Halti
Der gebräuchlichste Begriff ist wohl "Halti". Man nennt es allerdings auch Headcollar, Kopfhalfter, Hundehalfter oder Gentle-Leader.
Es ähnelt äußerlich dem "Pferdehalfter".
Der Teil des Haltis, welcher sich um die Schnauze legt, verfügt über einen Ring an der Unterseite, an welchem eine Leine befestigt wird.
Dreht der Hund den Kopf in eine "nicht gewünschte" Richtung, zieht sich dieser Teil des Haltis zusammen und legt sich eng um den Fang. Umgekehrt lässt sich der Hund mit Hilfe des Haltis mit relativ wenig Kraftaufwand in fast jede Richtung lenken.
Fast alle Hunde reagieren auf diese mechanische Imitation des "Schnauzgriffes" mit spezifischer Empfindlichkeit.
In der Theorie erfolgt demnach auf eine nicht erwünschte Bewegung des Hundes sofort der "Schnauzgriff" und die "Korrektur", da der Hund wieder eine Haltung einnehmen wird, in der das Halti locker sitzt.
Ausführungen zum Thema "Schnauzgriff" würden hier zu weit führen. Es sei aber erwähnt, dass dieser je nach Stärke und Situation völlig gegensätzliche Signale an den Empfänger sendet. Positive wie negative.
Deshalb ist gerade der mechanische Schnauzgriff durch ein Halti, unserer Meinung nach völlig ungeeignet und kann dem Hund widersprüchliche Signale senden, deren Wirkung er ohne jede Vorwarnung spürt.
Es besteht also die Gefahr, bei der Anwendung des Haltis, die wahrscheinlich ohnehin schon nicht einwandfreie Kommunikation zwischen Hund und Halter noch mehr zu verkomplizieren und den Hund zu verunsichern.
Befürworter des Haltis führen unter anderem an, dass die, sich im Bereich der Nase befindlichen Akupunkturpunkte, sowie deren Meridiane durch das Tragen eines Haltis stimuliert werden und somit zur Beruhigung des Hundes beitragen können.
Es ist fraglich, ob eine permanente und regelmäßige Stimulation über einen längeren Zeitraum tatsächlich wünschenswert ist.
Akupressur solte jedenfalls kein unkontrollierter Nebeneffekt bei der Erziehung des Hundes sein.
Bei falscher Anwendung kann das Halti zu ernsthaften spontanen und chronischen Krankheitsbildern führen und im schlimmsten, aber Gott sei Dank seltenen Fall mit Genickbruch enden.
Es gibt etliche weitere Punkte, die für und gegen das Halti sprechen. Schon deswegen sollte es nicht als "Allheilmittel" beim Einüben von Fuß, "Lieb sein" und Blickkontakt eingesetzt werden. Dies ist heute leider immer öfter der Fall.
Wir verwenden das Halti nur in absoluten Ausnahmefällen, bei sehr großen und schweren Hunden, die aufgrund Ihrer unzureichenden Ausbildung oder gesteigerter Aggressivität anders nicht zu "handeln" sind und in Ihrem momentanen Status eine Gefahr für Ihre Umwelt darstellen.
Und selbst dann nur, wenn "alles Andere" nichts genützt hat.
Nie sollte das Halti ein Ersatz für zu wenig Auslauf oder Geduld bei der Erziehung sein.
Wenn Sie dennoch ein Halti verwenden, sollten Sie unbedingt auf folgende Punkte achten:
- Den Hund behutsam an das Halti gewöhnen. Ein schnelles Überziehen und hauptsache es ist dran, verschlimmert die Situation meistens.
- Unbedingt eine doppelte Führung über das Halti und ein Halsband oder Geschirr. An Halsband und Geschirr wird der Hund geführt. Am Halti nach vorherigem "Warnsignal" nur korrigiert.
- Der führende Mensch sollte über ein hohes Maß an Selbstkontrolle verfügen. Ungeduldiges Ziehen oder gar "Rucken" muss tabu sein.
- Das Halti ersetzt nicht das Training, sondern Ziel ist es, dieses "Ding" so schnell wie möglich wieder los zu werden. Nie sollte das Halti also dazu dienen, irgendwie die Situation zu überstehen. Sondern die Situationen, die dazu beigetragen haben, ein Halti zu verwenden, müssen aufgesucht werden und mit Hilfe eines Trainingsplanes geübt werden.
- Das Halti ist kein "Bestrafungswerkzeug" und kein geeigneter Halsband-/Geschirrersatz.
- Man kann es heute immer öfter beobachten, deshalb wird es noch einmal extra erwähnt: Binden Sie Ihren Hund nie mit seinem Halti irgendwo fest. Auch nicht wenn er das gewöhnt ist. Und erst recht
nicht, wenn Sie außer Reichweite sind, z.B. im Supermarkt.
