für jede weitere Pflegestelle dankbar. Die meisten investieren ihr ganz privates Geld und finanzieren die Grundversorgung und den Transport der Hunde aus eigener Tasche. Die tatsächlichen Kosten übersteigen die Schutzgebühr um ein Vielfaches. Es ist also nicht verwunderlich, dass die Kapazitäten einfach nicht reichen, um aktiv zu werden, wenn die Hundehalter mit ihrem neuen Hund nicht zurecht kommen oder der nicht mit ihnen. 

Viele Hundehalter fühlen sich dann alleingelassen und sind wütend darüber, dass sie nun teure Tierarztkosten, Spezialfutter oder Hundetraining finanzieren müssen, was sie eigentlich in diesem Ausmaß nicht geplant hatten. Schließlich haben sie sich ja extra für den "superlieben, unkomplizierten Anfängerhund entschieden, der sich mit allem und jeden verträgt und auch noch Kinder liebt". Es kann gut sein, dass diese Beschreibung der Momentaufnahme in einer bestimmten Situation im Leben dieses Hundes den Tatsachen entsprochen hat. Was soll die Tierschutzorga jetzt also tun?

Genauso ist es mit Erkrankungen: Es kann einfach nicht Alles getestet und ausgeschlossen werden. Ein möglicher Herzfehler fällt möglicherweise wirklich erst auf, wenn regelmäßig Gassi gegangen wird und der Hund auffällig schnell hechelt und erschöpft ist. In der Tötungsstation wirkte das als Gelassenheit und die tierärztliche Untersuchung soll lediglich die ganz, ganz grobe Grundversorgung darstellen.

Verständlich, dass man verärgert ist, wenn man sich zwar einen Hund leisten kann, aber keine lebenslange, kostspielige Dauertherapie -Egal ob für's Herz, den Bewegungsapparat oder die Psyche des Hundes- und die vermittelnde Tierschutzorganisation dich damit "alleine" lässt, nicht mehr erreichbar und erst recht keine finanziellen Möglichkeiten. "Dabei hätte man das doch wissen, sagen, vorwarnen oder einplanen müssen? Ist das nicht unseriös? 

Du fühlst dich betrogen, hast den Hund gleichzeitig aber schon ins Herz geschlossen und würdest ihn unter keinen Umständen wieder abgeben. Wohin auch? Ein Dilemma.

 

Eigenverantwortung

Manche Erwartungen an das Engagement der Tierschützer sind schlicht und ergreifend auch überzogen und vollkommen ungerechtfertigt. Diese Menschen engagieren sich überwiegend in ihrer Freizeit für Tiere, für die sich niemand interessiert und versuchen irgendwie was sinnvolles zu tun. Deshalb könnte man daran jetzt sicher noch ewig herumkritisieren und tolle Vorschläge machen. Wichtig für sich ist, dass du differenzieren kannst, warum du welche Tierschutzorganisation unterstützt oder weshalb du ausgerechnet bei dieser Orga einen Hund adoptierst und am aller-allerwichtigsten: Dass du weißt, worauf du dich einlässt, wenn du dich für einen Hund entscheidest. Egal, ob Rasse-Star oder Streuner, Welpe oder erwachsener Hund.

Du kannst selbst aktiv werden und Verantwortung übernehmen!

Denn einen Hund zu sich zu nehmen ist immer eine Wundertüte. Ähnlich, wie mit Kindern. Und letztendlich ist es eine Entscheidung, die du selbst getroffen hast. Niemand sonst.

Dazu möchte ich dir noch eine Anekdote erzählen:

Vor einigen Jahren kontaktierte mich eine Hundehalterin, die einen als Angsthund deklarierten Galgo adoptieren wollte und sich Unterstützung für die ersten Wochen wünschte. Denn das wurde ihr von der Tierschutzorga so empfohlen. Sie hatte einen achtjährigen Sohn und arbeitete von Zuhause aus, mit eigenem Garten und großem Haus. Ideale Bedingungen.

Bei unserem ersten Treffen sprang mir ein drei Monate alter Mischling entgegen und dahinter flitzte der Sohn her. Die Frau war noch nicht zu Hause, sie käme jetzt erst mit dem Galgo nach Hause, den sie gerade erst abgeholt hatte. Also wartete ich mit ihrem Mann auf die Ankunft und erfuhr, dass der Welpe eine ganz spontane Entscheidung war. Den hatten Freunde mitgebracht, die die Welpen in Griechenland gefunden und kurzerhand mit nach Deutschland genommen hatten. Ob sie denn schon mal Hunde hatten, frage ich vorsichtig. "Nö, ich hab damit eigentlich auch wenig zu tun" so der Mann, ich bin hier nur kurz der Stellvertreter bis meine Frau mit dem Neuen kommt. Aber ich finde es natürlich auch toll, wenn mein Sohn jetzt mit Tieren aufwachsen kann".

Lange Rede kurzer Sinn: Der Galgo kam an, konnte sich nicht einleben, seine Ängste wurden immer schlimmer, die Familie vollkommen überfordert, mit aufgeregtem Sohn, überdrehtem Welpe und dem zur verängstigten Salzsäure erstarrten Galgo, der jetzt auch noch dauernd einnässte, wenn man sich ihm näherte. So viel Training und Weiterbildung, wie sie gebraucht hätten, konnte sich die Familie weder zeitlich noch finanziell leisten und irgendwie haben sie sich das auch Alles einfacher vorgestellt.

Auch hier fragte ich mich wieder: Wo ist denn hier die Tierschutzorga, die eine Nachkontrolle macht und schaut, wie die Vermittlung läuft und ob sich die Situation so darstellt, wie geschildert, versprochen, beworben und vorkontrolliert?

Eines Abends klingelte mein Telefonat und die Frau berichtete mir, dass sie nun nach langem Hin und Her die Tierschutzorga anrufen möchte, um den Galgo zurück zu geben. Und auch der Welpe solle wieder an die Freunde zurück. Denn auch das hatte sie sich einfacher vorgestellt und sie wollte ja eher einen ruhigeren Hund. Außerdem befanden sich ihr Mann und sie eigentlich auch in einem letzten Beziehungsversuch, der jetzt aber als endgültig gescheitert erklärt wurde und in der neuen Wohnung ist es jetzt für sie natürlich doof mit Hund. Zu ihrem Leben als Single passte jetzt auch gar kein Hund mehr. Jedenfalls keiner, der mehr Aufmerksamkeit oder Training braucht also die 3 Spaziergänge am Tag, die sie natürlich gerne machen würde. Aber die benötigt sie auch zum Abschalten. Da hat sie einfach keine Kraft für Training. 

Nun verstand ich auch, weshalb keine meiner Vorschläge, Übungen und überhaupt die ganze Beratung nicht fruchteten. Die gesamte Familie hatte definitiv überhaupt keine Kapazitäten um sich mit überhaupt etwas anderem zu befassen als mit sich selbst.

 

"Eigenverantwortung"

 

Ich fand es dennoch die beste Lösung, beide Hunde abzugeben und ging davon aus, dass die Frau diese Erfahrung als dennoch sehr lehrreich, wenn auch schmerzhaft verbuchen würde und wünschte ihr Alles Gute.

 

Etwa eine Woche später, erhielt ich eine Email von dieser Frau. Sie berichtete, dass sie den Galgo an die Tierschutzorga zurück gegeben hat. Nun überlege sie, sich einen anderen Galgo anzuschaffen, denn der Typ Hund an sich gefiele ihr sehr gut und auch das viel gepriesene "ruhige Wesen". Ob ich ihr denn einen Tierschutzverein empfehlen könne, an den sie sich wenden kann. Denn sie hätte doch gerne einen Hund, aber er müsse halt zu Hause absolut ruhig sein und draußen genauso hinter ihr laufen, wie der andere. Nur das mit der Pinkelei und der Angst war halt nicht so ihrs.

Ich antwortete, dass ich mich nicht in der Lage sehe, sie bei ihrem Vorhaben zu unterstützen und ich ihre Praxis "Hunde auszutauschen, bis der passende dabei ist" unter diesen Umständen nicht teile und auch nicht glaube, dass überhaupt irgendein Hund ihre Ansprüche erfüllen kann.

Dieses drastische Beispiel zeigt, wie extrem unterschiedlich die Erwartungen an ein Leben mit Hund sein können und das manche Vorstellungen auch einfach vollkommen unrealistisch sind. Das liegt zum Einen sicher an mangelnder Aufklärung. Zum Anderen jedoch auch daran, dass man es doch allzu gerne glauben möchte, dass ein bisschen Liebe und guter Wille schon ausreichen und Einwände, Risiken oder mögliche Probleme in der ersten Euphorie ignoriert werden. 

Manchmal führt vielleicht auch einfach ein ganz anderer Grund dazu, dass es jetzt unbedingt ein Hund sein muss und nicht selten sind Hunde schlicht und ergreifend ein Statussymbol.

"Wird schon klappen".

Manchmal klappt es aber nicht und eine schlechte Vermittlung an eine ungeeignete Endstelle, mangelhafte Vor- und Nachkontrollen, keine Vorbereitung der zukünftigen Hundehalter und Menschen sind nicht selten der Grund und das "Hat leider nicht geklappt" könnte vermieden werden.

Wie vermeide ich Fehler bei der Hundeanschaffung?

Deshalb möchte ich dir in der folgenden Artikelreihe Infos an die Hand geben, wie du negative Erfahrungen vermeiden kannst, was du wissen musst und worauf du achten solltest, bevor du einen Hund zu dir nimmst. Welche Situationen eintreten können ohne, dass dafür irgendwer verantwortlich gemacht werden kann. Egal, ob der Hund nun vom Züchter oder aus dem Tierschutz kommt.

Denn genauso, wie es seriöse und unseriöse Tierschutzorgas gibt, finden sich auch unter Züchtern sehr, sehr viele Menschen, denen es ziemlich wurscht ist, wie du mit dem Hund zurecht kommst, den du erworben hast, ob dieser wirklich gesund ist und bleibt und solche, denen das Wohl der vermittelten oder verkauften Hunde am Herzen liegt und genauso das deren neuer Familie.

Umso wichtiger, dass du dir vor der Hundeanschaffung einige Fragen stellst und eine gute Entscheidung triffst, die du nicht bereuen musst, auch wenn es mal schwierig wird.

 

Liebe Grüße,

deine


*Darren Lawson, Wie viele Hunde gibt es auf der Welt, Februar 2020, (https://www.ripleybelieves.com/how-many-dogs-are-there-in-world-521)

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