Halsband oder Geschirr?

Noch vor einigen Jahren trugen Hunde nur dann ein Geschirr, wenn sie als Diensthunde oder Servicehunde eingesetzt wurden. Dass ein Hund ein Halsband trägt, war völlig selbstverständlich. Familienhunde mit einem Geschirr wurden eher belächelt.

Das hat sich mittlerweile massiv geändert. Hundegeschirre kann man in allen Farben und den verschiedensten Formen finden. Aus Neopren, Leder, Nylon und Mischmaterialien, ausbruchssicher, mit Tragehilfe oder wahlweise Reflektoren für die nächtliche Gassirunde.

Auch Halsbänder hat jeder Hundehalter in mehrfacher Ausführung zu Hause. Doch viele Hundehalter sind sich unsicher, wann Halsband oder Geschirr eingesetzt werden.

Vorteile und Nachteile

Vorteile des Halsbandes

Ein Halsband hat definitiv den Vorteil des unkomplizierten An- und Ausziehens. Flott über den Kopf gestreift ist es ruck-zuck an- und ausgezogen.

Über das Halsband und durch den Sitz an der empfindlichen Halswirbelsäule kann der Hundeführer enorm viel Druck auf den Hund ausüben. Das hat natürlich den Vorteil, dass der Mensch den Eindruck hat, seinen Hund besser kontrollieren zu können.

In bestimmten Situationen und bei bestimmten Übungen, wenn die Basis für eine gute Leinenführigkeit bereits gelegt ist, fällt es dem Hund häufig leichter, zu erkennen, in welche Richtung der Mensch seinen Hund "führen" möchte. 

Nachteile Hundehalsband

Der Nachteil des Halsbandes ist, dass es bei einem nicht leinenführigen Hund und einem groben Einsatz zu immensen Schäden an der Halswirbelsäule kommen kann.

Springt und hüpft der Hund häufig "in das Halsband" oder die Leine oder übt der Mensch regelmäßig zu viel Druck auf das Halsband aus, fügen diese ruckartigen Bewegungen der Halswirbelsäule Mikrotraumen zu. Diese kleinen Haarrisse können fatale Folgen haben.

Meist sind diese Schäden für den Laien nicht erkennbar. Wer aber schon einmal einen verspannten Nacken gehabt hat weiß, wie schmerzhaft es sein kann, wenn Muskelverspannungen die Bewegungsfreiheit einschränken.

Da Hunde, die häufig an der Leine ziehen und an einem Halsband geführt werden, dazu neigen, die Halsmuskulatur anzuspannen, um so den Druck abzufedern, haben sie meist eine schräg verspannte Muskulatur.

Langfristig führt dies zu Bewegunsgeinschränkungen und Haltungsschäden. Das ist insbesondere auffällig, wenn der Hund zudem häufig auf einer bestimmten Seite läuft.

Vorteile des Geschirres

Ein Geschirr verteilt den Leinenzug auf verschiedene Druckpunkte. So wird der Leinenzug gleichmäßig verteilt. Voraussetzung ist natürlich ein guter Sitz des Hundegeschirrs. Viele Geschirre bieten die Möglichkeit, den Hund schneller festzuhalten und schonen die Halsmuskulatur. Besonders bei noch nicht leinenführigen Hunden bietet das Geschirr den Vorteil der Schonung der Halswirbelsäule des Hundes.

Nachteile Hundegeschirr

Aus vielen Hundegeschirren kommt ein ausbruchsfreudiger Hund innerhalb weniger Sekunden heraus. Wobei dies je nach Kopfform des Hundes auch bei vielen Halsbändern möglich ist.

Über das Hundegeschirr ist der Hundeführer auf die Leinenführigkeit des Hundes angewiesen, wenn er seinen Hund nicht durch die Gegend zerren möchte. Ein Geschirr macht es dem Hund leicht, sich mit seinem Körpergewicht in das Geschirr zu hängen und somit ordentlich zu ziehen. 

Einsatz von Geschirr und Halsband

Ich bevorzuge meist einen kombinierten Einsatz von Halsband und Geschirr. Im Zweifel bin ich jedoch für ein Geschirr. Warum? Ist ein Hund noch nicht leinenführig, schont das Geschirr die Halswirbelsäule. Das hat nicht nur körperliche oder gesundheitliche Gründe, sondern dient auch dem Wohlbefinden des Hundes. Der Hund soll während des Trainings und der Spaziergänge lernen, dass das Laufen an der Leine etwas Angenehmes ist. Schon aus diesem Grund sollte der Hund ein möglichst bequemes, gut sitzendes Geschirr tragen.

Eine Ausnahme stellen Hunde dar, die das Tragen eines Geschirres als extrem unangenehm empfinden.

Das Halsband bietet dem Hund, sanft eingesetzt, die Möglichkeit, leichter nachzuvollziehen, in welche Richtung es geht. Dies aber nur, wenn er bereits gelernt hat, dem Mensch zu folgen und nicht vorneweg zu spazieren.

Soll der Hund an einer längeren Leine oder einer Schleppleine geführt werden, muss diese immer unbedingt am Geschirr befestigt werden.

Worauf sollte man bei der Wahl eines Halsbandes oder Geschirres achten?

Ein Halsband sollte nicht zu locker und nicht zu eng sitzen und mindestens zwei Finger breit Weite aufweisen. Das Hundehalsband sollte nicht zu schmal sein. Im besten Falle ist es sogar gepolstert. Hier bietet sich Neopren an, da es schnell trocknet und sich nicht statisch auflädt.

Ein Geschirr sollte die Vorderbeine nicht einschränken und nicht scheuern. Deswegen sollte darauf geachtet werden, dass zwischen dem Ellbogen des Hundes und dem Bauchgurt bei einem mittelgroßen Hund etwa eine Hand breit Platz ist. Der Brustgurt sollte bei einem Norwegergeschirr weder die Vorderbeine behindern noch zu hoch sitzen. Bei einem Y-Geschirr sollte der Brustgurt auf dem Brustknochen liegen. Auch sollte ein Geschirr den Hund beim Einatmen nicht behindern und dabei ebenso wenig zu eng sein. Auch hier sind zwei Finger breit Luft ein guter Parameter.

 

Ob ein Geschirr gut sitzt, zeigt sich besonders bei der Schleppleinen-Arbeit. Wenn das Geschirr dabei zu sehr verrutscht, sitzt es nicht gut. Mittlerweile gibt es einige Anbieter, die qualitativ hochwertige Hundegeschirre nach Maß anfertigen. Davon profitieren besonders Hunderassen wie Bulldoggen oder Windhunde.

 

Noch ein Tipp: Dauernd das Klappern und Klimpern der Hundemarken in den Ohren zu haben muss unglaublich nervig sein. Insbesondere, wenn diese direkt am Halsband, in unmittelbarer Nähe des Ohres, befestigt sind. Mit einem kleinen Täschchen für Hundemarken lässt sich das Problem leicht lösen.

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